IK-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski über Azorenhoch-Ableger, Blitze und die Erderwärmung

„Hoffnung für die Ferien“

Von Tiefs umzingelt: IK-Wettermann Reinhard Zakrzewski hat allerdings durchaus noch Hoffnungen, dass Schnorchel und Wasserball im Isenhagener Land dieses Jahr noch mal zum Einsatz kommen.

Isenhagener Land. Der Sommer kommt nicht richtig in Schwung – dabei kommt am Horizont schon bald wieder sein Ende in Sicht. Immer wieder ziehen Gewitter auf, sogar mit Todesopfern in Deutschland. Wetterkapriolen werden auch aus anderen Teilen Europas gemeldet.

Nach einem Juni, der wohl als Totalausfall gelten darf, gilt in diesem Juli mal wieder: Alle reden über’s Wetter, aber keiner tut was dagegen.

Das kann auch IK-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski nicht. Doch mit seiner Hilfe wollen wir heute im IK-Interview dem so genannten Sommer ein wenig auf die Spur kommen. Das Gespräch führte Holger Boden.

IK: Herr Zakrzewski, reden wir nicht lange drumherum: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

Reinhard Zakrzewski: Nun ja, wir erreichen an diesem Wochenende erst einmal den vorläufigen Tiefpunkt, es wird kühl und regnerisch. In der nächsten Woche rappelt sich der Sommer dann. Vielleicht bekommen wir einen Ableger des Azorenhochs mit rund 25 Grad.

IK: Das klingt noch nicht nach Hochsommer.

Zakrzewski: In der Tat bleibt es zunächst weiter wechselhaft – aber auf ansteigendem Niveau. Im letzten Juli-Drittel könnten wir dann aber erstmals in diesem Sommer ein stabiles Hoch bekommen. Es gibt also Hoffnung für die Ferien.

IK: Ist das Wetter in den letzten Jahren unbeständiger geworden, oder fühlt sich das nur so an?

Zakrzewski: Für den Sommer gilt das tatsächlich. Allerdings: Was wir jetzt erleben, ist eigentlich normal. Wir sind zwischen, sagen wir, 1995 und 2006 mit warmen, stabilen Perioden im Sommer sehr verwöhnt worden, seit 2007 hat sich das für hiesige Verhältnisse wieder normalisiert. Allerdings: Kommt dann mal eine Hitzewelle, dann fällt sie wegen der Klimaerwärmung inzwischen sehr heftig aus.

IK: An die Erderwärmung glaubt ja mancher wegen des durchwachsenen Sommers schon nicht mehr.

Zakrzewski: Da muss man immer wieder betonen, dass man nicht Wetter und Klima verwechseln darf. Die Erderwärmung nimmt weiterhin zu, es gibt keine Fakten, die dagegen sprechen. In der Arktis erleben wir derzeit das absolute Minimum der Eisausbreitung. Allerdings wird aufgrund periodischer Klima-Abläufe und globaler Zirkulationsmuster erwartet, dass die Temperatur unseres Planeten bis 2020 etwas verhaltener ansteigt. Das sind natürliche Schwankungen, die maskieren den Anstieg ein wenig.

IK: Welche Entwicklungen erwarten Sie durch den Klimawandel für unsere Region?

Zakrzewski: Der April trocknet aus, dieser Trend hat sich ja in den letzten Jahren schon gezeigt. Wir bekommen wahrscheinlich sehr trockene und warme Frühjahre.

IK: Schlecht für die Landwirtschaft.

Zakrzewski: Genau, denn in der Wachstumsperiode fehlt der Niederschlag – und dann kommt dafür später zu viel Regen. Insgesamt ist der Jahresniederschlag in Ordnung, aber die Extremsituationen scheinen sich zu verstärken. Das gilt umso mehr, je weiter wir nach Osten kommen.

IK: Wie kommt es, dass sich Gewitter im Isenhagener Land oft nicht wirklich entladen? Tagsüber mächtige Quellwolkentürme, dann eine dunkle Wand zum Fürchten – und dann zwei Blitze und drei Tropfen.

Zakrzewski: Wir liegen hier in einer geschützten Lage, das gilt für das Uelzener Becken und angrenzende Gebiete. Dafür sorgt das Landschaftsrelief mit seinen kleinen Höhenzügen. Vor der Endmoräne im Westen haben wir im Mittel zwei Gewittertage mehr im Jahr – nämlich 22 – als hinter der Höhenzügen im Osten, dort sind es 20 Tage.

IK: Schön. Schließlich machen Blitze derzeit unschöne Schlagzeilen. Stimmen eigentlich die alten Weisheiten: kein Durchzug, sonst kommt der Blitz rein; nicht duschen bei Gewitter, und auch nicht telefonieren?

Zakrzewski: Hm. Die Tür sollte man vielleicht zumachen, bevor der Wind sie zuschlägt. Für das Telefon gilt natürlich dasselbe wie für den Rest der Haus-Elektrik, falls ein Blitz da reinsaust. Also den Hörer lieber liegenlassen. Und Duschen ist dann in der Tat nicht ratsam.

IK: Und draußen?

Zakrzewski: Weg von Bäumen! Ich habe mal gesehen, wie einer explosionsartig auseinanderflog, als der Blitz hineinfuhr. Da sind Astteile mit großer Kraft in die Fenster des nächsten Hauses geflogen.

IK: Stimmen eigentlich noch die Regeln für Siebenschläfer, Schafskälte und ähnliche angeblich kriegsentscheidende Tage?

Zakrzewski: Ja, das beobachte ich durchaus. Der 10. Juli zum Beispiel war der Tag der sieben Brüder. So, wie es an diesem Tag ist, soll das Wetter sieben Wochen halten ...

IK: ... vergessen wir also diesen Sommer ...

Zakrzewski: ... und das stimmt statistisch gesehen zu 70 Prozent. Eine wichtige Rolle für die nächsten Wochen spielt auch der St. Margarethentag, der 13. Juli. Da erwarten wir leider sehr schlechtes Wetter.

IK: Na gut, in knapp sieben Wochen haben wir den meteorologischen Sommer dann ja auch wieder überstanden. Anders gefragt: Wohin sollte man denn dieses Jahr am besten ausweichen?

Zakrzewski: Am besten nicht nach Skandinavien, da erwarte ich viel Niederschlag. Die Briten haben diesen Sommer auch nicht viel Spaß mit dem Wetter. Ich würde ans Mittelmeer fahren, wobei es dort natürlich mitunter sehr, sehr heiß werden kann. Oder vielleicht Nordspanien: kann mal regnen, insgesamt aber wahrscheinlich sehr angenehm.

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