Benjamin Monferat alias Stephan M. Rother liest auf Einladung des Kulturvereins in der Wittinger Stadtbücherei

Heimkehr mit einer spektakulären Zugfahrt

„Lo strano mistero dell’ Orient Express“: Stephan M. Rother mit der italienischen Version seines Romans am Wittinger Bahnhof.
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„Lo strano mistero dell’ Orient Express“: Stephan M. Rother mit der italienischen Version seines Romans am Wittinger Bahnhof.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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bo Wittingen. Benjamin Monferat bestreitet seinen Lebensunterhalt derzeit in erster Linie mit den monetären Effekten einer spektakulären Zugfahrt, und so faszinieren ihn beim Besuch in Wittingen denn auch nach wie vor die Gleisanlagen.

Kein Wunder, er ist an der Kakerbecker Straße gleich neben der OHE-Strecke aufgewachsen, in einer Zeit, als dort noch Züge rollten. Sein Name ist nie bei irgendeiner Wittinger Behörde oder Schule registriert worden.

Dass sich hinter dem Pseudonym Stephan M. Rother verbirgt, dürfte für aufmerksame IK-Leser nicht ganz neu sein – dennoch kommt es nächste Woche zu einer erstaunlichen Premiere: Rother alias Monferat gastiert für eine Lesung in seiner Geburtsstadt.

„A sort of homecoming“ – eine Art Nach-Hause-Kommen – sei dieser Termin am 16. März, schmunzelt Rother und zitiert dabei die Rockband U2. Das gilt in doppelter Hinsicht: Der heutige Erfolgsautor kommt nach Wittingen, und er kommt aufgrund der Einladung des Kulturvereins auch in die Stadtbücherei, wo er als Schüler Stammgast war. „Ich habe mir dort sicher über 20 mal ‘Ein Kampf um Rom’ von Felix Dahn ausgeliehen.“ Als das Buch dann seinerzeit von der Bücherei ausgemustert wurde, dachte man an den historisch interessierten jungen Mann: Rother bekam das Buch geschenkt.

Rückkehr? Der studierte Historiker war ja eigentlich nie wirklich weg, hat immer den Draht zu seinen Eltern in Wittingen gehalten, wohnt heute im benachbarten Bad Bodenteich. Dennoch: Die Lesung ist sein erstes Gastspiel für den Kulturverein in der Brauereistadt seit 1998, damals noch als Stand-Up-Historian „Magister Rother“ mit dem Mittelalter-Programm „Huren, Hexen, Henkersknechte“.

Nun also ein Wiedersehen nach 18 Jahren, und zum ersten Mal in offizieller Mission als Vollzeit-Schriftsteller (2008 zog er den Stand-Up-Stecker). Rother, nein, eher Monferat, liest in Wittingen aus seinem Roman „Welt in Flammen“, in dem er vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs die letzte Fahrt des Orient-Express temporeich inszeniert. Auch sein nächstes Werk, der „Turm der Welt“, soll eine Rolle spielen, Rother verspricht „eine kleine Welt-Uraufführung“ (19.30 Uhr, Vorverkauf 05831-7124).

„Welt in Flammen“ ist derweil ins Italienische übersetzt worden, hat größere Besprechungen in „La Repubblica“ und „Libero“ bekommen und verkauft sich nach Kenntnis des Autors in Italien ansprechend. Das deutsche Taschenbuch laufe ebenfalls gut, als Hörbuch gibt es die spannende Zugfahrt auch – „Welt in Flammen“ ist bisher Rothers größter Erfolg.

Hat er schon mal bereut, dass eigentlich Herr Monferat dieses Buch geschrieben hat? „Nein“, sagt Rother mit einem Lächeln, „ich gewöhne mich immer stärker an das Pseudonym.“

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