Lührs zu Knesebeck: „Das geht irgendwie nicht“/ Ebel: „Versorgung durchaus sichergestellt“

FWG-Kritik an Sparkassen-Plänen

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In Knesebeck und Groß Oesingen gibt es bald nur noch Automaten. Die Sparkasse wandelt die Örtlichkeiten in SB-Filialen um.

Wittingen/Knesebeck. In der Stadt Wittingen regt sich Widerstand gegen die Pläne der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg zur Umstrukturierung ihres Filialnetzes. Die Umwandlung der Knesebecker Zweigstelle in eine SB-Filiale, geplant für den 1. November, stößt auf Kritik bei der FWG.

„Eine Selbstbedienungsfiliale für fast 3000 Einwohner? Das geht irgendwie nicht“, findet FWG-Ratsherr Friedrich Lührs. In einem so großen Ort müsse eine Bank einen Ansprechpartner in der Filiale bieten.

Friedrich Lührs.

Lührs argumentiert vor allem mit der kommunalen Trägerschaft. Der Landkreis Gifhorn ist zu 60 Prozent am Sparkassenzweckverband Gifhorn-Wolfsburg beteiligt, die Stadt Wolfsburg zu 40 Prozent. Da gebe es eine kommunale Verantwortung für den Versorgungsanspruch der Kunden. Der Rumstorfer FWG-Politiker glaubt, dass viele, gerade ältere Bürger im Nordkreis in einer SB-Filiale ohne Ansprechpartner aufgeschmissen sind: „Die können diese Automaten nicht bedienen.“ Die verstärkte Online-Nutzung von Bank-Dienstleistungen treffe eben nur auf einen Teil der Kunden zu.

Lührs gibt an, in dieser Sache zunächst für die Wittinger FWG zu sprechen – er habe das Anliegen aber auch in seine FDP-Kreistagsfraktion und deren Gruppe mit den Unabhängigen getragen. Im Kreistag könne man gegebenenfalls direkten Einfluss auf den Sparkassenzweckverband nehmen.

Heinz-Ulrich Kabrodt.

Bei Knesebecks Ortsbürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt ist die Nachricht von der Umwandlung der Sparkassen-Filiale in eine SB-Zweigstelle auch nicht gut angekommen. „Sehr traurig“, finde er diese Entscheidung. Kabrodt hatte für gestern Abend einen Termin in der Sparkassen-Zentrale in Gifhorn vereinbart – gemeinsam mit Stadtbürgermeister Karl Ridder wolle er dort noch einmal für die Knesebecker Interessen werben, sagte er dem IK.

Gerhard Döpkens.

Der Vorsitzende des Vorstands der Sparkasse, Gerhard Döpkens, hatte sich schon Freitagabend bei der Verkündung der geplanten Veränderungen keine Illusionen gemacht, dass das Vorhabenpaket kritiklos aufgenommen wird. Die zentrale Herausforderung der nächsten Jahre sei aber die von der Digitalisierung geprägte Änderung des Kundenverhaltens. Döpkens führte an, dass ein Kunde schon 2015 im Durchschnitt nur einmal pro Jahr eine Filiale für ein Gespräch aufgesucht, im gleichen Zeitraum aber 120 Mal die Website der Sparkasse besucht habe. Dieser Trend habe sich seither sicher noch verstärkt. Deshalb künftig weniger Filialen und mehr digitaler Service sowie ein Telefon-Center.

Dr. Andreas Ebel.

Gifhorns Landrat Dr. Andreas Ebel ist Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg. In diesem Gremium sitzen auch Wolfsburgs Bürgermeister Klaus Mohrs, Politiker aus dem Gifhorner Kreistag und dem Wolfsburger Stadtrat sowie Arbeitnehmervertreter. Ebel sagt, aus Sicht der Politik „war es wichtig, dass der Auftrag, Geldversorgung und andere Leistungen flächendeckend anzubieten, auch weiterhin erfüllt wird“. Mitunter seien auch noch weitergehende Pläne vorgestellt worden, und man habe nun, mit Blick auf geändertes Kundenverhalten und das wirtschaftliche Spannungsfeld, in dem Banken sich bewegen, sicher den bestmöglichen Kompromiss erreicht. „Uns war auch das Angebot eines Bringservice für nicht so mobile Menschen wichtig.“

Im Landkreis Gifhorn wird es zu einer Filialschließung in Gifhorn sowie fünf Umwandlungen von Zweigstellen in SB-Filialen kommen (Knesebeck, Groß Oesingen, Gifhorn-Schillerplatz, Jembke, Calberlah). 18 Filialen mit Personal bleiben erhalten. „Ich sehe die Versorgung durchaus sichergestellt“, sagt Ebel. „Andere Sparkassen haben radikalere Einschnitte umgesetzt.“

Von Holger Boden

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