Team um Sibylle Heinrichs arbeitet an Weihnachten im Krankenhaus Wittingen

Frühschicht statt Feiertage

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Kristin Scheffel (links), Stationsleiterin im Krankenhaus Wittingen, und ihre Stellvertreterin Sibylle Heinrichs arbeiten über die Feiertage. Heinrichs hat an Weihnachten Dienst, ihre Kollegin ist für Silvester und Neujahr eingeteilt.

Wittingen. Ein leuchtend roter Strohstern, Nikolausfiguren aus Ton und ein Weihnachtsbaum: Der Empfangsbereich im ersten Stock des Wittinger Krankenhauses ist festlich geschmückt.

Doch von der besinnlichen Stimmung wird Sibylle Heinrichs, stellvertretende Stationsleiterin für den Pflegebereich, wohl nicht viel mitbekommen. Sie hat, ebenso wie einige Kolleginnen, heute und an den beiden Feiertagen Dienst auf der Station. „Weihnachtsfeeling kommt da gar nicht auf. Erst wenn man nach Dienstschluss das Krankenhaus verlässt, denkt man dran“, weiß Sibylle Heinrichs.

Sie ist heute für den Spätdienst von 14 bis 22.30 Uhr eingeteilt. Morgen und am Montag arbeitet sie in der Frühschicht von 6 bis 14.30 Uhr. Doch für die stellvertretende Stationsleiterin ist das nichts Ungewöhnliches. „Letztes Jahr habe ich an Silvester gearbeitet, diesmal ist Weihnachten dran. Das ist eben so“, sagt Sybille Heinrichs. Als sie ihren Beruf erlernte, wusste sie schon, dass Feiertagsdienste die Regel sind. „Klar ist das nicht schön, aber es gehört dazu“, erklärt sie. Und Christine Wagner, Geschäftsführerin des Krankenhauses Wittingen, ergänzt schmunzelnd: „Wir können ja kein Schild mit der Aufschrift ,Heute Betriebsferien‘ vor die Tür hängen.“

Gerade an Weihnachten ist auf der Station meist eine Menge zu tun – es gibt viele Notaufnahmen. „An diesen Tagen treten vermehrt akute Verstopfungen und Probleme mit Galle, Magen und Darm auf“, weiß Stationsleiterin Kristin Scheffel. Fetter Gänsebraten und der übermäßige Genuss von Schokolade fordern eben manchmal ihren Tribut, erklärt sie.

Scheffel hat an Weihnachten frei, muss dafür aber an Silvester und Neujahr ran. Dann sind die Notfälle in der Regel anders gelagert: Verletzungen durch Feuerwerkskörper und die Folgen alkoholbedingter Auseinandersetzungen müssen behandelt werden. Deshalb wünscht sich Kristin Scheffel, dass die Arbeit von Ärzten und Pflegepersonal in der Öffentlichkeit mehr Wertschätzung erfährt.

Eine Weihnachtsfeier auf der Station ist nicht geplant. „Wir wollen uns mit den Kollegen mal eine halbe Stunde auf eine Tasse Kaffee zusammenzusetzen. Aber man weiß nie, wie groß das Arbeitsaufkommen wird und ob wir dafür Zeit haben“, sagt Sibylle Heinrichs. Dafür erhält jeder Patient an Weihnachten ein kleines Geschenk von der Station. „Und es gibt für alle ein besonderes Weihnachtsessen. Diesmal ist es Ente“, verrät Kristin Scheffel.

Das Ziel sei, den Patienten den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Denn die Festtage im Krankenhaus verbringen zu müssen, sei natürlich nicht schön. „Über Weihnachten sind die Patienten viel emotionaler“, hat die Stationsleiterin festgestellt. „Da muss man sie manchmal trösten und in den Arm nehmen.“

Ganz auf Weihnachten verzichten wird Sibylle Heinrichs jedoch nicht. Wenn sie heute gegen 22.45 Uhr nach Hause kommt, schauen ihre beiden Kinder – 27 und 29 Jahre alt – vorbei. „Dann gibt‘s eine Mitternachtsbescherung“, sagt Heinrichs. Auf den freien Silvestertag freut sie sich schon: „Wir werden schön mit Freunden feiern – mit Feuerzangenbowle.“

Von Bernd Schossadowski

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