Kirche will schlanker werden

Fast-Fusion: Gemeinden Wittingen und Ohrdorf arbeiten an enger Kooperation

Kirche St. Stephanus in Wittingen
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen/Ohrdorf. Die Kirchengemeinden St. Stephanus in Wittingen und St. Laurentius in Ohrdorf planen, noch deutlich enger zusammenzuarbeiten – bis hin zu einem Zusammenschluss in vielen Arbeitsbereichen. „Das wäre eine Stufe unterhalb einer Fusion“, sagt Pastor Dr. Frank Kleinschmidt.

Das Ziel ist eine „Gesamtkirchengemeinde“ – ein neues Modell, mit dem die beiden Gemeinden laut Kleinschmidt innerhalb der Landeskirche Hannovers Vorreiter wären. Bis März, so die Planung, soll der Zusammenschluss nach Möglichkeit vollzogen sein. Dann gäbe es in der neuen Konstellation noch etwa ein Jahr Vorlauf bis zu den nächsten Kirchenvorstandwahlen.

Über das verbundene Pfarramt gibt es schon etliche Berührungspunkte zwischen beiden Kirchengemeinden. In einer Gesamtkirchengemeinde gäbe es auch einen gemeinsamen Kirchenvorstand. Ein Teil der Kompetenzen könnte dabei aber auch vor Ort verbleiben, etwa in Fragen wie Pacht, Land und Gebäudemanagement oder dem freiwilligen Kirchgeld.

Im Detail wird das vom Diskussionsprozess bis März abhängen: „Man muss noch sehen, was in Wittingen und Ohrdorf verbleiben soll“, sagt die Wittinger Kirchenvorstandsvorsitzende Astrid Schach, wohl wissend, dass mancher weitaus mehr als die sprichwörtliche Kirche im Dorf lassen will. „Wir müssen Kompromisse schließen.“ Bislang sei man auf einem konstruktiven Weg.

Hintergrund der Schritte hin zu mehr Zusammenarbeit ist die Erkenntnis, dass die Kirche sich in Zeiten des demografischen Wandels und sinkender Mitgliederzahlen schlanker aufstellen sollte. Diesen Aspekt betont auch die Superintendentin des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen, Dr. Hanna Löhmannsröben: „Wir wollen schlanke Strukturen, denn wir wollen uns um Menschen und inhaltliche Arbeit kümmern, und nicht in erster Linie um uns selbst.“

Kirche St. Laurentius in Ohrdorf

Deshalb wird den Gemeinden viel Freiraum bei der Suche nach Synergien und Kooperationsmöglichkeiten eingeräumt. Im November 2015 hat der Kirchenkreistag ein Regionsmodell verabschiedet, das den Kirchenkreis in sechs etwa gleich große „Regionen“ teilt. Innerhalb dieser Gebiete können Ressourcen gebündelt werden, etwa durch gegenseitige Vertretungen von Pastoren und anderes Zusammenwirken. Auch Ehrenamtliche und der Bereich der Kirchenmusik sollen möglichst entlastet werden. „Es sind viele individuelle Lösungen denkbar“, sagt die Wittinger Pastorin Johanna Wutkewicz.

Auch Löhmannsröben betont, dass „die Prozesse vor Ort steuerbar“ seien, und dass das Zusammengehen von Kirchengemeinden auf deren freiem Willen beruhen müsse. Im Wittinger Raum etwa ist Darrigsdorf mit Wittingen und Ohrdorf auch schon über das verbundene Pfarramt verknüpft, die Darrigsdorfer haben sich aber ansonsten für die Beibehaltung ihrer Eigenständigkeit entschieden.

Schlanker werden – das gilt laut Schach auch für den Bereich der kirchlichen Immobilien: „Wir wollen den Gebäudebestand reduzieren, wir haben zu viele Quadratmeter.“ Entscheidungen seien in dieser Hinsicht noch nicht gefallen, ein Arbeitskreis kümmere sich darum.

Die Gemeinde St. Stephanus lädt am Sonntag, 2. Oktober, zur Gemeindeversammlung im Anschluss an den 10-Uhr-Gottesdienst ein. Im Stephanushaus soll über aktuelle Themen und künftige Entwicklungen gesprochen werden.

Von Holger Boden

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