Aktuelle Studie des Paritätischen: Landkreis schneidet besser als Durchschnitt ab

Jeder 13. Gifhorner ist arm

+
Im Kreis Gifhorn müssen viele Familien, vor allem mit Kindern, mit sehr wenig Geld auskommen. Trotzdem ist der Anteil der Empfänger staatlicher Leistungen hier vergleichsweise gering.

Landkreis Gifhorn. Der Anteil einkommensschwacher Menschen ist im Kreis Gifhorn niedriger als im Bundes- und Landesdurchschnitt.

Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Berichts zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland, den der Paritätische Wohlfahrtsverband jetzt vorgelegt hat.

So bezogen im Juli dieses Jahres 7,7 Prozent der Menschen – also jeder 13. Bewohner – im Kreis Gifhorn Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II, vor allem Arbeitslosengeld II und Sozialgeld. Bundesweit sind 9,8 Prozent der Bürger auf diese staatliche Hilfe angewiesen, im Land sind es 9,7 Prozent. Damit liegt der Gifhorn im vorderen Mittelfeld der bundesweit 400 untersuchten Regionen. In Niedersachsen gibt es nur zehn Kreise oder kreisfreie Städte, deren SGB-II-Quote niedriger ist als in Gifhorn. An der Spitze liegt der Kreis Vechta mit 5,0 Prozent.

Auffällig ist, dass der Anteil der Leistungsbezieher in fast allen bundesdeutschen Regionen stetig sinkt. So betrug die Quote im Kreis Gifhorn im Juli 2007 noch 9,2 Prozent, im Juli vorigen Jahres waren es 8,5 Prozent.

Neben der SGB-II-Quote in den Landkreisen und Städten hat der Paritätische auch die Armutsgefährdung in größeren geografischen Einheiten untersucht. Dabei landet die Region Braunschweig – zu ihr gehört der Kreis Gifhorn – auf einem mittleren Platz. 14,9 Prozent der Menschen sind hier armutsgefährdet. Bundesweit liegt der Schnitt bei 14,5 Prozent, im Land bei 15,3 Prozent. Als armutsgefährdet gelten Personen, denen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung stehen. 2010 lag die Armutsschwelle für Single-Haushalte bei 826 Euro monatlich, für eine vierköpfige Familie bei 1735 Euro.

Sandra Helbing, Geschäftsführerin des Paritätischen-Kreisverbandes Gifhorn, freut sich über den Rückgang der SGB-II-Quote in der hiesigen Region. „Trotzdem ist jeder Einzelne, der in dieser Statistik auftaucht, einer zu viel“, sagt sie und nennt ein Beispiel für das soziale Gefälle im Kreis Gifhorn: „In den Kitas können viele Eltern das Mittagessen für ihre Kinder nicht bezahlen.“ Generell werde die Schere zwischen armen und reichen Familien immer größer. Hier setze sich der Paritätische mit seinen Mitgliedsorganisationen, etwa dem Kinderschutzbund, für eine gerechtere Einkommensverteilung ein.

Einen detaillierten Überblick über die soziale Situation im Landkreis Gifhorn will sich im kommenden Jahr die Kreisverwaltung verschaffen. Das kündigt Bernd Schwabe, Leiter des Fachbereichs Soziales, an. „Unser Ziel ist, 2012 eine umfassende Situationsbeschreibung zu Armut und sozialen Lebenslagen vorzulegen“, erklärt Schwabe. Dafür werde umfassendes Datenmaterial zusammentragen, aus dem sich der Landkreis neue Erkenntnisse verspricht. „Wir wissen zum Beispiel noch nicht, wie viele behinderte Menschen es im Kreis Gifhorn gibt und welche Art der Behinderung sie haben“, erläutert Schwabe. Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2012, glaubt er, sollen erste verwertbare Erkenntnisse vorliegen.

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare