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Grüne wollen Öl-Verfahren stoppen

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Von: Holger Boden

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Bei Vorhop steht eine Ölpumpe in der Nähe des Kanals.
Ölpumpe bei Vorhop: Die Wittinger Grünen sorgen sich angesichts neuer Investitionen ums Grundwasser. © Boden, Holger

Wittingen/Knesebeck/Vorhop – Soll das Erdöl-Unternehmen Vermilion bei Knesebeck und Vorhop bauliche Maßnahmen an den Förderanlagen vornehmen dürfen? Diese Frage wird gerade per Planfeststellungsverfahren samt Umweltverträglichkeitsprüfung geklärt (das IK berichtete). Bevor der Wittinger Ausschuss für Bauangelegenheiten und Umwelt am kommenden Dienstag, 8. Februar (18 Uhr, Stadthalle), eine Stellungnahme dazu abgibt, kommt von den Grünen die Forderung, das ganze Verfahren einzustellen. Nach Einschätzung der Partei sind die öffentlich ausgelegten Unterlagen nicht vollständig.

Vermilion Energy plant im Wasserschutzgebiet Schönewörde in den Ölfeldern Vorhop und Vorhop-Knesebeck unter anderem die Ablenkung bestehender Bohrungen, die zum Teil mehr als 60 Jahre alt sind. Die Wittinger Grünen berufen sich nun einmal mehr auf den Uelzener Wasserwirtschafts- und Umweltingenieur Bernd Ebeling, der die Unterlagen zum Verfahren durchgearbeitet hat – Papiere zu den acht Bohrungen sowie Informationen darüber, wie gewährleistet werden soll, dass keine wassergefährdenden Stoffe ins Grundwasser gelangen.

Eine Frage, die nicht beantwortet werden könne, meint Ebeling, der in einer Mitteilung der Grünen zitiert wird: „Zu dieser Thematik sind keine prüffähigen Unterlagen im Planfeststellungsverfahren auffindbar. Was genau bei den acht Bohrungen geplant ist, und ob die zum Teil nicht zementierten alten Bohrlöcher gegenüber wasserführenden Schichten abgedichtet werden sollen, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Dieses Vorhaben erfüllt nicht die zwingenden Vorgaben des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung.“

Christian Schroeder, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat und im Kreistag, sagt deshalb: „Das Verfahren kann unserer Meinung nach so nicht fortgeführt werden. Wir fordern daher den sofortigen Abbruch.“ Es gehe nicht nur um den Trinkwasserschutz für das Wasserwerk Schönewörde, sondern insbesondere auch um den Schutz des Grundwassers. Die Landwirtschaft sei auf sauberes Wasser angewiesen.

Die Gifhorner Grünen-Landtagsabgeordnete Imke Byl meint: „Erst, wenn alle relevanten Informationen auf dem Tisch liegen, sollte das Planfeststellungsverfahren neu aufgelegt werden dürfen.“ Sie kritisiert in dem Zusammenhang, dass die Einigung der Landesregierung zum Grundwasserschutz „nichts wert“ sei. Zwar würden nun keine neuen Förderbohrungen beantragt, aber: „Nun werden wie im aktuellen Fall einfach die alten Bohrungen genutzt und abgelenkt, um die Förderung auch innerhalb der Schutzgebiete weiter fortzuführen.“

Bei Vermilion kann man die Kritik der Grünen nicht nachvollziehen. Das Verfahren laufe „wie immer im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen und in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden“ ab, erklärt Unternehmenssprecher Matthias Schorr. Einwendungen Dritter seien in diesem Prozess freilich möglich. Schorr bestätigt auf Anfrage, dass hinsichtlich der eingereichten Unterlagen „selbstverständlich eine Vollständigkeitsprüfung im Sinne des Verfahrens“ stattgefunden habe.

Der Unternehmenssprecher betont, dass es bei dem Vorhaben unter anderem um die Erneuerung von Teilen der Anlagen gehe – und damit auch um „Maßnahmen zur Herstellung nachhaltiger Sicherheit“. Aus den Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren gehe das klar hervor. Bei einem ähnlichen Projekt vor ein paar Jahren hatte Vermilion seine Pläne in öffentlichen Veranstaltungen erläutert – das ist derzeit unter Pandemie-Bedingungen kein Thema.

Mit Blick auf die Sorgen ums Grundwasser erklärt Schorr: „Wir lenken die Bohrungen erst weit unter dem Grundwasser-Horizont ab.“ Die Grünen führen derweil Bohrloch-Skizzen von 2013 ins Feld, wonach bei zwei Bohrungen über mehrere hundert Meter die Zementhülle für das Stahlrohr fehle. Byl hatte die Bilder auf eine Anfrage im Landtag hin erhalten.

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