Jetzt schon ans Fest denken

Lieferengpässe erreichen auch Wittinger Handel

Selbst Kleidung ist vor dem Fest mitunter schwer lieferbar.
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Vielleicht werden dieses Jahr nicht mal Socken umgetauscht – gerade in der Textilbranche sind viele Artikel derzeit knapp.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Lieferengpässe, Logistikprobleme, leere Lager – das bekommt auch der Wittinger Einzelhandel zu spüren. Branchenübergreifend fehlt bei vielen Waren der Nachschub, nicht nur bei Geräten, in denen Mikrochips verbaut sind. Leere unter dem Weihnachtsbaum bedeutet das aber nicht automatisch, sagen die Händler.

Wittingen – „Man sollte sich dieses Jahr frühzeitig erkundigen“, sagt Matthias Rönneberg, 2. Vorsitzender des HGV. „Der letzte Drücker ist keine gute Idee.“ Mit seinem Elektronik-Geschäft spürt Rönneberg beispielsweise Engpässe bei Druckern, Smartphones oder der sogenannten weißen Ware. „Vorbestellt haben wir genug, aber man bekommt derzeit keine Lieferzusagen.“

Weil die Lieferketten nicht wie gewohnt stehen. „Manche Ware liegt in Warteschleife in irgendeinem Hafen“, weiß Rönneberg. Aus erster Hand erfährt er dieser Tage auch, wie die Probleme in gleichem Maße den Internet-Handel treffen, der ja zuletzt den Fachgeschäften das Leben immer schwerer gemacht hat: „Wenn jemand bei Amazon nicht fündig geworden ist, dann probiert er es bei uns.“ Rönneberg findet das natürlich gut: „Wir versuchen, für alles eine Lösung zu finden. Das Weihnachtsgeschäft muss nicht ausfallen, wir sind ja mit Ware bestückt. Meist sind Alternativen da, wenn man etwas flexibel ist oder etwas Geduld mitbringt.“ Heißt: Auf die neue Waschmaschine muss nicht unbedingt verzichtet werden, wenn es gegebenenfalls auch eine andere Marke sein darf, oder wenn vielleicht noch ein paar Wochen Zeit ist.

Besonders hart trifft die Mischung aus Corona-Krise und Rohstoffmangel auch die Textilindustrie – der Wittinger Modehändler Thomas Wittpennig kann ein Lied davon singen. Bei einem Lieferanten hat er neulich 40 Anzüge bestellt, geliefert wurden drei Hosen. Eine andere Firma konnte eine Unterhosen-Bestellung nicht bedienen, und das liegt nicht mal an Containern, die irgendwelche Häfen in Fernost nicht verlassen können: „Europäische Fertigung“, sagt Wittpennig. „Aber die kriegen die Garne nicht ran.“

In manchen Segmenten, so weiß der Wittinger, stand die Bekleidungsfertigung in Ländern wie Italien oder Tschechien vier Wochen lang still, deshalb herrscht zum Teil ein enormer Nachholbedarf. „Überall Wartezeiten, es wird immer schlimmer.“ Eine Lieferung Fußballschuhe sei jetzt vom Lieferanten komplett storniert worden. Weil so etwas auch die großen Händler in den Städten trifft, bekommt Wittpennig sogar schon Anfragen von Kunden aus Wolfsburg oder Gifhorn, die hoffen, in Wittingen noch ein Paar Fußballschuhe zu ergattern.

Ein Kardinalproblem, so hat der Wittinger Einzelhändler erfahren, sind wohl auch die hohen Containerpreise. Manche bekannte Marke sei nicht bereit, die aufgerufenen Summen zu zahlen – und verkaufe stattdessen die Ware lieber gleich dort, wo sie produziert wird: in China.

Gleichwohl gilt auch bei Wittpennig: Auf jeden Fall vorbeikommen und fragen. Ein Motto, das auch Karlheinz Glaubitz, Geschäftsführer von Werkers Welt, so ausgibt: „Wir bemühen uns natürlich, die Ware zu bekommen und Probleme zu lösen.“ Es werde sicher genug in den Regalen sein, um Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen zu können. Lieferengpässe sind laut Glaubitz etwa bei Holzprodukten oder bei Rasenmähern und -traktoren angekündigt. Auch hier gelte, möglichst frühzeitig nachzufragen.

Im Fachhaus Glaubitz sieht die Chefin Lara Gade derzeit noch keine größeren Probleme: „Wir haben gut vorgeordert. Jedes Kind wird etwas zu Weihnachten kriegen können.“ Auch ihre Botschaft lautet aber: Jetzt schon ans Fest denken. „Man sollte nicht zu lange warten“, sagt Gade, bei einzelnen Artikeln könne es eventuell zu Engpässen kommen. Das gelte in erster Linie dort, wo Elektronik verbaut ist.

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