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Gestaltungssatzung für Wittinger Innenstadt auf Ziellinie

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Von: Holger Boden

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Lange Straße in Wittingen
Für Veränderungen an Gebäuden in der Wittinger Innenstadt gelten bald die Regeln der Gestaltungssatzung. Die wird von der Politik gerade zurechtgeschliffen. © Boden, Holger

Wittingen – Die Innenstadt als lebendiger Ort für Wohnen und Wirtschaft, gleichzeitig die Bewahrung und Weiterentwicklung der historisch gewachsenen Struktur und Bausubstanz – das sind die zwei wesentlichen Ziele, die die Stadt Wittingen mit der Gestaltungssatzung für den Wittinger Ortskern verfolgt. Das Papier nimmt langsam Formen an, jetzt hat der Ausschuss für Stadtentwicklung den vorliegenden Entwurf mit ein paar Änderungen abgesegnet.

Damit ist das Papier im Prinzip beschlussreif. Ortsbürgermeister Lars Dreyer-Winkelmann signalisierte Zustimmung des Ortsrates auch für die Änderungen. Allerdings votierte der Ausschuss dafür, den Ortsrat noch einmal in offizieller Beratung drüberschauen zu lassen. Das soll erst in dessen übernächster Sitzung geschehen, weil die Tagesordnung für den 13. September schon steht.

Die Entwicklung regulieren, die Bürger dabei aber mit Blick auf mögliche Sanierungen nicht demotivieren: Das sei die Absicht bei der Aufstellung der Gestaltungssatzung, sagte Stadtbürgermeister Andreas Ritter. Weil das ein schmaler Grat ist, wird seit Monaten ganz viel diskutiert und abgewogen – in informellen Ortsratssitzungen, in einem Lenkungskreis, in den Fraktionen. Bürger konnten sich in Beteiligungsverfahren einbringen, es gab Info-Veranstaltungen, und wenn die Politik sich final auf einen Entwurf geeinigt hat, dann geht der auch noch einmal in die Öffentlichkeitsbeteiligung.

Insgesamt verzeichnete die Stadtverwaltung laut Ritter rund 20 Eingaben, ein guter Teil davon ging nach der Info-Veranstaltung am 11. Juli ein. Vorher sei die Resonanz eher verhalten gewesen.

Ein Teil der Anregungen hat Niederschlag gefunden in dem, was der Ausschuss nun verabschiedet hat. So sollen die Dammstraße, der Gartenweg und der Umweg nicht wie zunächst vorgesehen zum Geltungsbereich der Gestaltungssatzung gehören. Der Grund: Die Bausubstanz dort hat mit der historischen Innenstadt meist nicht viel zu tun. Auch das Krankenhaus und die davor liegende „weiße Villa“ wurden herausgenommen. Letztere ist nach Angaben der Verwaltung ein Prüffall des Denkmalschutzes.

Gestrichen wurde auch eine Vorschrift zur Gliederung von Schaufenstern, die über drei Quadratmeter groß sind, nach historischem Vorbild. Renovierungen an Gewerbeobjekten sollen nicht erschwert werden. Eine weitere Änderung im Entwurf betrifft den Ersatz von historischen Fenstern, Türen und Fensterläden: Aus energetischen Gründen sollen dabei auch Material-Imitate, also etwa Kunststoff, zugelassen sein.

Generell gilt: Wer an seinem Gebäude nichts verändert, hat Bestandsschutz. Interessant wird die Satzung erst, wenn man etwas sanieren will. Steht ein Gebäude unter Denkmalschutz, dann stehen die damit verbundenen Regelungen über der Gestaltungssatzung.

In den Eingaben der Bürger ist durchaus viel grundsätzliche Zustimmung zur Aufstellung einer Gestaltungssatzung zu finden. Mancher Einwender findet die Vorgaben auch zu eng gefasst. Hingewiesen wird aber auch darauf, dass es für manchen Besitzer eine finanzielle Frage werden könnte, unter den Auflagen der Satzung zu renovieren. Dabei wird auch der Ruf nach Zuschüssen laut – wie es sie aktuell ja im Zuge der Städtebauförderung auch gibt. Ritter wies aber auch darauf hin, dass deren Geltungsbereich nicht komplett deckungsgleich mit dem der Gestaltungssatzung ist.

Nach aktueller Planung soll die Satzung bis Ende des Jahres beschlossen werden, vielleicht wird es auch später.

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