Castor-Transporte beim Männerfrühstück in Wittingen thematisiert

Gewaltfreier Widerstand

... gegen das mögliche Atommüllager Waddekath-Rade mobil.

Wittingen.

Über den „gewaltfreier Widerstand“ im Kontext mit den Castor-Transporten ins Wendland und der im dortigen Salzstock beabsichtigten Atommüll-Endlagerung wurde schon gestritten, als 1977 die damalige niedersächsische Landesregierung entschied, Gorleben als Standort eines integrierten nationalen Entsorgungszentrum für hoch radioaktive Abfälle zu installieren. Dieser Plan hatte zahlreiche Gegner mobilisiert, die im Wendland über Jahre friedlich demonstrierten und die weiterhin protestieren.

Aktive Atomkraftgegner haben ihre eigenen Bilder von den Castor-Transporten konserviert: angekettete Demonstranten, Straßenblockaden, Hubschrauber und Wasserwerfer im Einsatz, berittene Polizei; es flogen aber auch Pflastersteine - von autonomen Gruppen im Straßenkampf auf Polizeikräfte gefeuert, die „nur ihre Pflichten erfüllten.“ Der Widerstand hat verschiedene Gesichter.

„Die Macht des gewaltfreien Widerstandes“ war am Sonnabend beim Männerfrühstück der Evangelischen Landeskirche, der SELK und der katholischen Gemeinde im Saal der St. Stephansgemeinde am Hindenburgwall in Wittingen ein bestimmendes Thema. Aktuell und spannend, um in einer diskussionsfreudigen Männerrunde lebhaft und facettenreich besprochen zu werden. Referent Henning Schulze-Drude – Diakon und Religionspädagoge- – riss als ausgewiesener -Kenner Aspekte des wendländischen „Widerstands“ in seinem Kurzvortrag an.

Was ist Widerstand? Was unter „gewaltfrei“ zu verstehen? - Schulze-Drude: „Wenn ich mich unter Einsatz meines Körpers wehre - dies kann bis zum zivilen Ungehorsam und zu Rechtsverstößen führen - das ist gewaltfrei und legitim.“

Worum geht es im Wendland? Was bewegt die Menschen und Aktionsgruppen, wie „ X-tausendmal quer“ oder die BI Umweltschutz, Straßen zu sperren, Sitzblockaden zu organisieren und sich dem Machtmonopol des Staates zu widersetzen? – Diese und weitere Fragen stellte Schulze-Drude, der zu einer Gruppe kirchlicher Mitarbeiter gehört, die als Vermittler, Friedensstifter und Seelsorger im Wendland tätig wurden, anschaulich in den Fokus. Aktive Gewalt während der Castor-Transporte zu minimieren und in Konfliktsituationen vermittelnd einzugreifen, darin läge gerade auch die Verantwortung der Kirche, die sich herausgefordert sehe. Mit dem Anspruch offen für alle zu sein, doch aber eine Kirche zu sein, die sich in ihrem Handeln politisch klar positioniere, die sich von jeglichem parteipolitischen Kalkül abgrenze.

„Wir versuchen in entscheidenden Fragen Verantwortung zu tragen und in dieser Zeit als Kirche zwischen den Fronten zu stehen: als Seelsorger und Konfliktentschärfer. Nicht die Polizei ist unser Gegner, sondern die Politik. Menschen machen Fehler, die Bibel ist voll davon“, erläuterte Schulze-Drude. Eine Atomtechnologie aber, so der Referent weiter, die dem Menschen keine Fehler mehr erlaube, sei ihm nicht angemessen und um Gotteswillen nicht möglich…“

Von Jürgen Kayser

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