Wittinger Hafen hat neues Rekordjahr hinter sich – und kommt an Kapazitätsgrenzen

Fast 50 Prozent mehr Schiffe

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Verladung gestern Nachmittag: Vor allem dank der Holznachfrage boomt der Wittinger Hafen.

Wittingen. Es geht Schlag auf Schlag im Wittinger Hafen: Ein Greifarm verlädt die letzten Holzstämme auf einen Sattelschlepper, dann ist die Ladefläche voll.

Der Lkw fährt vor, dahinter rollt der nächste an seinen Platz, der Greifarm schwenkt wieder hinüber zum Schiff und packt sich die nächsten Stangenhölzer. Derweil wird 100 Meter weiter schon das nächste vollbeladene Schiff an die Kaikante gewunken.

Die Szene von gestern Nachmittag ist keine Ausnahme. Am Montag sei es sogar noch voller gewesen, sagt Hafenmeister Norbert Schulz, und für den heutigen Mittwoch werde auch wieder reichlich Ladung erwartet. Der Wittinger Hafen macht also da weiter, wo er letztes Jahr aufgehört hat – und 2013 war ein Rekordjahr: Insgesamt wurden 380 000 Tonnen Güter umgeschlagen, davon sind 302 000 Tonnen Schiffsumschlag, der Rest Landumschlag. Zum Vergleich: Das Vorjahr 2012 lief schon richtig gut – und da waren es „nur“ 226 000 Tonnen Schiffs- und 117 000 Tonnen Landumschlag.

Richtig deutlich wird die Steigerung der Betriebsamkeit bei der Zahl der Schiffe, die 2013 am Wittinger Hafen festgemacht haben: 374 bedeuten gegenüber 2012 – da waren es 252 Schiffe – einen Zuwachs von fast 50 Prozent.

Die Hafenanlagen kommen damit immer mehr an ihre Grenzen. „Es war eng“, sagt Johann Prass, Geschäftsführer der OHU, die das Umschlagsgeschäft im Hafen betreibt. Man habe sogar „die eine oder andere Schiffsladung nicht verladen können“ – ein betroffener Kanal-Kapitän musste mit seinem Schiff voller Getreide nach Lüneburg ausweichen. Mitunter, so Prass, sei an der Wittinger Verladekante auch sonnabends gearbeitet worden.

Als Grund für den Boom bezeichnet Prass den hohen Holzverbrauch, vor allem in der Industrie. Das lässt die Preise steigen, und daher lohne sich der Import in immer größerem Maße. So steuern von Lübeck aus derzeit fünf bis sieben Schiffe pro Woche den Wittinger Hafen an, mit Holzlieferungen aus Ostsee-Anrainerstaaten. Ein guter Kunde des Wittinger Hafens beim Holzumschlag ist etwa das Nettgauer Glunz-Werk.

Hätte der Hafen nicht, wie Prass erläutert, Anfang 2013 einen Auftrag für die Verladung von OSB-Platten in Richtung Dänemark verloren, der Landumschlag wäre noch höher gewesen. Und damit auch das gesamte Güteraufkommen.

Langfristig soll der Wittinger Hafen bekanntlich ohnehin erweitert werden. Planungsgelder sollen in den diesjährigen Haushalt eingestellt werden. Zur kurzfristigen Lösung von Kapazitätsproblemen hatte die Stadt als Eigentümerin des Hafengeländes schon vor Jahren ein Auge auf die sanierungsbedürftige Liegestelle an der Freifläche neben der B 244 geworfen. „Diese Liegestelle aufzurüsten, das wäre die günstigste Lösung“, sagt auch Prass.

Doch Eigentümer ist das Wasser- und Schifffahrtsamt – und bisher scheiterte ein Kauf an den unterschiedlichen Preisvorstellungen der Stadt und der Behörde. Stadtbürgermeister Karl Ridder will in diesem Jahr einen neuen Vorstoß für Gespräche unternehmen.

Von Holger Boden

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