Reihenfolge ohne Reihenfolge

Feuerwehrgerätehäuser: Viel Handlungsbedarf – und viele Unklarheiten

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Größere Fahrzeuge, mehr Mitglieder, kein Platz oder in die Jahre gekommene Bausubstanz: Vielerorts im Stadtgebiet gibt es Handlungsbedarf, weil es in Gerätehäusern eng wird oder die Gebäude einen veralteten Standard aufweisen.

Wittingen – Der Sanierungs- oder Neubaubedarf bei den Feuerwehrgerätehäusern stellt die Stadt Wittingen in nächster Zeit offenkundig vor eine finanzielle und organisatorische Herkulesaufgabe.

Der Diskussion im Feuerschutzausschuss am Montagabend im Rathaus war anzumerken: Die Politik will keiner Ortswehr das Gefühl geben, sich hinten anstellen zu müssen – deshalb tut man sich mit einer Priorisierung der Aufgaben derzeit schwer.

Das liegt auch daran, dass mit dem 2016 einstimmig verabschiedeten Feuerwehrbedarfsplan eigentlich ein Sanierungsfahrplan für mehrere Jahre verbunden ist. Doch die Stadtpolitik hatte zwischenzeitlich neue Dringlichkeiten gesehen – und per Ausschussvotum vom April 2018 die Gerätehaus-Projekte in eine neue Reihenfolge gebracht. Die lautet, wie der Ausschussvorsitzende Hermann Lahmann (CDU) am Montag betonte: Knesebeck, Wittingen, Vorhop.

Das widerspricht dem Bedarfsplan, und diesen gordischen Knoten konnte der Ausschuss in seiner Haushaltsdebatte nicht durchschlagen. Zumal Jörg Bialas für die SPD den Antrag stellte, einen Vorhoper Neubau mit Planungskosten im Etat zu verankern. Es stehe schließlich im Bedarfsplan. Bialas’ Befürchtung: Kümmere man sich nach dem Knesebecker Neubau (der als angeschoben gilt) tatsächlich zuerst um das Wittinger Großprojekt, dann lande Vorhop „auf der langen Bank“.

Handlungsbedarf sah der Ausschuss in allen Fällen. Walter Schulze (Ohrdorf, CDU) betonte aber die Rolle der Stützpunkt- und Schwerpunktwehren – was für ein zeitliches Vorziehen Wittingens spreche. Dort fehlt es an Platz, wie Stadtbrandmeister Heinrich Kruse noch einmal erläuterte, zudem gilt die Unterbringung der Fahrzeuge als problematisch.

Klaus Palluck (FWG) wollte den Fokus dagegen eher auf die Sicherheitsaspekte gelegt wissen, die in Vorhop kritisch gesehen werden: „Wir haben alle einen Plan abgesegnet – Vorhop ist dran.“ Vorher auf Klarheit beim Wittinger Vorhaben zu warten, werde zu lange dauern. Schulze sah derweil noch ähnlich viel Unklarheit in Vorhop. Bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen aus der CDU wurden von SPD und FWG 20.000 Euro Planungskosten für Vorhop durchgesetzt.

Der Vorschlag der CDU, gleichzeitig Grunderwerbskosten in Höhe von 250 000 Euro für die Feuerwehr Wittingen einzustellen, wurde mit den vier Stimmen von SPD und FWG abgelehnt. In deren Reihen sah man den Posten als „Schuss ins Blaue“ (Palluck), weil die Planungen nicht weit genug gediehen seien. Der Hintergrund sind auch Überlegungen für einen Erwerb von LSW-Immobilien, die neben dem jetzigen Gerätehaus liegen – es gibt aber noch keine Beschlussreife in dieser Hinsicht und keine Standort-Entscheidung. Der designierte Stadtbürgermeister Andreas Ritter sagte zu, den Gesprächsfaden mit der LSW im November aufzunehmen. Den Merkposten für etwaigen Grunderwerb hielt auch Ritter für unnötig: Das Thema werde angeschoben, das könne man auch so protokollieren, und es sei gängige Praxis, zur Not eine überplanmäßige Ausgabe zu beschließen, wenn es plötzlich schnell gehen müsse mit dem Kauf einer Fläche oder Immobilie.

Uneinigkeit gab es auch in Sachen Feuerwehr Rade: Bei drei Gegenstimmen aus der CDU wurden 135.000 Euro für den Anbau eines Umkleide- und Sanitärbereichs empfohlen. Einstimmig gingen die Gelder für den Grunderwerb für einen Neubau in Schneflingen (33.000 Euro) und für die Fläche für einen Anbau in Gannerwinkel (5.000 Euro) durch.

VON HOLGER BODEN

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