Bokeler Biogasanlage als Verursacher / Gewässer Aue und Parksee verunreinigt

Große Schweinerei in der Aue: Gärsubstrat bis Bad Bodenteich

Die Bokeler Wehr war gestern im Einsatz, um der ausgetretenen Gülle Herr zu werden. Foto: Gerlach
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Die Bokeler Wehr war gestern im Einsatz, um der ausgetretenen Gülle Herr zu werden. Foto: Gerlach
  • Paul Gerlach
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  • Lars Lohmann
    Lars Lohmann
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Bokel/Bad Bodenteich. Große Schweinerei in der Aue zwischen Bokel und Bad Bodenteich: Nach ersten Ermittlungen der Polizei waren durch einen technischen Defekt aus der Biogasanlage in Bokel gut fünf Kubikmeter Flüssigkeit ausgetreten und in den Wasserkreislauf gelangt.

Dabei wurden die Gewässer Aue und Parksee großflächig verunreinigt. Im Bereich Bodenteich wurden mehrere bereits verendete Fische gefunden. Die Polizei leitete in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Lüneburg ein Strafverfahren wegen Gewässerverunreinigung ein.

Defekter Schieber?

Mit einem Trecker wurde ein Strohballen in den Bach eingelassen, der das Wasser aufstaute.

Laut Angaben des Betreiberteams der Biogas-Anlage lag das technische Versagen an einem defekten Schieber. Dadurch seien die Auffangbehälter ans Limit geraten. Zwei bis drei Kubikmeter Endsubstrat, der als Dünger verwendet werden sollte, seien ausgelaufen. Geschehen sei das Ganze am Dienstag um 5 Uhr, festgestellt worden sei das Problem um 7 Uhr. „Ich habe aber nicht mitgekriegt, dass es in den Bach gelaufen ist“, so ein Mitglied des Teams auf IK-Anfrage.

Nachdem er Anrufe aus Bad Bodenteich über die dortige Verunreinigung bekommen habe, habe er am Mittwochabend die Behörden wie Gewerbeaufsicht, die Polizei und Untere Wasserbehörde des Kreises alarmiert. „Es tut mir leid für die Natur und die Betroffenen.“ Die Anlage bestehe seit dem Jahr 2000 und es habe bislang nie Probleme gegeben. Dankbar zeigte sich das Teammitglied über die Unterstützung durch einige Landwirte, die gleich ihre Arbeit liegen ließen und beim Abdichten des Baches halfen.

Dazu wurde mittels eines Treckers ein Rundballen in den Bach eingelassen, der das Wasser aufstaute. Die Bokeler Wehr war mit sieben Einsatzkräften vor Ort, weitere kamen als Verstärkung und zur Ablösung nach. „Wir haben den Bach auf einer Länge von 800 Metern abgesperrt, die Gärreste abgepumpt und entsorgt“, sagte der stellvertretende Ortsbrandmeister Andreas Düvel. Die Gülle sollte aus der Böschung entfernt werden, damit sie sich dort nicht festsetzt. Danach solle sich der Bach regenerieren. „Es handelt sich nicht um Chemikalien“, sagte Düvel. In der Biogasanlage würden nur Essensreste oder Fette verarbeitet. „Trotzdem ist das hier schon eine größere Hausnummer“, schätzte Düvel den Ausmaß ein.

Die Betreiber der Biogasanlage haben nach eigenen Angaben alle Landwirte, die Tiere an dem Bach stehen haben, informiert.

Tote Fische in Bodenteich

„Wir haben die Untere Wasserbehörde des Kreises Gifhorn über den Vorfall informiert und einen Mitarbeiter rausgeschickt, der das Ganze aufnahm“, sagt Behördenleiter Andreas Aplowski vom staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig auf IK-Anfrage. Er rechnet für heute oder Montag mit ersten Ergebnissen der Untersuchung.

Die Untere Wasserbehörde war mit zwei Mitarbeitern vor Ort, erläutert Antje Präger, Fachbereichsleiterin Umwelt beim Landkreis. Das Gärsubstrat sei durch die Regenwasser-Kanäle in den Bach geflossen. Nur bei dieser Einleitung in den Bach durch die Kanäle komme der Landkreis ins Spiel, alles andere sei Sache der Gewerbeaufsicht. Diese sei die Überwachungsbehörde. Zur Gefahrenabwehr seien gestern die Kanäle gespült worden, auch um eine weitere Verschmutzung zu verhindern. Die genaue Menge der ausgetretenen Gülle müssten jetzt die Untersuchungen ergeben. Die toten Fische in Bad Bodenteich seien ein Anzeichen dafür, dass der Schlamm „nicht ganz ungiftig“ sei.

Samtgemeindebürgermeister Andreas Taebel zeigte sich „stolz und glücklich“, dass die Samtgemeinde hier so viele Ehrenamtlichen in den Feuerwehren habe, die sofort agierten: „Das ist ein Riesenpfund, das wir da haben.“

Unangenehme Konsequenz aus dem Vorfall in Bokel: Der für Sonntag angesetzte Seepark-Triathlon in Bad Bodenteich mit rund 730 Athleten wird zum Duathlon, entschied gestern Organisator Edgar Strauß. Denn im stinkenden Wasser des Parksees wird niemand seine Runden drehen wollen. Anwohner berichteten gestern von Gestank und toten Fischen im See. Um ein Massensterben der Forellen zu verhindern, erhöhte die Feuerwehr gestern durch Pumpen den Sauerstoffgehalt im Wasser. Der Zufluss der Aue wurde abgesperrt.

Von Paul Gerlach und Lars Lohmann

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