„Internet so wichtig wie ein Stromanschluss“

LanSpot-Geschäftsführer Winfried Kiebel.

Wittingen. Die digitale Zukunft mit einer schnellen Breitbandversorgung soll alsbald auch die vielen Dörfer Wittingens erreichen, wenn es nach den Vorstellungen von Verwaltung und Breitband-Anbieter LanSpot geht. Das rheinische Unternehmen ist das einzige, das überhaupt Interesse zeigt, Wittingens Ortschaften mit schnellem Internet zu versorgen. Denn der Anschluss kleiner Weiler mit wenigen Dutzend Haushalten ist unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten kaum darzustellen. Das IK sprach mit LanSpot-Geschäftsführer Winfried Kiebel über das Vorhaben.

IK: Herzlich willkommen in Wittingen, Herr Kiebel! Was treibt sie in unsere Region?

Winfried Kiebel: Nun, wir sind über eine Ausschreibung mit der Stadt in Kontakt gekommen. Wir, also die Stadt und unsere Firma, haben das gemeinsame Interesse zu verhindern, dass bei Ihnen eine digitale Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht. Die Einwohner in den Dörfern wären die Leidtragenden. Denn Internet ist nicht nur Spaß. Es ist ein immer wichtiger werdender Zugang zur Welt, nicht nur für die jüngere Generation.

IK: Wieso sind Sie sozusagen der „letzte Mohikaner“, der sich an das Projekt herantraut?

Kiebel: Weil vor allen Dingen die Anbieter mit erdgebundenen Lösungen wie Kupfer- oder Glasfaserkabel erkannt haben, dass mit deren Technik hier kein Geschäft zu machen ist. Weil wir nicht Kabel in der Erde verbuddeln, sondern die riesigen Distanzen zwischen den Ortslagen per Funk überbrücken, ist der Aufbau der Infrastruktur weitaus günstiger. Um ehrlich zu sein: Auch die Funklösung ist ohne Schließung der Wirtschaftlichkeitslücke durch öffentliche Mittel nicht machbar. Dafür fehlt in Wittingen einfach das Kundenpotential. Aber: Die Lücke beträgt eben auch nur einen Bruchteil der „Wir-vergraben-Kabel-Lösung“.

IK: Wo wir schon bei den Zahlen sind: Haben Sie es etwas genauer?

Kiebel: Gerne doch. Man rechnet alleine für das Verlegen der Kabel zwischen den Orten mit 50 000 €Euro pro Kilometer. Hinzu kommen die Kosten für aufwendige Umsetzer etc. Da reden Sie dann schnell über mehrere hunderttausend Euro – pro Ort, versteht sich. Gehen Sie das Ganze mit Funk an, liegen die reinen Erschließungskosten für einen Ort zwischen 6000 und 10 000 Euro. Und nun betrachten Sie das einmal vor dem Hintergrund leerer öffentlicher Kassen.

IK: Die wichtigste Frage zum Schluss: Wann soll’s denn losgehen mit dem LanSpot-Bürgernetz?

Kiebel: Bei realistischer Betrachtung könnten die ersten Ortschaften noch vor Jahresende ans Netz gehen. Doch da gibt es eine ganz entscheidende Voraussetzung, die zu erfüllen die betroffenen Bürger selbst in der Hand haben: Nur wenn möglichst viele – am besten alle – mitmachen, wird das Vorhaben gelingen. Ein Bürger brachte es während der Informationsveranstaltung in Boitzenhagen treffend auf den Punkt: „Jetzt ist Solidarität auf dem Dorf gefragt. Sonst bekommen wir nie mehr Internet.“

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