Straßenränder im Landkreis Gifhorn leiden unter Kunststoffbelastung

Gemähtes Plastik im Graben

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Bei Mäharbeiten wird auch Plastik geschreddert, hat ein Wittinger Bürger an der L 286 beobachtet.

Wittingen/Landkreis Gifhorn. Was haben die Weltmeere mit den Straßenrändern im Nordkreis gemeinsam? Sie müssen immer mehr zerkleinerte Kunststoffteile absorbieren.

Ein Wittinger Bürger hat jetzt beobachtet, wie bei Mäharbeiten am Wittinger Ortsausgang in Richtung Knesebeck mit dem Grünschnitt auch reichlich Plastikmüll geschreddert wurde – ein Vorgang, von dem zu befürchten steht, dass er alltäglich ist. Denn die zuständigen Behörden schaffen es nicht, sämtlichen Müll aufzusammeln, bevor das Mähfahrzeug kommt.

Henning Schwägermann, Fachbereichsleiter bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, versichert, dass seine Mitarbeiter bemüht sind, die Straßenränder freizuhalten. Doch allein die im Nordkreis zuständige Straßenmeisterei Vorsfelde muss ein Auge auf 500 Kilometer Straßen und Radwege haben – das Müllsammeln wird da zur Sisyphusarbeit.

Laut Schwägermann gibt es eine große Sammlung im Frühjahr, zum Teil auch mit externen Kräften, danach wird nach Bedarf gesäubert. Zweimal pro Jahr werden die Straßenränder gemäht, das gibt zumindest das Budget standardmäßig her. Wenn es nötig ist, gibt es auch drei bis vier Mäh-Gänge. „Jedes Mal explizit das hohe Gras nach Müll zu durchsuchen – das geht nicht“, sagt Schwägermann.

Vor ähnliche Probleme sieht sich der Landkreis Gifhorn gestellt, der sich um 410 Straßenkilometer an Kreisstraßen kümmern muss. „Grundsätzlich stellt die illegale Müllentsorgung von Plastik- und Kunststoffmüll an Kreisstraßen – sowohl aus Sicht des Landkreises als auch der Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei – ein großes Ärgernis mit Blick auf die Umwelt dar“, hält der Erste Kreisrat Dr. Thomas Walter fest.

Auch an den Kreisstraßen gibt es eine Frühjahrssammlung vor der Wachstumsphase. Straßenränder, Bankette und Gräben werden abgesucht. Zum Teil, so Walter, nehme man dabei auch den Müll von Grundstücksnachbarn mit, weil der gegebenenfalls zuvor im Straßenbereich gelegen haben könnte. Die Straßenmeistereien des Landkreises finden bei solchen Aktionen regelmäßig Reifen, Kfz-Felgen, Hausrat, Farbeimer, Elektrogeräte, Bauschutt, Imbisstüten, Flaschen, Getränkedosen, Sammelsteine von Landwirten und vieles mehr.

Wenn bei täglichen Streckenkontrollen größere Mengen Müll auffallen, werden sie vom Streckenwart ebenfalls mitgenommen. „Problematisch“, so Walter, „ist in wenigen Fällen die Wahrnehmung des Mülls, der im hinterem Bereich der Straße liegt, wo teilweise das Gras eine Höhe von 50 Zentimeter bis stellenweise über einen Meter aufweist.“

Deshalb appelliert die Kreisverwaltung an alle Bürger – und insbesondere die Autofahrer – ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen.

Von Holger Boden 

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