Unterschiedliche Trägerschaft erschwert der Stadt Wittingen Planung aus einem Guss

Gesamtkonzept für Radwege?

Radwege im Wittinger Stadtgebiet: In vielen Fällen ist die Stadt selbst nicht zuständig für einen Bau.
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Radwege im Wittinger Stadtgebiet: In vielen Fällen ist die Stadt selbst nicht zuständig für einen Bau.
  • Holger Boden
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Wittingen. Radwege – ein Wittinger Dauerthema, auch in der dunklen Jahreszeit. Der Stöckener Manfred Dobberstein hat jetzt in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses angeregt, eine Prioritätenliste für Radweg-Projekte im Stadtgebiet auf den Weg zu bringen.

Ein Vorstoß, der reizvoll ist, weil offenkundig viele Begehrlichkeiten bestehen – der aber vermutlich nicht leicht umzusetzen sein dürfte, weil die Zuständigkeiten für den Radwegebau in vielen verschiedenen Händen sind.

Der Stöckener Manfred Dobberstein kämpft seit Jahren für eine bessere Radweg-Anbindung seines Ortes. Nach Norden könnten die Bemühungen bald von Erfolg gekrönt sein. In Richtung Wittingen sieht es an der L 270 bislang schlechter aus.

Anlass für Dobbersteins Anfrage war der Antrag der Gruppe SPD/Schulze, einen Radweg an der K 18 zwischen Wittingen und Kakerbeck anzuschieben, indem die Stadt mit diesem Projekt beim Landkreis Gifhorn vorstellig wird. Der ist nämlich Baulastträger und wäre damit Bauherr eines Radweges an der Verbindung. Der Antrag ging einstimmig durch, allerdings wollte der Ausschuss mehrheitlich nicht die von der SPD angeregte Vorfinanzierung der Stadt mittragen. Eine solche gibt es – anteilig von Wittingen und Hankensbüttel – beim Radwegbau an der K 123 zwischen Knesebeck und Emmen. An der K 109, wo ebenfalls der Landkreis zuständig ist, griff die Stadt für den Radweg sogar tief in die eigene Tasche, weil die Trasse in der Prioritätenliste auf Kreisebene weit abgeschlagen war.

Die Diskussion im Verkehrsausschuss zeigte derweil auch: Bedarf beziehungsweise Interesse an Radwegen gibt es allenthalben im Stadtgebiet. Peter Lindwor (CDU) erinnerte an die Überlegungen für einen Radweg zwischen Boitzenhagen und Ohrdorf, die vor vier Jahren gescheitert seien: „Das sollten wir fairerweise wieder beleben“, meinte der Schneflinger mit Blick auf den Antrag für Kakerbeck.

Matschig: Hier kommt die Fahrradverbindung aus Richtung Stöcken an der Wittinger Nachtweide an.

In diesem Fall geht es um eine Landesstraße. Bauamtsleiter Sascha Liwke berichtete, die Stadt habe die Strecke vor einem Jahr ans Land gemeldet, man sei damit aber „unter ferner liefen gelandet“. Für Liwke ist mit Blick auf eine stadtweite Prio-Liste denn auch die Kernfrage, wie man die Wünsche „gegenüber den übergeordneten Behörden durchsetzen kann“. Klar ist: Bei Landkreis, Land und Bund liegen viele Anträge für neue Radwege, nicht nur aus Wittingen (siehe auch Artikel unten). Die Radwege stets selbst zu bezahlen – wie im Fall Hagen-Knesebeck – wird politisch nicht gewollt und finanziell nicht machbar sein.

Eigene Handlungsspielräume gäbe es bei den Straßen, die der Stadt gehören. Das sind aber meist nicht die für Radfahrer interessanten überörtlichen Verbindungen – oder aber die betreffenden Gemeindestraßen und Wirtschaftswege haben ohnehin schon Radweg-Charakter, weil sie wenig befahren sind.

Dobberstein vermisst derweil nicht nur ein Gesamtkonzept, sondern seit Jahren auch einen Radweg an der L 270 zwischen Stöcken und Wittingen, wie er in Ausschüssen immer wieder deutlich gemacht hat. Den müsste das Land Niedersachsen bauen, die Stadt hat entsprechende Wünsche in Richtung Hannover längst artikuliert. Solange sich nichts tut, weichen die Stöckener laut Dobberstein auf einen Planweg aus, der zum Bahndamm an der Nachtweide führt. Dieser unter städtischer Ägide stehende Weg, so Dobberstein, sei aber „total matschig“. Die Stadtverwaltung sagte zu, sich das mal anzuschauen.

Von Holger Boden

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