Die Flüchtlingssozialarbeit hat schon viel geleistet – aber noch mehr vor sich

Für Flüchtlinge in Witzigen: „Es gibt zu wenig Sprachunterricht“

+
Imke Banse und Artur Geiger zeigen ihr neues Plakat. Bei ihnen im Spittahaus in Wittingen finden Ehrenamtliche und Geflüchtete Hilfe.

Wittingen. In einem kleinen Büro im Wittinger Spittahaus sitzen Imke Banse, Artur Geiger und Mirjam König. Sie sind für die Sozialarbeit mit den Geflüchteten in der Samtgemeinde Hankensbüttel und der Stadt Wittingen zuständig.

Die chaotischen Anfangszeiten, in denen man sich auf die große Menge an Geflüchteten einstellen musste, sind vorbei, doch die Arbeit reißt nicht ab.

Die Flüchtlingssozialarbeit Nord des Diakonischen Werkes ist eine der Beratungseinrichtungen, die der Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen im Nordkreis vorhält. Der Landkreis bezahlt die drei Halbtagsstellen und eine Praktikantin in Wittingen. Man habe schon viel geleistet, „aber die Arbeit mit Menschen hört nie auf“, weiß Banse. Die studierte Sozialarbeiterin ist die Dienstälteste, war von Anfang dabei.

Einen Neu-Anfang bietet sie denen, die herkommen und um Hilfe bitten. Sie und ihre Kollegen begrüßen die Neuankömmlinge, bestücken teilweise deren Wohnungen, die vom Landkreis zugeteilt werden. Zu offenen Sprechzeiten – dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr im Spittahaus – können Geflüchtete kommen und werden beraten. Die Flüchtlingssozialarbeit begleitet auch bei Behördengängen und Arztbesuchen, bietet aber vor allem erste räumliche Orientierung: „Was ist die Tafel? Wo ist ein Supermarkt? Wo finde ich weitere Ansprechpartner und Hilfe? Das sind die Dinge, die wir meistens vermitteln“, sagt Banse. „Wir haben hier ein ganz intensives Networking zwischen Geflüchteten, kirchlichen Strukturen und dem Landkreis“, ergänzt der Pädagoge Geiger.

Denn die Sozialarbeit ist kein persönlicher Betreuer. Vielmehr vermitteln sie an Ehrenamtliche und Landsleute, die schon länger in Deutschland sind. „Das Ehrenamt ist eine tragende Säule in der Integration, ohne das geht es nicht“, betont Banse. Die Helfenden bekommen bei ihr auch Hilfe und Beratung. Es gibt regelmäßige Treffen und auch Fachvorträge, dabei handelt es sich aber um eine vernetzte Partnerschaft, keine Bevormundung durch die Diakonie. Neben der reinen Beratung arbeitet die Flüchtlingssozialarbeit auch immer wieder an Projekten und Veranstaltungen, wie diversen Ausflügen und dem Flüchtlingscafé in Hankensbüttel.

Im Café unterhält man sich, so gut es eben geht. „Die größte Hürde ist nach wie vor die Sprache“, erzählt Banse. „Erst kamen viele aus dem Balkan, dann Syrer, Iraker, Afghanen, nun Afrikaner – und viele können kein Englisch.“ Da sind dann diejenigen gefragt, die schon länger im Land sind und besser Deutsch können. So helfen dann Geflüchtete Geflüchteten. „Sprachunterricht gibt es, aber zu wenig, es fehlen einfach Fachkräfte“, bedauert Geiger. Aber auch hier wird vermittelt. Französisch sprechenden Afrikanern halfen in letzter Zeit vermehrt die Französisch-Lehrer aus der Region. „Man findet immer einen Weg zu Kommunikation“, weiß Geiger.

„Wir haben schon eine Menge geleistet“, sagt Geiger stolz, „doch es gibt noch viel zu tun.“ Besonders was die psychologische Betreuung angeht, sei noch Luft nach oben. „Vielen wird erst nach einer Weile hier in Sicherheit klar, was sie durchgemacht haben“, erzählt Banse, „dann kommt das wieder hoch.“

Von Dennis Tesch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare