Ehemaliger Knesebecker Alexander Supady engagiert sich für Flüchtlingsrettung im Mittelmeer

Gegen Verzweiflung und Tod

Erschöpfte Flüchtlinge auf einem Rettungsschiff: Bilder wie diese bewegen Alexander Supady und seine Mitstreiter zu weiterem Engagement im Mittelmeer.
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Erschöpfte Flüchtlinge auf einem Rettungsschiff: Bilder wie diese bewegen Alexander Supady und seine Mitstreiter zu weiterem Engagement im Mittelmeer.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Knesebeck/Hamburg/Freiburg. Überfüllte Nussschalen, gekenterte Schlauchboote, angespülte Schwimmwesten: Die Bilder vom seit Jahren anhaltenden Flüchtlingsdrama kennt jeder.

Alexander Supady hat bei einem Rettungseinsatz im Mittelmeer mitgewirkt und will mit RESQSHIP weitere Hilfe leisten.

Der aus Knesebeck stammende Arzt Alexander Supady setzt sich jetzt dafür ein, dass Flüchtlinge aus Seenot gerettet werden. Er ist eines der sieben Gründungsmitglieder des Vereins RESQSHIP, der im Juni mit Sitz in Hamburg und Außenstellen in Bochum und Freiburg – wo Supady praktiziert – gegründet wurde. Der ehemalige Knesebecker ist Vorsitzender des Vereins, dessen Name ein Wortspiel mit dem englischen Begriff „rescue ship“ (Rettungsschiff) ist. Supady hatte sich vor knapp einem Jahr an einem Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer beteiligt, bei dem nach seinen Angaben mehr als 2000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet wurden. Seither habe sich die Lage vor der libyschen Küste stark verschlechtert, weil die Küstenwache des nordafrikanischen Landes Rettungseinsätze be- und verhindere und dabei auch Waffen gegen Retter und Flüchtende einsetze. Das Risiko des Ertrinkens steige damit für die Flüchtlinge. Einige Organisationen hätten ihre Hilfseinsätze ausgesetzt oder beendet.

„Deshalb habe ich mich mit Freunden zusammengetan und den Verein RESQSHIP gegründet“, sagt Supady. Das Ziel sei es, „verzweifelte Menschen vor dem Tod zu retten“ und verbliebene Organisationen zu unterstützen.

Hilfe für Menschen in völlig überfüllten Booten: Solche Einsätze im Mittelmeer will auch der Verein RESQSHIP leisten.

Neben den sieben Gründern zählt Supady etwa 70 Mitstreiter zum Team des Vereins: Seeleute, Techniker, Ärzte, Journalisten, Krankenpfleger, Rettungsassistenten. „Ich arbeite als Kardiologe am Universitäts-Herzzentrum in Freiburg“, erzählt der einstige Knesebecker, „und wir erhalten von dort ebenfalls Unterstützung.“ Der Verein hoffe auf weitere Freiwillige, die sich ihm anschließen, sowie auf finanzielle Unterstützung. Supady: „Für den Kauf eines Schiffes benötigen wir etwa 200 000 Euro.“ Laufende Kosten für Treibstoff, medizinische Versorgung und Verpflegung der Geretteten summierten sich auf rund 40 000 Euro pro Monat. RESQSHIP plant zwei- bis dreiwöchige Einsätze mit 15-köpfigen Crews vor Libyen. Supady verhehlt nicht, dass das für die Teams belastende Erlebnisse mit sich bringen kann: „Bei dem Einsatz im vergangenen Oktober musste ich hilflos zuschauen, als Menschen vor meinen Augen ertrunken sind. Und wir mussten Leichen aus Booten bergen – die Menschen sind auf den eng besetzen Booten erdrückt worden oder sie sind erstickt.“ Um die Freiwilligen bestmöglich zu unterstützen, arbeite der Verein mit Psychologen und Psychotherapeuten zusammen.

Supady ist sich der Tatsache bewusst, dass private Rettungsorganisationen in die Kritik geraten sind, weil einigen vorgeworfen wird, mit Schleppern zu kooperieren. Ihm sind solche Vorgänge nicht bekannt, wie er sagt – Hilfsorganisationen hätten auch überhaupt kein Interesse daran, mit Schleppern zusammenzuarbeiten.

Weitere Informationen über RESQSHIP: www.resqship.org, info@resqship.org.

Von Holger Boden

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