Prozess um versuchten Mord im Straßenverkehr zwischen Wittingen und Knesebeck

Fast fataler Griff ins Lenkrad?

Wittingen/Hildesheim. Wegen versuchten Mordes und gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr muss sich seit Dienstag ein 26-Jähriger vor dem Landesgericht verantworten.

Am 13. Januar soll er zwischen Wittingen und Knesebeck als Beifahrer ohne Vorwarnung in das Lenkrad eines 19-Jährigen gegriffen haben, der im letzten Moment die Kollision mit einem entgegenkommenden Lastwagen abwenden konnte. Damit, so die Anklage, habe der 26-Jährige seinen und den Tod des Fahrers „billigend in Kauf genommen“.

In einem Wittinger Fitnessstudio hatten sich beide kennengelernt. Der 26-jährige Angeklagte, der derzeit aufgrund der Schwere des Tatvorwurfs und einer möglichen zu erwartenden langjährigen Freiheitsstrafe inhaftiert ist, hatte dort seinen ersten Tag als Auszubildender. Der 19-Jährige war dort Kunde. Weil der Angeklagte nach seiner Aussage vor Gericht an diesem Tag Kopf- und Magenschmerzen hatte, durfte er seinen Arbeitsplatz vorzeitig verlassen und suchte eine Mitfahrgelegenheit. Diese Aussagen wurden auch von dem 19-jährigen Geschädigten bestätigt.

Während der Fahrt soll der Angeklagte nach Aussage des 19-Jährigen dann „komische Sachen“ erzählt haben. Unter anderem habe er behauptet, dass die Leute im Studio „alles Nazis“ seien und dass „Hitler noch lebt“. Daraufhin, so der als Zeuge geladene 19-Jährige, habe er seinen Mitfahrer loswerden wollen. Man einigte sich darauf, dass er ihn am Bahnhof Knesebeck absetzen werde.

Auf der Landstraße Richtung Knesebeck in der Nähe von Eutzen habe der Beifahrer ihm dann ins Lenkrad gegriffen. Dabei habe er „wir müssen das Richtige tun, für Allah“ gerufen, so der Zeuge. Einen Zusammenstoß mit einem auf der Gegenfahrbahn entgegengekommenden Lkw habe er nur abwenden können, weil er nach einem Schlag mit dem Ellenbogen das Lenkrad wieder unter seine Kontrolle bringen und gegensteuern konnte.

Die Aussage des Angeklagten klang anders. Er will nach seinen Worten aufgrund der Fahrweise des 19-Jährigen in Panik geraten sein. Obwohl er den Fahrer mehrere Male gebeten habe, langsamer zu fahren, habe dieser das nicht getan, sagte er vor Gericht.

Zur Sprache kamen auch die psychischen Auffälligkeiten des Angeklagten, die von seiner 49-jährigen Verlobten allerdings entgegen ihrer früheren Aussage vor der Polizei vor Gericht abgeschwächt wurden. Eine weitere Zeugin erschien nicht zum Gerichtstermin. Sie soll am heutigen Donnerstag aussagen.

Dazu ist ein Psychiater als Sachverständiger für ein psychiatrisches Gutachten über den Angeklagten, der bereits sechs stationäre Klinikaufenthalte hinter sich hat, geladen. Das Urteil wird für den kommenden Dienstag erwartet.

Von Burkhard Ohse

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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