Versorgungsquote bei Allgemeinmedizinern im Landkreis Gifhorn derzeit bei 84 Prozent

28 Hausärzte könnten anfangen

Auf dem Land ein gesuchter Mann: der Hausarzt. Foto: dpa

Landkreis Gifhorn. Hat jemand irgendwo 28 Allgemeinmediziner gesehen, die noch nicht wissen, wo sie ihre Praxis aufmachen sollen? Im Landkreis Gifhorn hätten sie aus dem Stand ein Betätigungsfeld.

Denn die Versorgungsquote bei den Hausärzten liegt derzeit nach den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Niedersachsen bei 84 Prozent.

„89 Hausärzte sind im Landkreis Gifhorn niedergelassen, 117 könnten es sein“, sagt KV-Sprecher Detlef Haffke. Dabei sind 117 das absolute Maximum – die Zahl entspräche einer Versorgungsquote von 110 Prozent. Davon träumt freilich niemand, die Patienten könnten schon froh sein, wenn die Versorgung annähernd bei 100 Prozent läge, was 106 Hausärzten entspricht.

Der Ärztemangel auf dem Land ist nicht neu, und die Politik – auch die ganz große auf Bundesebene – hat das Problem längst erkannt und eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Ein wichtiges Instrument zur gleichmäßigeren Verteilung ist derzeit in Arbeit: In diesem Herbst sollen die Weichen gestellt werden für eine zielgenauere Bedarfsplanung im Rahmen des Versorgungsstrukturgesetzes.

Für den Landkreis Gifhorn heißt das konkret: Nicht mehr der Landkreis wird künftig die Bezugsgröße bei der Planung sein, sondern kleinräumigere Einheiten sollen den Blick darauf erlauben, wo tatsächlich eine Unterversorgung besteht. Damit wäre dann auch statistisch das von Patienten längst spürbare Stadt-Land-Gefälle nachweisbar.

Laut Haffke werden derzeit verschiedene Vorschläge für die neue Bereichseinteilung diskutiert – im gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzteschaft, der Krankenhausvertreter und der Krankenkassen. Prognosen über den Ausgang seien nicht möglich, meint Haffke. Denkbar scheint alles mögliche, von halben Landkreisen bis hin zur Bewertung einzelner Samtgemeinden. Denkbar auch, dass künftig für verschiedene Arztgruppen verschiedene Betrachtungsräume gelten sollen.

Die Gifhorner Landkreisverwaltung ist derweil weiterhin bemüht, Ärzte in die Fläche zu holen. Runde Tische (das IK berichtete) sind das eine, handfeste ökonomische Argumente das andere. Dezernent Detlev Loos verweist auf Möglichkeiten der KMU-Förderung bei Praxis-Eröffnung oder Erweiterung. Und über ein neues Landesprogramm könnten bei einer Neuansiedlung eines Mediziners bis zu 50 000 Euro fließen.

Bei den Fachärzten hat der Landkreis Gifhorn – statistisch gesehen – sogar eine Überversorgung. Dass man das im Nordkreis nicht merkt, liegt eben auch an der mangelnden Kleinteiligkeit der Betrachtung.

Allerdings: Bei den Augenärzten bezeichnet Haffke die Situation im Landkreis als „fast schon dramatisch“, die Quote liege bei nur 75 Prozent. Fünf gibt es, drei zusätzliche Augenärzte könnten ad hoc eine Praxis aufmachen.

Von Holger Boden

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