Ministerpräsident Weil hört von guten Perspektiven

Hoher Besuch im Wittinger Hafen

Spitzenpolitiker und Vertreter der Stadt am Wittinger Hafen.
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Ortstermin am Verlade-Kai: Ministerpräsident Stephan Weil (3.v.l.) mit weiteren Spitzenpolitikern und Vertretern von Stadt und Hafen Wittingen.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen – Natürlich ist Wahlkampf, und in solchen Zeiten standen schon oft hohe Politiker am Ufer des Elbe-Seitenkanals im Wittinger Hafen, um von glänzenden Perspektiven zu erzählen. Aber dieses Mal scheint es tatsächlich Chancen auf einen Entwicklungssprung des Areals zu geben. Darum reiste am Freitagvormittag neben dem SPD-Bundestagsabgeordneten Hubertus Heil und seinem Parteigenossen und Landtagsabgeordneten Tobias Heilmann auch Ministerpräsident Stephan Weil an.

Mit zwei E-Audis rollten der Landesvater und seine Entourage aus Hannover an, als am Umschlagsplatz gerade ein Schiff mit Holzspänen beladen wurde. Von der Wittinger Verwaltungsspitze und von der Geschäftsführung der Port Logistics Wittingen (PLW) wollte er sich die Pläne für die Hafen-Zukunft erläutern lassen.

Hintergrund war natürlich auch die 2,5-Millionen-Euro-Finanzspritze, mit der das Land Niedersachsen den Umbau der maroden Liegestelle unterstützt (das IK berichtete). „Ohne dieses Geld würden wir das nicht schaffen“, räumte PLW-Geschäftsführer Matthias Herten mit Blick auf das Vorhaben ein, das laut seinem Amtskollegen Günter Kruse ein Gesamtvolumen von 4,2 Millionen Euro haben wird.

Weil hörte also einiges über die Verladung von Düngemittel und Zellstoff, über Fachkräftemangel in der Logistikbranche, über die Wittinger Pläne für Schwergutumschlag. Und er hörte von Herten den Satz, der immer wieder fällt, seit die jahrzehntealten Pläne für die A 39 in den 90er Jahren konkreter wurden: „Wir brauchen die Trimodalität, das ist für uns extrem wichtig.“

Wasser, Schiene, Straße – ein Dreiklang, der den Wittinger Hafen zur Drehscheibe machen soll, und mit „Straße“ meinen die wenigsten Politiker nur die B 244. Der Ministerpräsident versicherte seinen Gastgebern denn auch das Festhalten seiner Partei an den A 39-Plänen: „Ich sehe nicht, dass das noch einmal von vorn diskutiert wird.“

Wer mit der Stadtverwaltung spricht, der erfährt, dass die Autobahn in der Tat eine große Rolle spielt, wenn es um die Ansiedlung neuer Unternehmen geht. Und das ist das wesentliche Ziel, denn die PLW mit ihren derzeit drei Mitarbeitern im Hafen kann zwar Keimzelle künftiger Entwicklung, aber nicht der alleinige „game changer“ (also Auslöser starker Veränderungen) sein, auch wenn demnächst weitere Umschlagskapazitäten geschaffen werden. Für substanziell mehr Arbeitsplätze und Gewerbesteuer müssen mehr Firmen her, und die warten ab, solange sie nicht Klarheit haben, ob die A 39 wirklich gebaut wird.

Und solange keine Flächen verfügbar sind. Stadtbürgermeister Andreas Ritter berichtete von der aktuell vorliegenden Anfrage eines Logistik-Unternehmens, das 10 Hektar bräuchte. Genau für solche Fälle will die Stadt sich rüsten, indem unter anderem 40 Hektar in südlicher Richtung am Kanal ausgewiesen werden sollen, dazu noch einmal über 20 Hektar nach Osten, Richtung Autobahn.

Die Planung und Realisierung von Infrastrukturprojekten dauere in Deutschland zu lange, konstatierte Weil, das hätten inzwischen aber auch die meisten Parteien erkannt. Heil und Ritter stimmten zu: Jahre- und jahrzehntelange Planungsphasen seien dann irgendwann auch ein Glaubwürdigkeitsproblem für einen demokratisch geführten Staat.

Umso wichtiger, dass die Bahnstrecke Celle-Wittingen inzwischen gute Chancen hat, erhalten und aufgewertet zu werden, indem sie Teil des OHE-Pakets wird, das das Land in seine Infrastrukturgesellschaft übernehmen will. Denn die Gleise sind freilich Bestandteil der Trimodalität, und sie neu zu bauen, wenn sie nicht mehr da wären – dieses Planungsverfahren möchte sich niemand vorstellen. Heilmann sagte, es sei „gar nicht leicht gewesen“, die Strecke zu einem Teil des Pakets zu machen.

Nach einer knappen Stunde musste Weil dann weiter. „Das Drehkreuz des Nordkreises steht in Wittingen“, sagte er zum Abschied. Auch das sind Worte, wie man sie gerade in Wahlkampf-Zeiten gern sagt und hört. Aber nach 45 Jahren Elbe-Seitenkanal scheint man im Wittinger Hafen nun tatsächlich an einem echten Drehkreuz zu arbeiten.

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