75 Besucher bei Trauerfeier für toten Säugling in Knesebeck

Gebet für eine kleine Seele

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Der Moment, bevor der kleine Sarg hinuntergelassen wird: Pastorin Christina vom Brocke (l.) fand bewegende Worte für den Säugling, der am 4. März tot bei Knesebeck gefunden wurde.

Knesebeck. Weiße Blumen, Kerzen, ein weißer Engel, ein kleiner Spielzeughase. Dazwischen, auf einem Tisch, ein Sarg. Vielleicht einen halben Meter lang, vielleicht ein wenig länger. Särge sollten nicht so klein sein.

Die Szenerie gestern Mittag in der Knesebecker Friedhofskapelle ist schlicht. Rund 75 Besucher wohnen der Trauerfeier für den toten Säugling bei, der am 4. März südlich von Knesebeck auf einem Haufen aus Grünabfällen gefunden wurde. Mancher hat ein Gesteck dabei und legt es nach dem Eintreten vor dem kleinen Sarg ab. Viele Gäste gehören zur älteren Generation. Auch aus umliegenden Orten sind Menschen gekommen, die berührt sind von dem Schicksal des Babys, das nun in Knesebeck seine letzte Ruhe findet.

Würdige Trauer-Dekoration in der Kapelle.

Kirchenglocken aus der Ferne, dann setzt die elektrische Orgel ein. „Dieses Kind hat eine kurze Geschichte auf dieser Erde gehabt“, sagt Pastorin Christina vom Brocke in ihrer Trauerrede. „Wir geben ihm einen Platz auf unserem Friedhof und in unseren Herzen.“ Die Geistliche stellt erneut einen Bezug zu dem Libellen-Gemälde von Natascha Engst-Wrede her, das schon die Trauerfeier am Samstag begleitet hat, den toten Säugling nennt sie „ein Engelskind“. Im abschließenden Gebet formuliert vom Brocke: „Guter Gott, nimm diese kleine Seele in deine Welt auf.“

Draußen am Grab ist die Betroffenheit greifbar. Teddys von der Fundstelle schmücken die Grabstelle – da haben viele Besucher einen Kloß im Hals. Auch Friedrich-Wilhelm Kirchhoff, einer der vier Finder des Babys, ist gekommen: „Das ist alles sehr ergreifend“, sagt er, „ich bin froh, dass es heute einen Abschluss gibt.“ Seit dem Fund-Tag habe die Sache ihn kaum losgelassen.

Auch vom Brocke berichtet, die letzten Tage seien im Ort emotional sehr fordernd gewesen. „Bei einigen Menschen sind durch diesen Vorfall alte Wunden wieder aufgerissen.“ Die Pastorin ist daher dieser Tage insbesondere als Seelsorgerin gefragt.

Auch Ermittler der Gifhorner Kripo sind gestern auf dem Knese-becker Friedhof. Neue Erkenntnisse zu Angehörigen gibt es laut Polizeisprecher Thomas Reuter noch nicht. Pastorin vom Brocke schließt die Eltern des Säuglings bei der Trauerfeier in ihre Gedanken ein: „Wir sind aufgestanden für Würde – und um zu bedenken, wie es der Mutter gegangen sein mag.“

Von Holger Boden

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