Unter der Hitzeglocke

Heiß und zu trocken: Ist der Sommer 2019 schon wieder auf Dürre-Kurs?

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Claus-Peter Hansen (l.) hat die Eisdiele gleich nebenan – das nutzte der Wittinger am Mittwoch.

Isenhagener Land – Nein, eine Wetterwarnung war es nicht, aber die Hitzeglocke über dem Isenhagener Land war der Unwetterzentrale am Mittwoch zumindest einen „Wetterhinweis“ wert: „Starke Hitze bei 34 bis 36 Grad“ galt vom Mittag bis zum frühen Abend.

Der meteorologische Sommer 2019 hat gleich zu Beginn den Turbo gestartet, und auch wenn die Aussichten ab heute und über Pfingsten ein wenig durchwachsen sind, stellt sich die Frage: Wird das wieder so wie 2018?.

Die Bürger: geschlaucht

Nicht wenige Nordkreisler waren gestern schon vor der Arbeit geschlaucht: Bei Temperaturen um die 20 Grad war die Nacht wenig erfrischend. Wer nicht ins Büro oder an die Werkbank musste, der war beim Weg in die Eisdiele oder das Freibad gut beraten, an ausreichend Sonnenschutz zu denken: Knapp zwei Wochen vor dem Sonnenhöchststand war der UV-Index des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch unter einem blauen Himmel bei Stufe 7 angelangt, die gesundheitliche Gefährdung damit „hoch“.

Die Bauern: besorgt

Während mit Freizeit gesegnete Sonnenanbeter auf ihre Kosten kommen, blicken die Landwirte wieder bangend gen Himmel. Joachim Zeidler, Vorsitzender des Landvolks, nennt die Lage „problematisch“. Nach dem Dürrejahr 2018 geht die Angst vor noch einem viel zu trockenen Sommer um.

Joachim Zeidler, Landvolk-Vorsitzender

„Wir brauchen jetzt Niederschläge, die über das normale Maß hinausgehen“, sagt Zeidler. Denn das Feuchtigkeitsdefizit des letzten Jahres sei durch den Winter nicht kompensiert worden. Auch der Mai warf nur 43 Prozent des sonst im Wonnemonat üblichen Regens ab. Vielen Landwirten bleibt nichts anderes übrig, als ihre Felder zu beregnen. Zeidler weiß: Mancher reduziert gerade den Wasser-Einsatz für das Getreide, um später noch genügend Kapazitäten für Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln zur Verfügung zu haben. „Wir haben bestimmte Mengen, mit denen wir auskommen müssen“, so der Parsauer. Die Kontingentierung werde vom Landkreis festgelegt.

Auch die Tiere suchen den Schatten, wie dieses Pferd bei Glüsingen.

Besonders hart traf es letztes Jahr die Viehhalter, denn die Trockenheit ließ kaum Futter wachsen. Dieses Jahr, so Zeidler, sei der erste Schnitt bei der Heuernte zwar ganz in Ordnung gewesen, doch zeichne sich erneut Futtermittelknappheit ab: „Wir hoffen auf einen schönen Landregen, der zwei Tage anhält.“

Das Getreide braucht Beregnung – wie hier bei Wentorf. 

Das täte auch den Gärten und den Wäldern gut. Der DWD-Waldbrandgefahrenindex lag zwar für die Station Vorhop gestern nur bei 3 von 5, doch im Nachbarkreis Celle war schon Stufe 4 angesagt. Gestern für die Nacht erwartete Niederschläge werden wohl nur der berüchtigte Tropfen auf den heißen Baum sein, denn in den nächsten Tagen steigt der Index wieder.

Das Wasser: vorhanden

Andreas Schmidt, Wasserverband-Geschäftsführer

Die gute Nachricht bei aller Trockenheit: Beim Wasserverband Gifhorn sieht man die Versorgungssicherheit mit Trinkwasser absolut nicht gefährdet. „Wir erwarten keine Probleme“, sagt Geschäftsführer Andreas Schmidt. „Es ist genügend Grundwasser da.“ Richtig sei, dass einige Brunnen in der Tiefe sich im Winter nicht ganz so stark gefüllt haben wie sonst üblich. Das gelte auch beim oberflächennahen Grundwasser. Es gebe aber „kein Mengenproblem“.

Das ist gut, denn wir alle sollen bei der Hitze viel trinken – es dürfen bei dem Wetter schon mal drei Liter und mehr am Tag sein, rät Dr. Stefan Sudmann, Chefarzt für Notfall- und Akutmedizin am Gifhorner Helios-Klinikum. Nicht nur Wasser sollte dabei ins Glas, sondern auch elektrolythaltige Getränke wie Apfelschorle, um den hitzebedingten Verlust von Mineralstoffen auszugleichen. Und: bei mehr als 30 Grad einfach im Schatten bleiben. Das Gifhorner Krankenhaus verzeichne derzeit ein „erhöhtes Patientenaufkommen aufgrund hitzebedingter medizinischer Probleme“, so Sudmann.

Die Aussichten: heiß

Und was ist nun noch zu erwarten von diesem Sommer? Laut IK-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski weisen die gängigen Wettermodelle für die nächsten vier Wochen auf normale Niederschläge bei überdurchschnittlichen Temperaturen hin. Das könnte einen schwülheißen, gewittrigen Juni bedeuten. Alles Weitere ist unsicher, die Tendenzen weisen aber darauf hin, dass der Juli und der August – wieder einmal – zu trocken und zu heiß werden könnten.

VON HOLGER BODEN

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