Gelbe Blüten kündigen Erstfrühling an

Die Forsythie, auch Frühlings- oder Goldglöckchen genannt, verdankt ihren Namen dem englischen Botaniker Forsyth.

Isenhagener Land. Keine Jahreszeit wird so sehnsüchtig erwartet, ist so oft bedichtet und beschrieben worden, wie der Frühling. Meteorologisch beginnt die schönste Jahreszeit am 1. März, astronomisch am 20. oder 21. März (diesmal am 21. März, 00:21), phänologisch, das heißt nach dem Fortschritt der Vegetation, wenn Licht, Wärme und Wasser für ein kräftiges Pflanzenwachstum ausreichend sind.

Frühlingsgefühle haben wir aber schon viel früher. Der Grund: Mit der steigenden Sonne produziert unser Körper Glückshormone, die für gute Laune und die Lust auf Liebe sorgen. Gab es zum Jahreswechsel nur sieben Stunden Tageslicht, so sind es Anfang März schon elf. Auf den phänologischen Vorfrühling, dessen Beginn Ende Februar mit der Blüte von Schneeglöcken und Haselnuss verbunden ist, folgt der so genannte Erstfrühling. Dafür ist der Forsythienstrauch von Bedeutung. Erst wenn sich seine gelben Blütenkelche öffnen, hat nach Feststellung des Deutschen Wetterdienstes der sogenannte Erstfrühling auch amtlich begonnen.

Natürlich ist die Aufblühzeit von der geographischen Breite und der Höhenlage abhängig. Dabei schreitet die Blütenfront mit der jahreszeitlichen Erwärmung von Südwest nach Nordost fort. So entfaltet sich die gelbe Pracht am baden-württembergischen Kaiserstuhl zuerst, auf Rügen zuletzt. Je nach Vorwitterung und den regionalen Gegebenheiten kann der Beginn der Blüte bis zu zwei Monate variieren.

Die Forsythie, auch Frühlings- oder Goldglöckchen genannt, verdankt ihren Namen dem englischen Botaniker Forsyth. Das zu den Ölblattgewächsen gehörende Gehölz stammt ursprünglich aus Südostasien. Alle Arten sind anspruchslos und bevorzugen sonnige Standorte, an denen sie jedes Jahr regelmäßig blühen. Die in Deutschland beliebtesten Arten sind Forsythia suspensa und Forsythia viridissima.

Für Hamburg existiert seit 1945 ein „Forsythenkalender“. Jahr für Jahr notiert ein ehrenamtlicher Beobachter des Deutschen Wetterdienstes an drei Sträuchern im Bereich der Lombartsbrücke an der Binnenalster, wann sich die gelben Knospen entfalten. Aus der nunmehr 65-jährigen Beobachtungsreihe lassen sich nicht nur Rückschlüsse auf die Strenge des vorangegangenen Winters ziehen, sondern auch längerfristige Klimatrends ablesen.

So fallen die frühen Februar-Aufblühtermine fast ausschließlich in die sehr milden Jahre seit 1988, in denen bis auf 1995/96 keinen Eiswinter mehr gab. Dagegen lassen sich die späten Apriltermine im Wesentlichen den vielen bitterkalten Winter zwischen 1945 und 1970 zuordnen.

Die zeitigste Forsythenblüte seit Kriegsende wurde in der Hansestadt am 15. Februar 2002 beobachtet, die späteste am 25. April 1970, nach einem extrem eisigen Winter mit dem kältesten Dezember des Jahrhunderts. Im Durchschnitt beginnen die Forsythien an der Alster am 23. März zu blühen. Nach dem relativ kalten Winter im letzten Jahr, war es der 31. März. Im Vergleich zu Hamburg sind die Winter im nordöstlichen Niedersachsen etwas kälter, sodass die Blüte im Isenhagener Land etwa ein bis zwei Tage später einsetzt. Auf den Erstfrühling folgt der Vollfrühling.

Er startet rund 2000 Kilometer von uns entfernt an der Algarve, dem portugiesischen Südbalkon. Bereits Anfang Februar stehen hier die Orangen- und Mandelbäume in voller Blüte und bei Tagestemperaturen um 20 Grad kommen Sonnenanbeter schon richtig auf ihre Kosten. Von dort kommt der Vollfrühling täglich etwa 30 Kilometer nach Nordosten voran. Zwischen Mitte und Ende April erreicht er mit dem Einsetzen der Apfelblüte das nordöstliche Niedersachsen.

Von Reinhard Zakrzewski

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