Mysteriöse Geräusche im Nordkreis

Die Jagd nach dem Grummeln

In Teilen des Wittinger Stadtgebiets war am Mittwochabend ein mysteriöses Grummeln zu hören.
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Was war das nur für ein Geräusch?
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Wittingen – Ein rätselhaftes Phänomen bewegt seit Mittwochabend viele Menschen in Wittingen und Umgebung. Bürger mehrerer Orte nahmen im Zeitraum 20.20/20.35 Uhr etwas wahr, das seitdem wahlweise als Grollen, Grummeln oder Beben oder „dumpfes Bumm“ beschrieben worden ist. Auch am Donnerstagnachmittag war ein ähnliches Geräusch zu vernehmen – die Ursachenforschung gestaltet sich schwierig.

Einbildung dürfte es nicht sein, denn Menschen aus verschiedenen Orten tauschten sich in sozialen Medien über das Geräusch und andere damit einhergehende Wahrnehmungen aus. Als „dumpf, wie eine Sprengung“ charakterisierte die Wittingerin Heike Horrey gegenüber dem IK das akustische Vorkommnis. Gleichzeitig hätten Gläser auf der Terrasse gewackelt: „Das ging eine ganze Weile.“

Andere „Ohrenzeugen“ berichten von vibrierenden Fensterscheiben, „wackelnden Häusern“ und unruhigen Hunden. Manche zeigten sich richtiggehend beunruhigt. Ein Knesebecker sprach gestern davon, das Geräusch habe „auf- und abschwellend, wie Donner aus der Ferne“ geklungen, am ehesten noch einem Gewitter ähnelnd. Gestern Nachmittag gegen 14.45 Uhr habe es dann einen ähnlichen Ton gegeben.

Räumlich ließ sich das Geschehen gestern kaum eingrenzen. Meldungen zu dem Phänomen kamen vor allem aus Wittingen, Knesebeck, Lüben, aber beispielsweise auch aus Schönewörde, Hankensbüttel, Grußendorf, und angeblich sogar aus Soltendieck (Landkreis Uelzen).

Die Spekulationen zur Ursache schossen gestern ins Kraut – und reichten von Erdbeben über militärische Ursachen bis hin zu Wetterphänomenen. Am leichtesten ließ sich noch der von einem Facebook-Nutzer scherzhaft ins Spiel gebrachte Tyrannosaurus Rex ausschließen.

Das IK hat gestern verschiedene Spuren verfolgt:

• Die Polizei bekam zwar diverse Anfragen von besorgten Bürgern, hatte keine Hinweise zum Grund des Grollens. Ein Unfall größerer Art dürfte damit ausscheiden.

• Ein Sprecher der Bundeswehr schloss militärische Ursachen (zum Beispiel Manöver) aus. Auch etwaige Sprengungen gebe es üblicherweise nicht um die genannte Uhrzeit.

• Sprengungen? Von Munitionsresten auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Ehra? Solche waren vor Kurzem sogar angekündigt worden. Nach Angaben der Gemeinde und der Feuerwehr gab es aber keine am Mittwochabend.

• Flugbewegungen? Ein Überschallknall klingt anders als das, was beschrieben wurde. Das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig konnte denn auch nicht weiterhelfen (zumal die Concorde als ziviles Überschallflugzeug nicht mehr fliegt) und verwies ans Luftfahrtamt der Bundeswehr. Von dort hieß es gestern: Die Auswertung der Radardaten habe ergeben, dass Mittwoch zwischen 21 und 22 Uhr kein militärischer Flugbetrieb mit Kampfflugzeugen über dem Landkreis Gifhorn stattgefunden habe. Am Mittwochabend gesichtete Hubschrauber sind eigentlich Stammgäste im Nordkreis und dürften für die skizzierten Phänomene ebenfalls nicht in Frage kommen.

• Manchmal sind Probeschüsse vom Rheinmetall-Schießplatz in Unterlüß im Nordkreis zu hören. Eine Anfrage bei dem Unternehmen ergab, dass ein Zusammenhang am Mittwochabend ausgeschlossen werden könne.

• Vom Landkreis Gifhorn, der ja auch Katastrophenschutzbehörde ist, hieß es gestern, zu dem Sachverhalt sei „nichts bekannt“.

• War es ein seismisches Ereignis? Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) wäre die Behörde, die so etwas registriert – doch laut Sprecher Eike Bruns haben die Detektoren nichts wahrgenommen. Weil mehrere Nachfragen eingingen, nahm das LBEG das gestern zum Anlass, die Daten vom Vorabend noch einmal zu überprüfen. Ergebnis laut Bruns: „Es war kein seismisches Ereignis.“

• Auch das Bohren nach Gas und Erdöl kann bekanntlich erdbebenartige Ereignisse auslösen, aus Westniedersachsen wird so etwas immer wieder mal gemeldet. Derek Mösche, Sprecher von Wintershall DEA, und Sandra Finger, Sprecherin bei Vermilion, konnten gestern ausschließen, dass ihre Unternehmen für das bebenartige Brummen im Nordkreis verantwortlich waren.

• Und nun zum Wetter: War das Donnergrollen vielleicht einfach – Donnergrollen? IK-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski sind keine besonderen Wetterphänomene seit Mittwochabend bekannt, völlig ausschließen könne man aber etwa ein Gewitter als Ursache nicht. Allerdings: Kaum einer der Ohren- und Augenzeugen hat von sich aus eine solche Wetterlage wahrgenommen. Für ein Wetterereignis spricht am ehesten noch die diffuse räumliche Verteilung – auch in Bad Bevensen will jemand das vibrierende Grummeln gehört haben.

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