Rhön verkauft 43 Krankenhäuser – darunter auch Wittingen

Helios übernimmt Klinik

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Wird künftig unter dem Banner des Helios-Konzerns betrieben: das Wittinger Krankenhaus.

ib/bo Wittingen/Uelzen/Bad Homburg. Das Gesundheitsunternehmen Fresenius stärkt mit einem Überraschungscoup seine Spitzenposition am privaten Klinikmarkt in Deutschland:

Für gut drei Milliarden Euro kauft der Bad Homburger Konzern einen Großteil der Kliniken von Rhön und macht seine Tochter Helios damit zum Krankenhaus-Giganten mit einem Umsatz von knapp 5,5 Milliarden Euro. Unter den insgesamt 43 verkauften Kliniken ist auch das Wittinger Krankenhaus, genauso wie die Standorte Uelzen und Gifhorn.

Der Rhön-Konzern will sich künftig vor allem auf Einrichtungen konzentrieren, die spitzenmedizinische Vollversorgung im wissenschaftlich-universitären und maximalversorgungsnahen Umfeld bieten. „Die Basis der ‘neuen Rhön’ werden die Standorte Bad Berka, Bad Neustadt an der Saale, Frankfurt (Oder) sowie die Universitätskliniken Gießen und Marburg mit rund 5300 Betten bilden“, heißt es seitens der Rhön-Klinikum AG.

Anders als eine Komplettübernahme ist der jetzige Klinik-Kauf ohne die Zustimmung der Hauptversammlung möglich – und kann daher nicht von den Konkurrenten gestoppt werden. Asklepios und B. Braun hatten sich zuletzt mit jeweils fünf Prozent bei Rhön eingekauft und damit einen milliardenschweren Übernahme-Versuch gestoppt.

Was die neuen Eigentümer langfristig mit dem Wittinger Krankenhaus planen, bleibt abzuwarten. Vorerst soll für die Patienten alles beim Alten bleiben. Geschäftsführer Franz Caesar, der auch das Uelzener Klinikum leitet, sagte gestern auf IK-Anfrage: „Das Geschäft läuft ganz normal weiter.“ Das Teleportal-Konzept – das ja unter anderem auf einer Kooperation mit den Uni-Kliniken des Rhön-Konzerns beruht – werde man wegen der Übernahme nicht einstellen. Mit welchem Partner es fortgeführt wird, das werde sich zeigen.

Auch in Uelzen soll sich für die Patienten nichts ändern. Caesar: „Wir erfüllen hier weiter unsere Aufgabe, nämlich die uns anvertrauten Patienten zu behandeln – und dies tun wir völlig unabhängig davon, wer unser Gesellschafter ist.“

Nach Unternehmensangaben hat Helios künftig einen Anteil am gesamten Krankenhausmarkt von sechs bis sieben Prozent. Die Aufsichtsräte beider Seiten haben der Transaktion bereits zugestimmt. Das Kartellamt muss die Übernahme jetzt noch prüfen. Bei einzelnen Krankenhäusern haben auch noch ehemalige kommunale Träger oder Minderheitsgesellschafter ein Mitspracherecht. In Wittingen wird die Stadt, die 4 Prozent am Städtischen Krankenhaus hält, nicht viel Einfluss nehmen können.

Von Ines Bräutigam und Holger Boden

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