Wittinger Schulausschuss verabschiedet Kompromiss-Antrag / Eltern bleiben der Sitzung fern

Jetzt wollen alle die Gesamtschule

Wie geht es mit der Schulentwicklung in Wittingen weiter? Dieses Thema wurde vom Schulausschuss kontrovers diskutiert. Foto: dpa

Wittingen. Wittingen will die Gesamtschule – dieses Signal soll die Stadt nach dem Willen des Schulausschusses jetzt deutlich aussenden. Am Dienstagabend stimmte das Gremium nach umständlicher Debatte für einen entsprechenden Antrag an den Landkreis.

Das letztlich verabschiedete Papier war ein Kompromiss zwischen den beiden Anträgen, die die CDU einerseits und SPD/FWG/Grüne andererseits kurzfristig vorgelegt hatten. Beide Seiten waren sich schnell einig geworden, die „Schulentwicklung der Stadt Wittingen“, die eigentlich an diesem Abend nicht auf der Agenda stand, auf die Tagesordnung zu hieven.

Eine Entwicklung, für die sich Wittinger Eltern offenbar nicht allzu sehr interessieren. Die Zuschauerplätze blieben in der Grundschul-Mensa weitgehend leer. Einzig Friedrich O. Winkelmann, Bürgervertreter im Wirtschaftsausschuss und seit einigen Monaten erkennbar für Wittinger IGS-Bemühungen unterwegs, monierte in der Einwohnerfragestunde, dass im Schulausschuss nicht eher über ein Gesamtschulangebot diskutiert worden sei, und dass keine Gespräche samt Schulführung in Wittingen mit der Planungsgruppe des Landkreises zustande gekommen seien.

Der Ausschussvorsitzende Jens Schröder (CDU) meinte dazu, er könne kaum „die Planungsgruppe gefesselt und geknebelt nach Wittingen treiben“. Der Wittinger Gesprächswunsch sei aus Gifhorn negativ beschieden worden.

Hans-Heinrich Koch (SPD) machte für die Gruppe von SPD, FWG und Grünen deutlich, dass man eine „unbedingte Notwendigkeit“ für eine Wittinger IGS-Bewerbung sehe. Die könne durchaus Chancen haben, denn: „Ich sehe nicht, dass unter dem Elterndruck die geforderte Fünfzügigkeit haltbar ist – egal, wer nach der Landtagswahl regiert.“ Andreas Harms (FWG) verwies auf die Schulstruktur im Landkreis: Alle neugebauten Gymnasien seien in den letzten Jahren im Südkreis gelandet, und an der IGS Sassenburg gebe es mehr Bewerber als Plätze.

Schröder stellte dem den eigenen CDU-Antrag gegenüber, mit einem Punkt a (keine Gefährdung des Gymnasiums Hankensbüttel), einem Punkt b (Forderung nach gymnasialem Zweig für die Wittinger Oberschule) und einem Punkt c (der Landkreis soll eine umfassende Schulentwicklungsplanung auf den Weg bringen und die Kommunen dabei einbinden). Eine Gesamtschule in Wesendorf könne negative Auswirkungen für die Wittinger Oberschule haben, deshalb sei im Nordkreis eine aufeinander abgestimmte Planung erforderlich. Eine reine IGS-Bewerbung greife zu kurz.

„Wir müssen Optionen schaffen, den Standort Wittingen auch dann zu stärken, wenn wir keine IGS bekommen“, befand Schröder. Sein Fraktionskollege Stefan Meinecke sah das genauso: „Ich halte es für fatal, sich einfach nur auf die IGS zu versteifen.“ Der Ausschussvorsitzende schlug vor, die Anträge beider Seiten zusammenzufassen.

Zwar fand auch Ralf Beyer (Grüne) es wichtig, „mit einer Stimme zu sprechen“, jedoch stieß bei der Gruppe nur der CDU-Punkt c) auf Gegenliebe. Mit einer nachhaltigen Planung könne man sich anfreunden, meinte Beyer, doch sei nicht ersichtlich, warum nun plötzlich der gerade erst abgelehnte gymnasiale Zug genehmigt werden sollte. Der FWG-Politikerin war das „zuviel Wenn und Aber“. Und dass das Gymnasium Hankensbüttel nicht gefährdet werden solle, das müsse man, so Koch, „nicht betonen“, das sei „selbstverständlich“.

Sieht der Verwaltungsausschuss die Dinge genauso wie der Schulausschuss, bekommt der Landkreis demnächst also wieder Post aus Wittingen.

Etwas irritiert ist man von den Wittinger IGS-Hoffnungen an der eben erst an den Start gegangenen Oberschule. Koch hatte deren Standort an der Spittastraße als mögliches Zuhause einer neuen Gesamtschule ins Spiel gebracht. Konrektor Georg Ebener zeigte sich wenig amüsiert: „Und wo bleiben wir dann?“

Von Holger Boden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare