Ortsrat diskutiert morgen über Liebesschlösser für Wittingen

Ein Herz für Verliebte?

So viele werden in Wittingen wohl nicht zusammenkommen: Liebesschlösser in Frankfurt/Main. Foto: picture-alliance

Wittingen. Venedig hat sie, Frankfurt auch, und Paris sowieso, in Zwickau und Delmenhorst sieht man sie dagegen nicht so gern – wie wird sich nun Wittingen zu den „Liebesschlössern“ stellen, mit denen seit ein paar Jahren Verliebte in ganz Europa ihrer voraussichtlich ewigen Treue Ausdruck verleihen wollen?

Dieser Frage stellt sich der Ortsrat am morgigen Mittwoch ab 18. 30 Uhr im Rathaus.

Wer nämlich geglaubt hatte, dass Verliebtsein im 21. Jahrhundert sich wie so vieles andere vor allem auf irgendwelche Internetportale zurückzieht, der irrt gewaltig: Zwar ritzt so gut wie niemand mehr „Peter + Andrea“ in die nächstbeste Linde, doch dafür gibt es inzwischen den Brauch der Liebesschlösser, die vorzugsweise an Geländern romantischer Brücken angebracht werden.

Per Filzstift werden die Initialen der beiden Verliebten auf dem Vorhängeschloss verewigt, in der Mercedes-Variante darf es auch schon mal eine Gravur sein. Der Schlüssel wird dann in das Wasser unter der Brücke geworfen, damit niemand diesen Bund wieder lösen kann.

Das ist allerdings oft Wunschdenken: Weil alte Liebe zwar bekanntlich nicht rostet, junge Romantik auf diese Weise aber durchaus zu Korrosion führen kann, sehen nicht alle Stadtverwaltungen die eisernen Treueschwüre gern. Da wird dann schon mal das Bauamt mit dem Bolzenschneider losgeschickt und trennt, was doch eigentlich zusammengehört. Nicht nur Rostschäden an bewährten Baudenkmälern werden dabei ins Feld geführt, mancher Bürgermeister fürchtet auch um die Ästhetik seiner Flussüberquerung, und in Rom soll sogar schon mal eine alte Laterne unter der Last der Liebe zusammengebrochen sein.

Wittingen könnte es nun besser machen: Der Stadtverwaltung ist von der Firma Lange vorgeschlagen worden, im Bereich des Marktplatzes ein aus Draht gefertigtes Herz aufzustellen. Die Kosten dafür würde das Unternehmen sogar tragen.

Wie groß in demografischer Hinsicht im nicht optimal aufgestellten Wittingen die Resonanz sein wird, ist natürlich offen. Wildwuchs durch Liebesschlösser an irgendwelchen Toren, Fahrradständern oder anderen Metallkonstruktionen ist nach Angaben der Stadtverwaltung bisher nicht bekannt.

Doch was nicht ist, kann ja noch werden – und im Zuge der Innenstadt-Offensive QiN könnte ein drahtiges Herz fraglos ein weiterer Baustein für ein jüngeres, lebendiges Wittingen sein.

Marktplatz mit Herz – klingt doch nett.

Von Holger Boden

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