Wittingen: Auch Wohnflächen in der Diskussion / CDU-Politiker bringt enge Südumgehung ins Spiel

Nur Gewerbe auf OHE-Areal?

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Bald blühende Landschaften? Noch dominieren die Relikte des Industriezeitalters auf dem ehemaligen OHE-Gelände – sie sollen durch moderne Betriebe abgelöst werden.

Wittingen. Die ehemalige OHE-Fläche wird ein Gewerbegebiet – das schien so gut wie ausgemacht, nachdem sich der Wittinger Wirtschaftsausschuss vor ein paar Wochen damit befasst hatte. Doch aus der Politik kommen nun auch andere Stimmen.

Und nebenbei wird eine Verkehrs-Idee wiederbelebt, für die es bisher nie eine Mehrheit gab.

Zunächst einmal fand der Wittinger Ortsrat die Stoßrichtung, die bislang für die Brachfläche verfolgt wird, gar nicht schlecht: eine Erschließung für Gewerbeflächen, möglichst kleinteilig, eher nicht für produzierendes Gewerbe, dafür Dienstleister und vielleicht sogar Ableger großer Bildungsinstitutionen. Einen entsprechenden Kurs verfolgt das Braunschweiger PLanungsbüro Ackers und Partner im städtischen Auftrag (das IK berichtete).

Ortsratsmitglied Thomas Lemke (Grüne) vertrat die Ansicht, dass das Areal durchaus interessant sein könne für einen Standort der Hochschule Ostfalia. Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg (CDU) sagte mit Blick auf eine noch ausstehende Präsentation weiterer Planungsergebnisse: „Was wir genau draus machen, müssen noch sehen.“

Für Hildrun Mitschke (SPD) ist die Schaffung eines Gewerbegebietes nicht das Gelbe vom Ei: „Gewerbegebiete haben wir in Wittingen genug. Es heißt immer, wir brauchen Bauplätze – ich finde eine Wohnbebauung auf dieser Fläche interessant, auch wegen der Infrastruktur drumherum.“

In diesem Sinne äußerte sich in dieser Woche auch Stadtbürgermeister Karl Ridder gegenüber dem IK: Angesichts der Nähe zu Schule, Sportplätzen, Tennisplatz, Freibad, Stadtbücherei und anderen Einrichtungen seien aus seiner Sicht unter anderem auch Bauplätze auf dem ehemaligen OHE-Gelände ein nachdenkenswertes Thema.

Flächendeckenden Widerspruch erntete Mitschke im Ortsrat nicht, gewichtige Gegenargumente sah aber Lothar Brause (CDU): „Wenn das ein Wohngebiet wird, können wir den Sportplatz zumachen“, meinte er mit Blick auf die zu erwartende Lärmbelästigung für die neuen Nachbarn. Schon jetzt gebe es immer wieder Beschwerden von Anwohnern: „Wir hatten schon dreimal abends die Polizei da.“ Wirtschaftsförderin Sabrina Puskeiler sagte, dass das einstige OHE-Areal voraussichtlich als Mischgebiet ausgewiesen werde, dass sich mithin Dienstleistungsgewerbe und Wohnen – wenn gewünscht – nicht ausschließen werden.

Die noch offene Frage der Verkehrsführung zu dem Gebiet griff Jörg Friedrichs (CDU) auf: Er hielt einen leistungsfähigen Anschluss an den Wunderbütteler Kirchweg – wie er auch vom Planungsbüro skizziert worden war – für angeraten, warb aber auch dafür, gegebenenfalls „noch größer zu denken“: mit einer Umgehungsstraße im Wittinger Südwesten, von der Lessingstraße bis zum Wunderbütteler Kirchweg.

Die Idee stammt ursprünglich – wie Friedrichs auch betonte – vom FWG-Politiker Friedrich Lührs. Der hatte dafür auf Stadtebene nie Mehrheiten gefunden, insbesondere auch bei der CDU nicht. Friedrichs griff nun die Argumente des Rumstorfers auf: Die Umgehung biete die Chance, noch mehr Gewerbeflächen auszuweisen, mehr Arbeitsplätze und damit mehr Menschen nach Wittingen zu holen.

Von Holger Boden

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