Mit Tempo 20 durch die Wittinger Innenstadt – wahrscheinlich jetzt schon weitgehend Realität

„Für Schritt-Tempo geplant“

Baustelle für die Wittinger Politik: Darf die Spielstraße in der Innenstadt durch eine Tempo-20-Zone ersetzt werden? Foto: Boden

Wittingen. Mit Tempo 20 durch die Wittinger Innenstadt – wahrscheinlich jetzt schon weitgehend Realität, bald aber auch offiziell erlaubt. Zumindest, wenn es nach dem Landkreis Gifhorn geht. Der will nach der jüngsten Verkehrsschau seine bereits vor zwei jahren getroffene Anordnung nun endlich durchgesetzt wissen (das IK berichtete).

Ein Ultimatum gibt es dabei für die Stadt allerdings nicht. „Baldmöglichst“, so die Gifhorner Verkehrsamts-Leiterin Marlene Dannheim-Mertens, sollen die Schilder ausgetauscht werden. Ein dehnbarer Begriff, und weil gerade die Sommerpause naht, wird es wohl mindestens Herbst werden, bis die Spielstraße in der Innenstadt Geschichte ist.

Denn zuvor soll auch die Wittinger Politik noch einmal über das Protokoll der Verkehrsschau beraten und eine Stellungnahme dazu abgeben können. Das ist eine Auswirkung des neuen Stils, den der Landkreis nach dem Ärger im Zuge des Schilderstreits in die Diskussion über Verkehrsthemen bringen will. Anders als früher, so Dannheim-Mertens, „ist das Protokoll nicht gleich mit einer Anordnung verbunden“.

Vor zwei Jahren war die Gegenwehr groß, seitens der Stadt wollte man unbedingt die Spielstraße und damit eine möglichst verkehrsberuhigte Zone erhalten. Und dieses Mal? Ortsbürgermeister Wolfgang Trautmann (SPD), vom IK nach der Marschrichtung seiner Fraktion befragt, hat sich mit den Ergebnissen der Verkehrsschau vor knapp zwei Wochen „noch gar nicht befasst“. In der CDU-Fraktion sieht es ähnlich aus, Wolf-Ingo Bellin will aber jedenfalls eine Forderung erfüllt wissen: „Das Limit muss dann auch durchgesetzt werden. Es wird ja immer schneller gefahren als erlaubt.“

Aus der FWG heißt es ebenfalls, man müsse sich in der Fraktion erst noch eine Meinung bilden. Für Friedrich O. Winkelmann ist aber klar, dass Tempo 20 nicht zum Ausbauzustand der Wittinger Innenstadt passt: „Wir haben damals für Schritt-Tempo geplant.“ Ohne Bordsteinkanten müsse der Fußgänger Vorrang haben – das sei bei 20 Stundenkilometern nicht mehr gegeben.

Dass der Landkreis die höhere Geschwindigkeit will, liegt – kurz gefasst – daran, dass eine Spielstraße dem Gesetz nach nicht zu der ausgewiesenen Parkzone und zu der Ausbauart der Parkflächen passt. Die Stadt könne sich auch für Umbaumaßnahmen entscheiden, sagt Dannheim-Mertens, das sei aber wahrscheinlich die teurere Variante. Für den Landkreis sei wichtig, dass die neue Lösung „rechtskonform ist“.

Das künftig in der Innenstadt wesentlich schneller als 20 gefahren wird, glaubt die Verkehrsamtsleiterin nicht: „Mehr Tempo gibt die Streckenführung nicht her.“ An die Polizei werde man die Bitte richten, die Einhaltung des neuen Limits zu überprüfen.

Von Holger Boden

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