Wittinger Bauausschuss zeigt sich kritisch gegenüber Vorhaben

Hähnchenmast bei Darrigsdorf: Viel Skepsis

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Pläne für einen Masthähnchen-Stall bei Darrigsdorf kamen im Wittinger Bauausschuss nicht gut an – auch aus grundsätzlichen Erwägungen.

Darrigsdorf. Die Pläne für eine Hähnchenmastanlage bei Darrigsdorf mit zwei Ställen und insgesamt 84.400 Tieren haben beim Wittinger Bauausschuss vorerst keine Zustimmung gefunden.

Aus allen Fraktionen wurde Kritik laut oder zumindest Beratungsbedarf angemeldet. Gespräche mit dem Antragsteller sollen nun geführt werden, bevor die Angelegenheit auf Wiedervorlage kommt.

Am vehementesten bezog Andrea Harms (FWG) Stellung gegen das Vorhaben: „Ich lehne das ab.“ Die Knesebeckerin sah Probleme wie Beeinflussung des Landschaftsbildes und vermehrte Ausbringung von Gülle, zudem sei die Größe des Projekts möglicherweise „nur der Einstieg“.

Ralf Beyer (Grüne) schloss sich direkt an. Auch er monierte zu erwartende Nebenprodukte wie „Ammoniak und Nitrate“ und betonte: „Wir Grünen lehnen Massentierhaltung ab.“ Hans-Heinrich Koch (SPD) bekundete ebenfalls, er sei „grundsätzlich gegen Massentierhaltung“ und werde gegen das Projekt stimmen. Sein Fraktionskollege Jörg Bialas sah „zusätzlichen Beratungsbedarf“, zumal in 300 Metern Luftlinie von dem geplanten Standort das Darrigsdorfer Seniorenheim stehe. Man müsse sich auch Gedanken um Faktoren wie Lkw-Verkehr und Abwasser machen.

Auch aus Reihen der CDU kam Skepsis. Karl-Heinz Brandes verwies auf die Vorbelastung der Darrigsdorfer Gemarkung durch Biogas und Windkraft: „Wie verträgt sich das Ganze? Wir sollten uns angucken, was der Ort dazu sagt.“

Zu der Frage leistete Ortsvorsteher Holger Reiche, der im Ratssaal in den Reihen der Zuhörer saß, erste Aufklärung: Er sei sich nicht sicher, wie genau das Vorhaben in Darrigsdorf kommuniziert wurde, zurzeit sei ihm aus dem Ort aber keine Kritik an dem Projekt bekannt. Gleichwohl fasst der Ausschussvorsitzende Karl-Heinz Gauert (SPD-Gruppe) die Haltung des Ausschusses am Ende so zusammen: „Wir sollten es zurückstellen und mit dem Betreiber sprechen.“

Der saß ebenfalls im Publikum. Ernst-Martin Schulze ging auf die Verwendung von Abfallprodukten der Hähnchenmast ein. Für seine nahegelegene Biogasanlage brauche er unter anderem auch 1000 Tonnen Mist, und da biete die Mastanlage einen Synergieeffekt: „Wir werden den zugekauften Mist durch eigenen ersetzen.“

Das für die Ställe vorgesehene Grundstück ist derzeit ein Acker. In den Unterlagen für den Bauausschuss heißt es, der Betrieb Schulze werde die Tierhaltung am Hof aufgeben, was wiederum die Emissionen im Nahbereich des Altenheims reduziere.

Von Holger Boden

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