Kreistag will Lebensraum der Libellenpopulation bei Glüsingen aber überwacht wissen

Grabenräumung ohne Konsequenzen

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Der Ziegeleigraben als Lebensraum der bedrohten Libellenart soll überwacht werden.

Glüsingen. Die vermeintlich zu gründliche Räumung zweier Gräben bei Glüsingen (das IK berichtete mehrfach) bleibt ohne direkte Konsequenzen.

Solche hatten die Kreistags-Grünen gefordert, die nach der im Herbst erfolgten Räumung einen Lebensraum für die Vogel-Azurjungfer zerstört sahen.

Der Kreistag beschloss kürzlich bei neun Enthaltungen mit Blick auf die Population der Libelle, dass die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises den Ziegeleigraben und den Moosgraben als deren Lebensraum überwachen soll. Die Behörde soll der Stadt Wittingen außerdem etwaige notwendige Auflagen mitteilen.

Bekannt geworden war die Vogel-Azurjungfer durch ihre Rolle in den A 39-Planungen: Nachdem das Vorkommen des geschützten Insekts westlich von Glüsingen und Darrigsdorf bekannt geworden war, wurde die vorgesehene Autobahntrasse um 100 Meter näher an die Orte gelegt. Angesichts des aus ihrer Sicht zerstörten Lebensraums hatten die Grünen die Frage nach Verantwortung und einer Wiederherstellung des alten Zustandes gestellt.

„Der Graben wird alle zwei Jahre durch die Stadt Wittingen geräumt“, betonte der Rumstorfer Friedrich Lührs (FDP) bei der Kreistagssitzung. Er kenne die beiden Gräben gut, so der Landwirt. Die Räumung sei „ordnungsgemäß“ vorgenommen worden. Die lautgewordene Kritik sei von Einzelpersonen – und nicht von Fachleuten – gekommen, sagte Lührs. Die Vogel-Azurjungfer gebe es dort schon länger als zwei Jahre. Auflagen seitens der Unteren Naturschutzbehörde habe es bislang nicht gegeben. Er könne kein Fehlverhalten erkennen.

Dr. Arne Duncker von den Grünen betonte, dass die Sache von Naturschützern aus der Region an seine Fraktion herangetragen worden sei. Der Beschlussvorschlag sei „ein Schritt in die richtige Richtung“, aber dennoch würden sich die Grünen ihrer Stimmen enthalten.

Die Gräben seien immer wieder geräumt worden und die Vogel-Azurjungfer nachher wieder festgestellt worden, sagte der Knesebecker Walter Schulze (CDU). „Das ist kein Problem.“ Niemand wolle die Libelle vernichten. Schulze betonte, dass die Verlegung der vorgesehenen Autobahntrasse um 100 Meter näher an die Orte – und damit auch an die Bevölkerung heran – rund 1 Million Euro gekostet habe: „Um die Vogel-Azurjungfer zu schützen.“

Zur Erinnerung: Geräumt wurden der Ziegeleigraben und der Moosgraben durch den Aller-Ohre-Verband, Auftraggeber war die Stadt Wittingen. Ob die jüngste Grabenräumung nun dem Vorkommen des Insekts abträglich war, sei derzeit nicht zu beantworten, hatte Antje Präger, Leiterin des Fachbereichs Umwelt, die auch Vorsteherin des Aller-Ohre-Verbands ist, gesagt: „Wir wissen es nicht.“ Sie hatte dazu geraten, die Gewässer sich selbst zu überlassen, um festzustellen, ob die Räumung sach- oder unsachgemäß erfolgte.

Von Paul Gerlach

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