Straßenbehörde saugt Nester des Eichenprozessionsspinners nur in Nähe von Wohnhäusern ab

Das große Krabbeln an der B 244 – zu spät, um der Plage Herr zu werden

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Das große Krabbeln: ein Nest von Eichenprozessionsspinnern an einer Eiche an der B 244 unweit des Zasenbecker Friedhofs.

Zasenbeck/Radenbeck. Saugen, nicht sprühen – das ist die Strategie, die die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr beim Eichenprozessionsspinner fährt.

Das in Wolfenbüttel ansässige Amt ist zuständig, wenn die gern in Reih’ und Glied marschierenden Raupen sich auf Bäumen an Bundes- oder Landesstraßen eingenistet haben – so auch an der B 244 bei Zasenbeck.

Dort haben sich die Schmetterlinge in spe an Eichenstämmen beiderseits der Bundesstraße breitgemacht. Im Bereich westlich des Zasenbecker Friedhofs kleben die Nester an etwa jedem dritten Baum. Zasenbecks Ortsvorsteher Karl-Heinz Gauert wurde von einem Bürger des Ortes auf den Zustand hingewiesen und hat sich an die Wittinger Stadtverwaltung gewandt. Die ist außerorts nicht zuständig, wollte die Information aber nach Wolfenbüttel weitergeben.

In Zasenbeck glaubt man, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, um die Nester abzusaugen. Sie seien ohne Leiter erreichbar, hieß es, und die Kolonie sei noch zusammenhängend.

Einzelne Nester befinden sich an vielen Bäumen an der B 244, von Zasenbeck bis hin zum Ortseingang von Radenbeck. Henning Schwägermann, Fachbereichsleiter in Wolfenbüttel, sagt, dass seine Behörde sich nicht um jedes Nest am Bundes- und Landesstraßennetz kümmern kann: „Wir saugen die Raupen und Gespinste dort ab, wo Orte oder Häuser in der Nähe sind.“

Letztlich, so Schwägermann, handele es sich beim Eichenprozessionsspinner um ein Naturphänomen wie viele andere – da sei jeder Nutzer einer Straße oder eines Radweges gefragt, ein Stück weit selbst Vorsicht walten zu lassen. Mit Warnschildern werde etwa auf Befall an Radwegen hingewiesen. Erreiche die Behörde aber ein Hinweis auf Eichenprozessionsspinner in der Nachbarschaft von Wohnbebauung, dann, so der Fachbereichsleiter, „reagieren wir“.

Der Plage durch Sprüheinsätze Herr zu werden, dafür ist es jetzt zu spät in der Saison. Schwägermann verweist auf ein generelles Problem, das sich seiner Behörde stellt: Isoliert die Bäume entlang der Straßen zu behandeln, sei „Sisyphusarbeit“, wenn es angrenzende Waldgebiete gibt, deren Eigentümer nichts gegen den Eichenprozessionsspinner unternehmen. Sprühen sei also nur in einer konzertierten Aktion der Kommunen, der Waldbesitzer und der Straßenbaulastträger in einem zusammenhängenden Bereich wirklich sinnvoll.

Solche Pläne können nun frühestens 2019 verwirklicht werden. Für gestern Abend war in Parsau eine Informationsveranstaltung zum Eichenoprozessionsspinner angesetzt, neben der Gifhorner Kreisverwaltung und einigen Kommunen war auch die Wolfenbütteler Straßenbehörde dort vertreten. Mehr dazu morgen.

Von Holger Boden und Heinz-Henning Huth

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