Geschenk der gelben Engel

Bärbel Guntermann demonstrierte den Knesebecker Erstklässlern gestern die Funktion ihrer neuen Sicherheitswesten.

Knesebeck - Von Holger Boden . Mit dem Herbst hat am Donnerstag die dunkle Jahreszeit begonnen – und da brauchen gerade die kleinsten Verkehrsteilnehmer mitunter einen Schutzengel. „Kinder verunglücken im Herbst deutlich häufiger als im Sommer“, sagt Reinhard Manlik, Vorsitzender des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. „Deswegen müssen sie früher gesehen werden.“ Dieses Ziel soll mit gelben Sicherheitswesten erreicht werden, die der ADAC nun nach eigenen Angaben an „praktisch jeden Erstklässler“ in Deutschland verteilt – kostenlos. Die Knesebecker Abc-Schützen erhielten gestern ihre Exemplare.

Die ADAC-Stiftung „Gelber Engel“ hat sich mit dem Vorhaben eine finanzielle und logistische Mammutaufgabe gestellt. Da bleiben Fehler nicht aus. In der Kiste, die die stellvertretende Schulleiterin Bärbel Guntermann gestern für die beiden ersten Klassen öffnete, waren sechs Westen zu wenig. Guntermann will die fehlenden Stücke umgehend nachbestellen.

Der ADAC spricht von einem der größten Kinderschutz-Projekte, die es in Deutschland je gegeben hat. Mit den Sicherheitswesten will der Automobil-Club den Schulweg sicherer machen. Wie das funktionieren kann, demonstrierte Guntermann den Knesebecker Schülern gestern Vormittag: Im abgedunkelten Klassenzimmer und bei spärlichem Taschenlampenlicht half die Weste zwar nicht beim Sehen, aber doch ganz erheblich beim Gesehenwerden.

Anlass für die Aktion waren für den ADAC die immer noch alarmierend hohen Zahlen von Unfällen junger Verkehrsteilnehmer. So kamen in Deutschland im Jahr 2009 rund 30 000 Kinder im Straßenverkehr zu Schaden, 90 Kinder unter 15 Jahren starben.

Besonders die Abc-Schützen brauchen viel Rücksicht und Unterstützung: Bei Sechsjährigen ist die Reaktionszeit laut ADAC zwei- bis dreimal so lang wie bei Erwachsenen. Schulanfänger verfügen noch über kein voll entwickeltes Seh- und Hörvermögen, seitlich herannahende Fahrzeuge werden von ihnen nicht sofort wahrgenommen, Geräusche können sie schlechter orten. Da ist es gut, wenn die Kleinen im Verkehr richtig gut auffallen, falls sie doch mal einen Fehler machen. An Autofahrer appelliert der ADAC, stets auf Kinder zu achten und gerade an Schulen vorsichtig zu fahren.

Natürlich wäre es gut, auch ältere Grundschüler und Kindergartenkinder entsprechend auszustatten. Der ADAC sieht das auch so, bittet aber um Verständnis, dass das die Kapazitäten der Aktion gesprengt hätte, die ohnehin nur möglich ist, weil neben den Partnern Deutsche Post und „Ein Herz für Kinder“ zahlreiche Spender mitmachen. Westen für Geschwister werden ab 1. Oktober für 4,95 Euro angeboten (http://www.adac.de).

• Neben Knesebeck bekommen nach ADAC-Angaben die Erstklässler folgender Schulen im Nordkreis die Sicherheitswesten: Grundschule Radenbeck, Grundschule Wittingen, Hermann-Löns-Schule Wittingen, Grundschule Steinhorst, Karl-Söhle-Schule Hankensbüttel, Grundschule Wesendorf, Grundschule Groß Oesingen, Grundschule Wahrenholz.

Wo lauern Gefahren?

Der ADAC sieht auch die Kommunen in der Pflicht, die Voraussetzungen für gefahrlose Schulwege zu schaffen. Das IK will helfen, mögliche Gefahrenpunkte zu identifizieren und fragt seine Leser: Wo sehen Sie echte Schwachstellen in ihren Orten, was macht auf dem Schulweg Probleme, an welcher Straße gibt‘s kein Rüberkommen? Melden Sie sich am besten per Mail unter redaktion.ik@cbeckers.de oder (0 58 31) 2 91 49 22 02.

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