IK ist jetzt archiviert / Schriften aus Brome sind zurück

Heimatverein Wittingen: 423.000 Seiten digitalisiert

Hans-Jürgen Wiegleb (Schriftführer Heimatverein Brome, v.l.), Jens Winter (Vorsitzender Heimatverein Brome) übergeben Dr. Alfred Stein (Vorsitzender Heimatverein Wittingen) Schriftstücke aus Wittingen. Diese waren über Umwege in Brome gelandet – nun sind sie wieder dort, wo sie hingehören.
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Hans-Jürgen Wiegleb (Schriftführer Heimatverein Brome, v.l.), Jens Winter (Vorsitzender Heimatverein Brome) übergeben Dr. Alfred Stein (Vorsitzender Heimatverein Wittingen) Schriftstücke aus Wittingen. Diese waren über Umwege in Brome gelandet – nun sind sie wieder dort, wo sie hingehören.

Wittingen – Eine Menge Arbeit liegt hinter dem Heimatverein Wittingen. Insgesamt 423 000 Seiten des Isenhagener Kreisblatts wurden digitalisiert. Und diese Arbeit ist nun abgeschlossen, wie Projektleiter Hans Messerschmidt und der Vorsitzende Dr. Alfred Stein im IK-Gespräch erklären.

Von 1894 bis heute kann in Kürze das IK also erforscht werden. Bis es so weit ist, will der Heimatverein klären, wie der Ablauf funktioniert. Unter anderem muss noch eine Benutzerordnung erstellt werden. Der Heimatverein wird aber demnächst verkünden, wann das Archiv genutzt werden kann.

Doch die größte Hürde ist nun erst mal genommen: Die Digitalisierung, mit der vor vier Jahren begonnen wurde. Und dieser Schritt war dringend notwendig, wie Messerschmidt erklärt: „Der Zerfall schritt voran, das zu sehen hat wehgetan.“ Denn an den täglich gesammelten Zeitungen, die zu 10 bis 12 Kilo schweren Bänden zusammengetragen wurden, nagte der Zahn der Zeit. Besonders die älteren Ausgaben waren abgegriffen. Dem Heimatverein war klar: „Da muss was passieren.“

Doch dass ganze war nicht einfach – was nicht zuletzt am bürokratischen Aufwand lag. 120 000 Euro sollte die Digitalisierung kosten. Der Landkreis Gifhorn empfahl dem Heimatverein, Leader-Mittel dafür in Anspruch zu nehmen. Sich durch den Papierkram zu arbeiten war nicht einfach, erklärt Stein. Neben den Leader-Mitteln gab es aber auch Unterstützung von vielen Spendern. Mit den verschiedenen technischen Möglichkeiten musste sich der Heimatverein auseinandersetzen, fuhr beispielsweise zur Leuphana Universität in Lüneburg. Und die Ausschreibung für das Digitalisieren hatte auch seine Tücken. Stein erklärt: „Wir sollten das zunächst europaweit machen.“ Mit dem Gedanken wurde er aber nicht so richtig warm – dann hätten die 450 Ordner eventuell nach Norwegen oder Italien verschickt werden müssen, nur weil ein Anbieter vielleicht etwas günstiger arbeitet. Am Ende ging es dann glücklicherweise nach Peine.

Für Messerschmidt ist die Digitalisierung auch ein Schritt gegen das Zeitungssterben. „Das IK ist ein Kleinod, das nicht verloren gehen darf!“ Aus dem Nordkreis werde von anderen Zeitungen selten berichtet. Danke E-Paper wird die zukünftige Archivierung jedoch einfacher, auch wenn der Heimatverein weiterhin sein Papierarchiv pflegt.

In ersten Pilotprojekten konnte das neue Archiv bereits mit Erfolg getestet werden. Dank der Suchfunktion ist es einfach, sich in historische Themen einzuarbeiten. Der Bromer Heimatverein forscht beispielsweise aktuell über einen Besuch von Erich Ludendorff im Jahr 1928. Das IK schrieb jedoch keinen Artikel über den Auftritt in Brome – mit Verweis auf dessen Ideologie.

Auch für die Medizinische Hochschule in Hannover konnte über einen Kriegsversehrten namens Otto Plagge recherchiert werden. Die Hochschule interessierte sich für das Leben von Kriegsversehrten nach dem Zweiten Weltkrieg. Messerschmidt konnte dank des Archivs viele Informationen zusammentragen und an die Hochschule übermitteln.

Am Montagabend gab es für den Heimatverein aber noch eine weitere frohe Nachricht. Jens Winter, Vorsitzender des Heimatvereins Brome, und Schriftführer Hans-Jürgen Wiegleb waren mit einem großen Karton nach Wittingen angereist. Darin waren viele Dokumente, allesamt aus Wittingen. Diese waren über Umwege in Brome gelandet. Nun konnte der Heimatverein aus Brome sie wieder in die Heimat bringen. Darunter war viel spannendes: Eine große Bibel, ein Brief von König Georg, fünf Ordner mit Märchen und Sagen – und eine Übersicht der Einnahmen und Ausgaben Wittingens im Jahr 1791/92. Und natürlich waren alle Dokumente bereits digitalisiert. VON MAX A. MORRISON

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