Immer mehr Bedürftige

Wer selbst für Lebensmittel jeden Euro dreimal umdrehen muss, ist nicht zu beneiden. Die Wittinger Tafel ruft Bedürftige dazu auf, ihre Hilfsangebote auch zu nutzen. Foto: pixelio.de

Wittingen. Im Isenhagener Land gibt es immer mehr bedürftige Familien und Einzelpersonen. Die Wittinger Tafel hat in den letzten drei Monaten einen enormen Zuwachs an Kunden registriert. Die Zahl stieg nach Angaben der Vorsitzenden Laura Osterloh von 200 in der Vorweihnachtszeit auf jetzt 251.

Darunter sind 171 Erwachsene und 80 Kinder. „Die Zahlen steigen dramatisch“, sagt Osterloh. „Im Durchschnitt verzeichnen wir pro Öffnungstag zwei Bedürftige zusätzlich.“ Immer mehr Menschen kämen auch aus der Samtgemeinde Hankensbüttel zu den Terminen der Lebensmittel-Ausgabe in der Achterstraße. Zurzeit seien 80 Menschen aus der Nachbarkommune registriert, berichtet Osterloh.

Dabei bleiben offenbar nach wie vor viele weitere Bedürftige zuhause, anstatt mit Hilfe der Tafel ihre Versorgungslage zu verbessern – aus Stolz oder Scham, wie Osterloh und ihre Vorstandskollegen Christine und Christoph Bührke vermuten. Solche Gefühle seien jedoch unangebracht, sagt Osterloh, die immer wieder mit erschütternden Schicksalen zu tun hat.

So sei sie kürzlich von einem Pflegedienst auf eine Familie in der Samtgemeinde Hankensbüttel aufmerksam gemacht worden. Als sie sie besuchte, hatte der Haushalt einen komplett leeren Kühlschrank, das Wochenende stand vor der Tür. „Die Menschen sollten über ihren Schatten springen“, appelliert Osterloh. „Es wird bei uns keiner dumm angeguckt, es wird jeder unterstützt.“ Christoph Bührke betont, dass inzwischen viele Menschen begriffen hätten, dass Leute unverschuldet in Not geraten können und nicht immer selbst Schuld an der Misere sein müssen.

Inzwischen unterstützt die Wittinger Tafel auch die Kinderheime in Stöcken und Kakerbeck mit Lebensmitteln. Mit den satzungsgemäßen Vereinszielen gehe auch dies konform, betont Christoph Bührke.

Die Herausforderungen wachsen also für die Tafel – doch die sieht sich nach den erfolgreichen Umstrukturierungen der letzten Monate dafür gewappnet. „Finanziell stehen wir inzwischen gut da“, sagt Osterloh, auch das Engagement der freiwilligen Helfer sei vorbildlich. Erhöht hat sich auch die Zahl der Lebensmittelmärkte, die die Tafel mit Waren unterstützen. Allerdings: Der Verein könnte noch Hilfe durch ein oder zwei zusätzliche Helfer gebrauchen. Und: Osterloh hat Informationen, nach denen manche Einzelhändler nach wie vor Waren wegwerfen, die die Tafel gut gebrauchen könnte – sie ruft auch diese Geschäfte zur Zusammenarbeit auf.

Derweil hat die bisherige Kassiererin Sieglinde Nikolaizik im Januar ihr Amt niedergelegt. Zum Nachfolger wurde mit Heinz Funke aus Bad Bodenteich ein gelernter Banker gewählt. Der Vorstand, der bis November amtierte, ist damit fast komplett ausgetauscht. Nikolaizik wurde bei der Mitgliederversammlung vor einigen Tagen keine Entlastung erteilt, weil sie nicht anwesend war und damit keine Nachfragen beantworten konnte. Die Zahlen seien aber in Ordnung gewesen, sagt Osterloh. Der alte Vorstand sei entlastet worden.

Mit diversen Aktivitäten will die Wittinger Tafel in nächster Zeit öffentlich präsent sein: So wird am kommenden Sonnabend, 26. März, zum Tafeltag im Wittinger E-Center eingeladen. In Kooperation mit dem Kochtrupp der Knesebecker Feuerwehr gibt es dort von 11.30 bis 14 Uhr Erbsensuppe mit Würstchen. Politiker sollen eingeladen werden, vor Ort Spenden zu sammeln. Am 10. Mai ist die Tafel zudem als begünstigter Verein beim „Run for Help“ am Hankensbütteler Gymnasium dabei.

Eine schöne Aktion für bedürftige Kinder ist im Sommer geplant: Ihnen soll im Knesebecker Strandbad ein „Urlaubstag“ geboten werden – mit freiem Eintritt, leckerem Eis und mehr. Der SoVD beteiligt sich an der Veranstaltung.

Unter www.wittinger-tafel.de präsentiert sich der Verein inzwischen auch im Internet. Helfen kann man auch: Spendenkonto 33366201 bei der Volksbank Wittingen- Klötze, Bankleitzahl: 257618 94.

Von Holger Boden

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