Während der Urlaubszeit setzen einige Besitzer ihre Vierbeiner einfach aus / Viel Arbeit für Tierschutz

Hochsaison in den Tierheimen

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In der Auffangstation des Tierschutzvereins Isenhagener Land in Wittingen befindet sich unter anderem diese junge Samtpfote. Auch im Tierschutzzentrum Ribbesbüttel herrscht zurzeit Hochsaison – viele Vierbeiner warten dort auf ein neues Zuhause.

Landkreis Gifhorn. Traurige Augen starren dem Besucher entgegen. Es sind die Augen von zahlreichen Tieren, die besonders in der Ferienzeit von ihren vorigen Besitzern ausgesetzt wurden.

Sie sind verlassen, haben ihr gewohntes Umfeld mit einem Schlag verloren und kommen dadurch in eine enorme Stresssituation.

Die Auffangstation des Tierschutzvereins Isenhagener Land in Wittingen kennt die dramatische Lage. „Während der Ferien sind die Tierheime voll und für den Tierschutz ist Hochsaison. Menschen entledigen sich einfach ihrer Tiere“, sagt Geschäftsführer Reiner Sudbrack. „Allein an einem Wochenende haben wir in der Auffangstation ein Zwergkaninchen, eine Wasserschildkröte, eine Wasserschlange und eine Hündin aufgenommen.“ Die Tiere kämen oft verwahrlost in der Station an, aber es gebe auch andere Fälle, in denen sie sehr gepflegt seien und sogar teure Halsbänder trügen.

„Wenn wir die Tiere bei uns aufnehmen, dann versuchen wir, sie natürlich so schnell als möglich zu vermitteln. Zunächst geben wir die Informationen über das Tier an die Presse. Eine Veröffentlichung hilft“, erläutert Sudbrack. Im vergangenen Jahr, so der Tierschützer, habe die Wittinger Auffangstation weit über 100 Hunde und Katzen weitervermittelt. So mancher Ausreißer konnte an den Besitzer zurückgegeben werden.

Unterdessen warten im Tierschutzzentrum Ribbesbüttel noch einige Tiere auf ein neues zu Hause. „Gerade ist bei uns Hochsaison. Das liegt am Katzenbabyboom des Monats Mai“, berichtet Tierheimleiterin Janina Bieling. Dort warten zurzeit 15 Hunde, drei Kleintiere, 40 Babykatzen und etwa 20 Katzen auf Vermittlung. „Wir können finanziell zum Beispiel bei Kastrationen nicht unterstützten, aber wir können Aufklärungsarbeit leisten“, sagt Janina Bieling.

Kleine Erfolge stellen sich bereits ein: „Menschen helfen, indem sie Tiere kastrieren lassen“, freut sich die Tierheimleiterin über die Entwicklung. Was bleibe, sei der Stress für das Tier.

Dabei gibt es andere Möglichkeiten, sein Haustier für die geplanten Ferien unterzubringen und sicher zu wissen. Die Katzenpension Wittingen von Ina Wesemann ist eine solche Alternative. „Viele Katzenhalter buchen rechtzeitig, nämlich dann, wenn sie wissen, dass sie in den Urlaub fahren, aber es gibt eben auch andere, die sehr kurzfristig eine Unterkunft für ihr Tier suchen“, berichtet Ina Wesemann aus ihren Erfahrung.

Sie weiß auch um die prekäre Situation in den Tierheimen. „Die Situation ist dramatisch“, erzählt sie. Gerade in den Sommerferien habe sie viel zu tun, sagt Wesemann. Wenigstens vier Mal täglich fährt sie zur Pension, pflegt und hegt die Katzen. Eine gute Beobachtungsgabe ist dabei gefragt. „Frisst die Katze gut, lebt sie sich schnell ein und ist neugierig oder versteckt sie sich lieber? Jede Katze hat ein anderes Wesen und darauf muss eingegangen werden“, gibt die Pensionsbesitzerin zu bedenken. Streicheleinheiten dürfen dabei natürlich nicht zu kurz kommen. Alle Katzen sollen sich wohlfühlen, betont Wesemann. Für Halter sei es auch sehr wichtig, erst zu erfragen, ob die gewünschte Pension einen Sachkundenachweis vom Veterinäramt besitzt, denn dieser sei Pflicht.

Auch die Hundepension Forsthaus Malloh lässt Hundeträume wahr werden und Herrchen entspannt in den Urlaub fahren. „Meistens sind die Tierheime in den Ferien voll. Hier bei uns gibt es den Vorteil einer individuelle Betreuung“, sagt Dorit Wietjes, Besitzerin der Pension. Sie versucht, alles möglich zu machen, damit die Hundebesitzer in den Urlaub fahren können. Sechs Hunde können bei ihr unterkommen. Es gibt also viele gute Alternativen, bevor das Tier abgeschoben wird und im Tierheim landet.

Von Maike Scholz

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