Breitband für 14 Wittinger Orte im Herbst / Boitzenhagen und Transvaal außen vor

Kabelloses Netz aus Jübar

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Der Wasserturm in Jübar: Oben ist deutlich die Antennen-Anlage zu erkennen, die auch ins Isenhagener Land senden soll.

Wittingen/Boitzenhagen. Viele Dörfer dürfen auf Besserung hoffen, zwei Orte bleiben womöglich weiterhin vom schnellen Internet abgeschnitten: Voraussichtlich im September sollen 14 Dörfer im Wittinger Stadtgebiet über W-DSL-Technik angebunden werden.

Für Boitzenhagen und Transvaal ist nach wie vor keine konkrete Lösung greifbar.

Mit dem Netzausbau ist, im Rahmen eines Förderprogramms, die Firma ArcheNet aus Wilhelmshaven beauftragt worden. Deren Vertriebsleiter Mario Weinkauf war jetzt im Rathaus zu Gast, um Stadtpolitikern und Ortsvorstehern die Planungen seines Unternehmens zu erläutern. Die Resonanz war eher mau: 13 Zuhörer wollten sich ein Bild vom funkbasierten Breitband machen.

Die Dörfer, die ab Herbst „drin“ sein sollen, sind: Eutzen, Gannerwinkel, Hagen, Kakerbeck, Küstorf, Lüben, Mahnburg, Rade, Schneflingen, Stöcken, Suderwittingen, Teschendorf, Wunderbüttel, Zasenbeck. Fehlt neben Boitzenhagen und Transvaal noch Wollerstorf. Von dort kam allerdings laut Andreas Ritter vom Hauptamt der Stadt keine Rückmeldung, als vor dem Förderantrag der Bedarf abgefragt wurde.

Weinkauf skizzierte, dass ArcheNet eine Grundversorgung von mindestens 2 MBit pro Sekunde biete. Eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Status quo – auch wenn in der Veranstaltung deutlich wurde, dass in Ballungsräumen längst ganz andere Geschwindigkeiten üblich sind, dort surft man inzwischen mit 50 MBit pro Sekunde.

Die Signale kommen über so genannte „Hauptverteiler“ und gegebenenfalls nötige „Unterverteiler“ in die Häuser. Diese Sender können auf Kirchtürmen, Masten oder Windrädern angebracht sein – letztlich auf allem, was hoch genug ist. Kunden müssen ihre Empfangsantennen zum nächstgelegenen Verteiler hin ausrichten. Das Hauptsignal für die Wittinger Dörfer wird ArcheNet vom Jübarer Wasserturm aus ins Isenhagener Land strahlen.

Weinkauf sagte, sein W-DSL („wireless“, kabellos) sei ausreichend abgesichert, Homebanking etwa werde verschlüsselt. Die Immissionen dieser Funklösung betrügen „1 Millionstel des Grenzwertes“, die übliche Handy-Strahlung (GSM) sei um das 1000-fache höher. Auch für Geschäftskunden habe man Angebote.

ArcheNet, das im Rahmen der Breitband-Initiative sozusagen auf „offiziellem“ Wege die Lücken auf dem Wittinger Land schließen soll, steht letztlich im Wettbewerb mit Vodafone. Das Unternehmen vermarktet in der Region Anschlüsse mit LTE-Technik.

Während aus Transvaal kein Vertreter zugegen war, kritisierte Boitzenhagens Ortsvorsteher Klaus Palluck in der Info-Veranstaltung, dass Boitzenhagen von ArcheNet bei der Ausschreibung „ausgeklammert“ worden sei: „Wie hoch wäre denn das Schmerzensgeld, um 340 Leute in unserem Ort anzubinden?“ Weinkauf sagte, sein Unternehmen werde das prüfen, dann komme „eine Zahl auf den Tisch“. Fördergelder werden in diesem Fall wohl nicht mehr fließen, die Stadt Wittingen wäre vermutlich finanziell gefragt. „Bei jedem neuen Weg bewegen wir uns außerhalb des Förderprogramms“, betonte Ritter.

Im ersten Anlauf war die Fördersumme gedeckelt worden, das von viel Wald umgebene Boitzenhagen und der für einen Anschluss nötige Aufwand passten offenbar nicht ins Budget. Palluck berichtete, es herrsche „Frust im Ort“, man fühle sich „wie Dresden II, im Tal der Ahnungslosen“.

Eventuell kommt Hilfe aus der Samtgemeinde Brome, wenn das nahe Wiswedel über ein Förderprojekt angeschlossen wird. Das ist aber laut Ritter noch genauso offen wie die Frage, ob Transvaal von einem schnellen Netz für Weißes Moor profitieren kann. Auch in dieser Hinsicht gebe es, so Ritter, „noch nichts Offizielles“.

Von Holger Boden

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