Knesebecker Böttchermeister Heinrich Gades restauriert weiter fürs Freilichtmuseum in Diesdorf

Holzfass hält Bier lange kühl

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Drei Fässer für das Museumsdorf in Diesdorf: Museumsleiter Dr. Jochen Alexander Hofmann (l.) holte sie jetzt aus der Werkstatt von Heinrich Gades (r.) in Knesebeck ab. Jörg Niefindt stand Gades bei der Arbeit wieder zur Seite.

Knesebeck/Diesdorf. Ob Bier aus einem Holzfass besonders schmackhaft ist, darüber streiten die Fachleute. Aber darin hält das Bier unglaublich lange kühl. Einer, der das schließlich wissen muss, ist Böttcher- und Küfermeister Heinrich Gades aus Knesebeck.

Für die umliegenden Brauereien hat er die Fässer gebaut. Drei hat er nun zusammen mit Lehrling Jörg Niefindt für das Diesdorfer Freilichtmuseum restauriert.

Die Holzfässer wurden 1964 ausrangiert, als die Brauereien auf Alu- und Stahlbehälter umstiegen. Die meisten der Fässer hat Gades damals für die Wittinger Brauerei gefertigt, aber auch für die Uelzener und Braunschweiger Brauerei baute er Fässer mit einer Füllmenge zwischen 50, 80 und 100 Litern. Damit man bereits am Fass erkannte, welches Bier eigentlich worin enthalten war, haben die Böttcher und Küfer die Köpfe der Fässer grün (Wittingen), rot (Uelzen) oder gelb (Braunschweig) lackiert. Das Holz selbst bestand aus Traubeneiche. „Die ist nicht ganz so hart wie Stieleiche“, weiß Gades. Zudem drehe sich eine Daube aus Stieleiche beim Trocknen immer noch ein gutes Stück, sodass ein komplett dichtes Fass dann nicht mehr gegeben sei. „Wenn ich sage, dass das bei Traubeneiche nicht passiert, ist das relativ. Auch da passiert es, aber eben nur ein kleines Stück“, erklärt er.

Und so funktioniert das Bauen eines Fasses: Das Holz wird in einem Kessel gekocht. Wenn es weich genug ist, wird die Daube im nächsten Schritt in einer Stauchmaschine, die Gades ebenfalls für das Museum nachgebaut hat, zusammengepresst. „Die Holzweben werden dabei ganz leicht ineinandergedrückt, sodass die Außenhaut nicht länger wird“, erklärt der Meister. Mit einer Eisenklammer wird das Holz anschließend herausgenommen und getrocknet. Erst dann bleibt es in seiner Form bestehen. Anders ist es, wenn das Holz gebogen wird. Dadurch werde nämlich die Außenhaut länger, erklärt Gades. Wenn das Holz dann nicht gefeuert wird, wie es auch bei Salz- oder Essigfässern gemacht wird, damit das Holz in sich verkrustet, kann das Fass bei hohem Druck aufreißen.

Dazu eine Geschichte des Knesebecker Böttcher- und Küfermeisters: Eine der Brauereien habe einmal Geld sparen wollen, berichtet Gades, denn die guten handgefertigten Fässer waren im Vergleich zu den in der Fabrik hergestellten Fässern teurer. Allerdings wurde dort nicht auf die Qualität geachtet. „Die haben sich ausgegrübelt, das Stauchen, das können wir uns sparen“, erzählt Gades. „Die haben die Dauben einfach gebogen.“ Und dann passierte das Malheur. „Nachdem die Fässer vier Wochen in Gebrauch waren, hatte ich die ersten in der Werkstatt zur Reparatur.“ Fünf bis zwölf Dauben waren bei den Fässern nebeneinander aufgerissen. „Ich habe gesagt, was soll der Quatsch hier“, erinnert sich Gades amüsiert, obwohl es damals nicht zum Lachen war. Die Fässer waren beim Herunterwerfen vom Wagen einfach auseinandergerissen. Der günstige Preis hatte sich also nicht gelohnt.

Die drei Fässer und die Stauchmaschine werden laut Museumsleiter Dr. Jochen Alexander Hofmann mit der Eröffnung des zweiten Teils der Böttcher- und Küferausstellung in der Saison 2019 im Diesdorfer Freilichtmuseum zu sehen sein.

Von Ann-Cathrin Brey

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