Der Müll der Neujahrsnacht: Fegen muss zur Not auch, wer nicht gefeiert hat

Ein jeder kehre vor seiner Tür

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Feuerwerks-Überbleibsel gestern in der Wittinger Südstraße: Aufräumen müssen immer die Anwohner – auch wenn sie selbst gar nichts zu dem Neujahrs-Müll beigetragen haben. 

Wittingen – Wer kümmert sich eigentlich um den herrenlosen Müll, der im Zuge diverser Aktivitäten in der Silvesternacht auf der Straße bleibt und dort manchmal noch Tage nach dem Jahreswechsel liegt?

Nach Angaben der Stadtverwaltung gelten auch bei der Beseitigung von Sektflaschen-Scherben, Böllerresten und ausgebrannten Raketen-Brennstufen die üblichen Regeln der Straßenreinigungssatzung, Und das heißt, frei nach Goethe: Ein jeder kehre vor seiner Tür – auch wenn er selbst gar nicht zu den Resten vom Fest beigetragen hat.

„Jeder Anwohner ist selbst verantwortlich“, sagt Andreas Ritter vom Hauptamt der Stadt auf IK-Anfrage. Das Rathaus habe in dieser Hinsicht nach Silvester „noch nie Probleme feststellen müssen“.

Etwas komplizierter wird es freilich, wenn vor Mehrfamilienhäusern aufgeräumt werden muss – das ist aber zunächst einmal nicht das Problem der Kommune: „Für uns wäre der Eigentümer einer Immobilie der Ansprechpartner“, sagt Ritter. Und der müsse eben im Binnenverhältnis mit seinen Mietern die Räumpflichten regeln, ob nun für Schnee, Herbstlaub oder eben Böllerreste. Oft gebe es in solchen Fällen einen Hausmeister, mitunter seien die Mieter reihum an der Reihe.

Konkrete zeitliche Fristen, wann denn die Überbleibsel von Feuerwerk und mitternächtlichem Anstoßen verschwunden sein sollten, setzt die Stadt nicht. Die Reinigungssatzung spricht von „einmal wöchentlich“, allerdings würde niemand das Straßefegen erwarten, wenn es nichts zu fegen gibt. Nach Neujahr freilich gibt es meist etwas zu fegen: „Bedarfsgerecht“ und „zeitnah“ sollen Bürgersteig, Gosse und Straße gesäubert sein. Ritter drückt das mit Blick auf alle von Feiermüll betroffenen Ecken so aus: „Nach Silvester muss man ran.“

Die Reinigung der öffentlichen Flächen übernimmt der Bauhof. Die Menge des Abfalls, der dabei zusammenkommt, ist laut Ritter aber nicht so gewaltig, dass sie in irgendwelchen Statistiken auftaucht – anders als in vielen Großstädten, wo nach dem Jahreswechsel regelmäßig von so und so vielen Tonnen Müll die Rede ist. Deshalb gibt es auch keine Zahl, die die Kosten der Aufräumarbeiten nach Silvester ausweisen würde.

Und wenn Anwohner nun nicht ihrer Pflicht zum Fegen nachkommen? Dann, so Ritter, kommt erst ein freundlicher Hinweis vom Amt, bevor gegebenenfalls mit einer Anhörung oder einem Bußgeldbescheid die Eskalationsschraube weiter angezogen wird. War aber im Zusammenhang mit Silvester noch nicht nötig. Und Ritter geht davon aus, dass das auch an einem gewissen sozialen Druck liegen könnte: Wenn wochenlang die Böller liegenblieben, dann würden die Nachbarn wohl irgendwann beim Verantwortlichen oder bei der Verwaltung vorstellig.

Von Holger Boden

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