Imker schlägt Alarm: Hohe Verluste im Kreis Gifhorn / Lob für Pestizid-Verbot

Große Sorge um Bienen

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Nur der Löwenzahn blüht noch auf der ehemaligen Bienenweide bei Hankensbüttel. Die Pflanzen, die im vorigen Jahr gesät wurden, sind längst verwelkt. Doch der Imkerverein Knesebeck setzt sich dafür ein, weitere Blühflächen anzulegen.

Landkreis Gifhorn. Die Situation der Bienen im Kreis Gifhorn hat sich weiter verschärft. Schon seit Jahren ist es um die Honigsammler nicht zum Besten bestellt. Doch jetzt schlägt Thomas Manske, Vorsitzender des Imkervereins Knesebeck, Alarm.

Vor vier Wochen hatte er die Winter-Verluste bei den hiesigen Bienenvölkern noch auf 30 Prozent geschätzt (das IK berichtete), nun spricht er sogar von bis zu 50 Prozent. Ein Lichtblick ist für Manske dagegen das jetzt von der EU verhängte Verbot dreier Pestizide, die für das Bienensterben mitverantwortlich sein sollen.

Die Bienen-Verluste nach dem langen, teilweise eiskalten Winter fallen im Kreis Gifhorn sehr unterschiedlich aus. „Es sind Imkereien dabei, die 100 Prozent ihrer Bienen verloren haben, andere haben alle über den Winter bekommen“, sagt Manske im IK-Gespräch. In Städten, in denen ein höheres Nahrungsangebot zur Verfügung stehe, seien vergleichsweise mehr Bienen durch die kalte Jahreszeit gekommen.

Wesentlich schlechter sei die Situation in ländlichen Bereichen, in denen es kaum Hecken und Wegränder und somit weniger Pollen und Nektar als Nahrung gebe. Den Kreis Gifhorn präge vielerorts eine „aufgeräumte Landschaft“ mit großen Ackerflächen. Blühende Wegränder würden von Landwirten oft sehr früh gemäht, bedauert Manske. Doch auch die Varroa-Milbe trage zur Dezimierung der Bienenvölker bei.

„Vor 20 Jahren galten Winter-Verluste von fünf Prozent noch als hoch. Nach diesem extremen Winter haben wir im Kreis Gifhorn aber 30 bis 50 Prozent Verluste bei den Bienen“, erklärt Manske. Das aktuelle EU-Verbot der drei Pestizide für den Anbau von Mais, Sonnenblumen und Raps sei der erste Schritt in die richtige Richtung. „Es müssen aber weitere Schritte folgen“, fordert der Vorsitzende. So spricht er sich dafür aus, die Zulassungsverfahren für Pestizide zu verändern. Doch auch die Verbraucher seien gefragt. Diese müssten bereit sein, in Supermärkten und Fachgeschäften höhere Preise für Honig zu zahlen.

Das Nahrungsangebot für die Bienen zu verbessern, hat sich der Imkerverein Knesebeck vorgenommen. Das sei unter anderem durch mehr Blühstreifen möglich, erläutert Manske. Für eine sehr gute Idee hält er die Bienenweide, die der Landkreis im vorigen Jahr am nordöstlichen Rand von Hankensbüttel durch einen Landwirt anlegen ließ. Wie berichtet, hatten auf rund 7000 Quadratmetern Lupinen, Sonnenblumen, Klatschmohn, Ringelblumen und viele weitere Pflanzen geblüht – eine optimale Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten.

Von Bernd Schossadowski

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