Kreisjägermeister kritisiert Pachtungen: Bindung zu Revieren fehlt

Jagd im Wandel der Zeit

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Die Jagd hat sich im Laufe der Zeit verändert.

Landkreis Gifhorn/Ummern. Der Mensch nimmt großen Einfluss auf die Umwelt und die Tiere, die darin leben. Einflüsse, die sich auch besonders im Bereich der Jagd widerspiegeln.

„Durch die gewaltigen Änderungen in der Landwirtschaft haben sich die Grundlagen der Jagd wesentlich geändert“, weiß der Kreisjägermeister Jürgen-Hinrich Kohrs. Beispiel seien größere Felder und neue technische Möglichkeiten, die den Lebensraum des Niederwildes weitestgehend zerstören. Der Anbau von Mais, Süßroggen für Biogasanlagen, die Ernte in der Brut- und Aufzuchtzeit oder auch die Rübenernte in der Nacht: Sie erschweren die Voraussetzungen des Niederwilds.

Beim Schalenwild hingegen sieht die Entwicklung umgekehrt aus. Gerade die moderne Landwirtschaft hat die Lebensbedingungen stark begünstigt. Neben dem Schwarzwild hat auch das Rotwild ideale Überlebenschancen.

Die Jäger haben auf die neuen Bedingungen reagiert und die Abschüsse erhöht. Obwohl der Wildbestand im Landkreis Gifhorn, bezogen auf den Lebensraum, nicht zu hoch sei, komme es immer wieder auch zu Wildschaden. „Eine genaue Zahl über die Höhe des Wildschadens kann ich nicht nenne. Grundsätzlich gibt es große Unterschiede. Eine hohe Maisfläche im Revier zieht Schwarzwild aus angrenzenden Bereich an. Dies führt dann im Einzelnen zu hohen Schäden“, erklärt Kohrs. Er ist der Meinung, dass gerade in diesem Bereich die Abstimmung mit landwirtschaftlichen Bewirtschaftern und die wirtschaflichen Voraussetzungen in Form von Anbauhilfen für die Jagdausübung noch wesentlich verbessert werden könnten.

Grundsätzlich ist die Jagdgenossenschaft für den Wildschaden zuständig. „In der Regel wird die Verpflichtung auf den Pächter übertragen. Je nach Wildbestand und Abbaufläche gibt es Abstimmungen“, weiß der Kreisjägermeister. Die Pachtung ist Kohrs ein weiterer Dorn im Auge. Er stellt den starken Wandel der Zeit heraus: „Die Jagd wurde mit der Fahrt auf dem Fahrrad begonnen.“ Jetzt nehmen Jäger längere Anfahrten zu ihren Revieren in Kauf. Dabei gehe aber ein wichtiger Vorteil verloren, nämlich die Kenntnis über das vorhandene oder auch ziehende Wild, der ständige Überblick über den Wildbestand oder auch Wildschäden und sofortige Reaktionen. Außerdem fehle die Bindung für das entsprechende Revier, denn für die Jagdgenossenschaften oder Eigenjagdbesitzer stehe bei der Verpachtung der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund. „Ich bedauere diese Entwicklung, sehe aber jagdlich keine Möglichkeiten, diese Pachtungen zu unterbinden“, sagt Kohrs.

Von Maike Scholz

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