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Frust über fehlendes Breitband - Anschlüsse „bis Ende Februar“

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Von: Holger Boden, Hans-Jürgen Ollech

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Christoph Backmeister (v.l.), Eveline Litzenberg, Peter Lindwor, Dorit Ziegenbein, Judith Bartels und Gerd Sprenger aus Boitzenhagen und Schneflingen sitzen im Schneflinger Dorfkrug an einem Tisch und sprechen über ihren Giffinet-Ärger.
Verbitterung bei Christoph Backmeister (v.l.), Eveline Litzenberg, Peter Lindwor, Dorit Ziegenbein, Judith Bartels und Gerd Sprenger aus Boitzenhagen und Schneflingen – sie warten noch immer auf ihren Giffinet-Anschluss. © Hans-Jürgen Ollech

Schneflingen/Boitzenhagen – Es sei „schlicht eine Katastrophe“, wie man mit ihnen in Sachen schnelles Internet umgehe – das betonen im IK-Gespräch mehrere Bürger und Bürgerinnen aus Schneflingen und Boitzenhagen. Im Schneflinger Dorfkrug erklären Eveline Litzenberg, Dorit Ziegenbein, Judith Bartels, Gerd Sprenger, Peter Lindwor und Christoph Backmeister, warum sie mittlerweile stinksauer sind. Auf den Landkreis Gifhorn und auf Giffinet, weil sie zum Teil nach fast vier Jahren immer noch keinen Breitbandanschluss haben.

Die ersten Haushalte konnten sich im Frühjahr 2019 für einen Giffinet-Vertrag entscheiden. Dorit Ziegenbein moniert, dass bei ihr bis heute kein Anschluss verlegt wurde. Sauer ist die Schneflingerin auf Giffinet, weil sie das Unternehmen weder per Telefon noch per E-Mail erreichen könne.

Auch auf den Landkreis Gifhorn sind die Bürger, die auf ihr Breitband warten, nicht gut zu sprechen. Ihr Eindruck: Der Auftraggeber kümmert sich nicht um die Sache. Gerd Sprenger berichtet von der Erfahrung, auch beim Landkreis keinen konkreten Ansprechpartner zu finden und immer wieder von der einen zu einer anderen Person verwiesen zu werden, die jedoch nicht in die Sache involviert seien. Christoph Backmeister meint, dass Giffinet sich nicht mehr rühre.

Zum Teil wurden die sogenannten Medienwandler bis ins Haus verlegt. „Und dann war Schluss“, erzählt Eveline Litzenberg aus Boitzenhagen. Immer wieder würden sich andere Leute bei ihr anmelden und wenn sie darauf warte, komme niemand. Judith Bartels aus Schneflingen rechnet vor, dass es von den 28 Haushalten im Ort gerade mal sieben Haushalte gebe, die einen Breitbandanschluss bekommen haben, der offenbar auch funktioniere. „Meine Kinder, die zur Schule gehen, fragen mich schon immer wieder, ob wohl der Weihnachtsmann uns Giffinet unter den Weihnachtsbaum legen wird“, sagt Bartels.

Auch Peter Lindwor fragt sich, warum sich der Landkreis nicht um die Belange der Bürger kümmere – habe man doch vor knapp vier Jahren mit Hochdruck dafür geworben, dass das schnelle Internet auch hierher kommt.

Die Bürgerinnen und Bürger machen an diesem Abend im Schneflinger Dorfkrug deutlich: Sie wollen notfalls auch juristisch gegen den Auftraggeber und den Netzbetreiber vorgehen, wenn sich nicht schnellstens grundlegend etwas tut.

Auf IK-Anfrage macht Landrat Tobias Heilmann deutlich: „Ich kann den Unmut der Bürgerinnen und Bürger sehr gut nachvollziehen, da auch ich mit der Situation nicht zufrieden bin.“ Der Chef der Kreisverwaltung berichtet von „erneuten Gesprächen mit der net services“, an denen er als Landrat teilgenommen habe: Demnach „sollen nun alle noch ausstehenden Anschlüsse des Vermarktungsgebietes 1 im ersten Quartal 2023 am Netz sein“. Dabei seien auch die Lieferung des Routers und die Zusendung der Zugangsdaten inbegriffen.

Heilmann berichtet zudem, net services habe ihm „persönlich versichert, dass die noch fehlenden Anschlüsse bis Ende des ersten Quartals am Netz sind.“ Allerdings bitte er um Verständnis dafür, dass „zu ganzen Ortschaften oder Straßenzügen keine pauschale Antwort gegeben werden kann, da hierfür eine Einzelprüfung der Adressen erforderlich ist“.

Die verärgerten Schneflinger und Boitzenhagener sollen derweil in diesen Tagen konkrete Infos bekommen: „Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden die uns bekannten betroffenen Bürgerinnen und Bürger aus Boitzenhagen und Schneflingen noch vor Weihnachten anrufen und ihnen eine einzelfallbezogene Aussage zu ihren Anschlüssen geben“, erklärt Heilmann.

Darüber hinaus stehe das Breitbandteam des Landkreises „jederzeit gern zur Verfügung“, so Heilmann. Zwischen den Feiertagen sei nur eine telefonische Grunderreichbarkeit sichergestellt, daher solle man die zuständigen Mitarbeitenden in diesem Zeitraum per E-Mail kontaktieren.

Inga Lassen, Prokuristin bei net services, gab auf IK-Anfrage folgende Stellungnahme ab: „Natürlich haben wir Verständnis für den Unmut der Bürger. Es ist auch in unserem Sinne, alle Kunden anzuschließen. Leider gibt es nach wie vor Anschlüsse aus dem ersten Vermarktungsgebiet der weißen Flecken, die nicht funktionsfähig errichtet worden sind. Laut aktuellem Plan sollen alle nicht funktionsfähigen Anschlüsse bis Ende Februar 2023 funktionsfähig sein. Wir werden diese sobald möglich mit höchster Priorität in den Anschaltprozess aufnehmen. Betroffene Kunden werden informiert.“

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