Neue Wittinger Windräder: Mutmaßungen über Testgelände / Anlagen wohl 180 Meter hoch

Flächen mit vielen Fragezeichen

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Wittingen. Mehr und vielleicht höhere Windräder bei Stöcken und Ohrdorf, dazu potenzielle neue Flächen südlich von Knesebeck sowie bei Schneflingen oder Boitzenhagen –

das ist für alle, die sich vor allem für die künftigen Standorte neuer Windkraftanlagen im Wittinger Stadtgebiet, das wesentliche Ergebnis der Wirtschaftsausschuss-Sitzung vom Donnerstagabend (das IK berichtete). Allerdings: Vor allem hinter den neuen Potenzialgebieten stehen noch viele Fragezeichen.

Es war eine denkwürdige Ausschuss-Sitzung. 130 Zuhörer, das ist vermutlich Rekord. Der Ausschussvorsitzende Uwe Hoppmann (CDU) war denn auch „schwer beeindruckt“. Neben dem Wirtschaftsausschuss waren auch die Mitglieder des Bauausschusses zugegen. Wie sehr das Interesse der Besucher der Windkraft galt, zeigte sich, als der Tagesordnungspunkt nach über zwei Stunden abgehakt war: Aus 130 Zuhörern – die zum Teil auch aus Nachbarkommunen kamen – wurden ganz schnell nur noch 8.

Damit ist also ein Jahr eingeläutet, das in Wittingen von der Wind-Diskussion dominiert werden dürfte. Regionalplaner Jens Palandt vom Zweckverband Großraum Braunschweig betonte in der Sitzung, die fast eine Stunde lang für Einwohnerfragen geöffnet wurde, mehr als einmal, dass das vorgestellte Flächen-Szenario sich noch ändern könne.

Dabei stellt sich vor allem die Frage: Welche Standorte werden sich gegenseitig ausschließen? Das können Flächen innerhalb des Stadtgebietes sein, wenn sie dichter als 5 Kilometer aneinander liegen, der Blick muss aber auch über kommunale Grenzen hinweg gehen. So könnten sich Planungen der Stadt Wittingen und der Samtgemeinde Brome Konkurrenz machen. Der ZGB will den notwendigen interkommunalen Dialog moderieren.

Eine spannende Frage scheint auch zu sein, ob VW Interesse hat, auf seinem Testgelände Windkraftanlagen aufzustellen. Palandt betonte gegenüber dem Wirtschaftsausschuss, es gebe in dieser Frage bisher nur Mutmaßungen, man wolle aber „diese Eventualität im Meinungsbildungsprozess berücksichtigen“. Windräder auf dem Testgelände könnten ebenfalls Ausschlusskriterium für andere Standorte sein – oder umgekehrt.

Denkbar ist laut Palandt auch, dass in sehr gut begründeten Einzelfällen von der 5-Kilometer-Regel abgewichen wird. Es gebe allerdings kein Interesse, diese Regel, die sich im ZGB-Gebiet bewährt habe, generell aufzuweichen. Das gelte auch für den Mindestabstand von 1000 Metern zu geschlossener Bebauung. Wo Altstandorte dichter an Dörfern stehen, gebe es allerdings Bestandsschutz für die Anlagen. Die Höhen der neuen Windräder, für die frühestens 2013 Baurecht erwartet wird, dürften nach Einschätzung des ZGB bei 180 Metern liegen.

Landwirten empfahl Palandt „Zurückhaltung“ beim Abschließen von Vorverträgen. Bis zu einem konkreten Ergebnis könne möglicherweise noch ein Jahr ins Land gehen. Mit Projektentwicklern habe der ZGB nichts zu tun, man sei dem Allgemeinwohl verpflichtet.

Bürgerwindparks könnten, so Palandt, einen gewissen Ausgleich von Lasten und Nutzen bringen. Kommunen könnten von der Wertschöpfung einer dezentraleren Energieversorgung profitieren. Palandt sagte aber auch ganz deutlich: „Diese Wertschöpfung in den Raum zu holen, bedeutet auch eine Belastung der Landschaft.“

Die will der ZGB mit seinen Abstandskriterien minimieren, demselben Ziel dient auch die bisher schon praktizierte Bündelung. Einzelanlagen sollen keine Chance haben, in der Regel soll ein Windpark etwa 50 Hektar groß sein und fünf bis acht Windrädern Platz bieten. Allerdings könne es im ZGB-Gebiet in Ausnahmefällen auch mal bis zu 40 Windräder pro Park geben.

34 Standorte im Verbandsgebiet leisten derzeit bis zu 570 Megawatt. Das Ziel, das der ZGB im Zuge der Energiewende erreichen soll: 1400 Megawatt. Das Repowering allein reiche da nicht. Palandt: „Wir brauchen neue Flächen.“

Der Wirtschaftsausschuss signalisierte am Ende mit seiner Empfehlung, dass die Stadt einen „sinnvollen Ausbau der Windkraft aus Basis des ZGB-Vorschlags“ wünscht. Bei dem Votum gab es eine Gegenstimme von Knesebecks Ortsbürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt.

Von Holger Boden

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