Neue Strategie zeigt erste Wirkung / Investitionen von 1,2 Millionen Euro

Wittinger Privatbrauerei: „Grundlagen für Wachstum gelegt“

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Temperaturmessung bei der offenen Gärung: Die beiden Privatbrauerei-Geschäftsführer Christian (l.) und Axel Schulz-Hausbrandt setzen auf traditionelle Brauprozesse.

Wittingen. Investitionen in siebenstelliger Höhe, verstärkter Fokus auf die regionale Verbundenheit und ein Marken-Relaunch – die Wittinger Privatbrauerei sieht sich nach den Schwierigkeiten der letzten zwei Jahre gut aufgestellt für die nächste Zukunft.

„Wir haben in einem schrumpfenden Markt die Marke stabilisiert und die Grundlagen für ein erhofftes Wachstum gelegt“, sagt Geschäftsführer Christian Schulz-Hausbrandt.

Ihre Kunden will die Privatbrauerei vor allem mit Qualitätsprodukten überzeugen. Bei der Herstellung von Bieren wie Wittinger Premium und Wittinger Stackmanns Dunkel wird jetzt die traditionelle offene Gärung eingesetzt. Das dauert länger und ist personalintensiver, soll aber dem Aroma ebenso zugute kommen wie die Lagerung in liegenden Tanks: „Es ist die teuerste Art, das Bier herzustellen, führt aber aus unserer Sicht zum besten Ergebnis“, erläutert Christian Schulz-Hausbrandt.

Die technischen Voraussetzungen für die offene Gärung sind Teil eines Investitionspaketes mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Millionen Euro, das auch Verbesserungen für die Produktsicherheit und die Hefe-Revitalisierung umfasst. Zudem wurde erneut in die Energieeffizienz der Brauerei investiert. Nachdem im Zuge der Neuaufstellung auch acht betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen wurden und die Mitarbeiterzahl nun bei 80 liegt, sind weitere Entlassungen derzeit nicht vorgesehen.

Im Außenauftritt setzt das Unternehmen auf ein neues Sechserträger-Sortiment ebenso wie auf ein neues Erscheinungsbild bei Produkten wie auch bei der Außenwerbung in der Gastronomie, begleitet von einer Vertriebsoffensive. Das modernisierte Design ist Teil einer Dachmarkenstrategie, die auch Ortsfremden auf den ersten Blick deutlich machen soll, dass etwa Stackmanns Dunkel aus dem Hause Wittinger stammt.

Der Markt ist nach wie vor stark unter Druck, das gilt bundesweit, das spürt die Privatbrauerei aber auch in ihrem traditionellen Geschäftsgebiet zwischen Elbe und Harz. „Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel“, sagt denn auch Geschäftsführer Axel Schulz-Hausbrandt.

Gleichwohl geben offenbar schon jetzt die Fakten des Marktes der neuen Strategie Recht: „Wir spüren, dass die Maßnahmen greifen“, sagt Axel Schulz-Hausbrandt. So sei beim Verkauf von Flaschenbieren im ersten Quartal ein leichtes Plus zu verzeichnen. Insgesamt konnte der Absatz etwa auf Vorjahresniveau stabilisiert werden.

Für Axel Schulz-Hausbrandt hat mit den Veränderungen und der Betonung der regionalen Identifikation auch „ein neuer Geist im Haus, ein Stolz auf die Marke Wittinger“ Einzug gehalten. Und im Unternehmen registriert man erfreut, dass in der Region viel Verbundenheit zur Privatbrauerei existiert. Der Relaunch der Halbliter-Dose geht auf eine Fan-Initiative zurück und wird von einem Video der Groß Oesinger Kultband „Ramones Experience“ flankiert, die Brauerei sponsort weitere Bands (und ist in dieser Hinsicht offen für Bewerbungen), die Brauereiführungen laufen gut (so gut, dass Brauereiführer gesucht werden), und das Bockbierfest am 24. März ist mit 3700 Besuchern wieder restlos ausgebucht.

Von Holger Boden

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