Helios sieht Wittinger Klinik in niedersächsischer Debatte nicht gefährdet

„Fester Platz in der Krankenhausstruktur“

Das Wittinger Krankenhaus am Abend mit einem hell erleuchteten Eingangsbereich.
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Das Licht bleibt an: Helios sieht für das Wittinger Krankenhaus „einen festen Platz“ in der niedersächsischen Versorgungsstruktur.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen – Es sei ein „Irrglaube“, dass jedes Krankenhaus erhalten bleiben kann, aber man wolle natürlich „keine Schließungsorgie“ auslösen – solches war vergangene Woche aus Hannover zu hören, wo die Landesregierung eine neue Krankenhausstruktur für Niedersachsen plant. Dazu gab es die Prognose, dass in den nächsten zehn Jahren 30 bis 40 der aktuell 168 Kliniken wegfallen könnten.

Auch wer das nicht für eine Schließungsorgie hält, wird bei dem stets sensiblen Thema hellhörig. Muss man sich im Nordkreis mal wieder Sorgen machen um den Fortbestand des Wittinger Krankenhauses? Bei Helios sagt man: Nein, muss man nicht. Auf IK-Anfrage heißt es seitens des Unternehmens: „Als Grund- und Regelversorger hat die Helios Klinik Wittingen für uns einen festen Platz in der Krankenhausstruktur.“

Auch wenn viele Bürger Krankenhäuser als Element der Daseinsfürsorge betrachten – in der Politik spielt stets eine Rolle, dass viele Kliniken unwirtschaftlich arbeiten. Wittingen gehört zum Glück nicht mehr dazu, wie Geschäftsführer Matthias Hahn im Spätsommer letzten Jahres vermelden konnte: Im vergangenen Geschäftsjahr wurden erstmal wieder schwarze Zahlen geschrieben, zusätzliches Personal wurde eingestellt, aktuell investiert der Konzern in das Haus. Helios, so die Antwort aus der Pressestelle, sieht durch die niedersächsischen Strukturpläne keine der drei Kliniken in Wittingen, Gifhorn und Uelzen in Frage gestellt.

In der niedersächsischen Debatte über Standorte wird auch angeführt, dass rund ein Drittel der Kliniken nicht zur Corona-Versorgung beigetragen habe, weil es an technischen oder personellen Kapazitäten fehle. In Wittingen sieht Helios den Verzicht auf Aufnahme von Corona-Patienten als Strategie, an der festgehalten werden soll: „Die Entscheidung dafür hatte auch den Hintergrund, dass die Helios-Klinik in Wittingen im vergangenen Jahr häufig Patienten aus dem Klinikum in Gifhorn übernommen hat, da dieses stark mit Covid-19-Patienten belegt war. Allgemeine Engpässe in der Versorgung von Covid-19-Patienten konnten wir nicht feststellen.“

Eine Möglichkeit, über die in Hannover diskutiert wird, ist die Umwandlung kleinerer, nicht mehr wirtschaftlicher Krankenhäuser in regionale Versorgungszentren mit einer begrenzten Bettenzahl und mit einer Kooperation von ärztlichem und nicht-ärztlichem Fachpersonal, also etwa die Einbindung von Physiotherapeuten. Die Rolle als ein solches regionales Versorgungszentrum hält Helios für Wittingen „prinzipiell“ für denkbar, das Unternehmen betont jedoch gleichzeitig: „Primäres Ziel ist aber der Erhalt als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung.“

Die Landesregierung will das neue Krankenhausgesetz zum 1. Januar 2023 an den Start bringen. Es soll die Möglichkeit eröffnen, eine Klinik zu schließen, die ihrem Versorgungsauftrag nicht mehr gerecht wird. Kritik kommt bereits vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund, der auf die Wichtigkeit medizinischer Versorgung in der Fläche verweist: „Wer medizinische Versorgungszentren statt kleiner Krankenhäuser aufbauen will, muss dies auch konzeptionell vorbereiten und ausfinanzieren – beides ist bisher nicht erkennbar“, moniert NStGB-Präsident Marco Trips.

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