Umstritten: die Linde an der Langen Straße in Wittingen

Fällt die Linde oder fällt sie nicht?

Umstritten: die Linde an der Langen Straße.

Wittingen. Fällt die Linde, oder fällt sie nicht? Die Entscheidung des Wittinger Ortsrates, einer Fällung des Baumes vor dem Bistro Cappuccino zuzustimmen, hatte bei vielen Wittingern für Kopfschütteln gesorgt (das IK berichtete). Andere wieder befürworteten das Votum: Wirtschaftsförderung sei an dieser Stelle wichtiger als eine punktuelle Verschlechterung des Stadtbildes.

Das Bistro hatte geltend gemacht, dass die Absonderungen der Linde der Außengastronomie abträglich seien. Der Baum war zuerst da, führten die ins Feld, die es gut mit dem Baummeinen. Als dann argumentiert wurde, die Wurzeln würden den Kanal schädigen, hielten Kritiker dagegen: Das zu beheben sei Behördensache, ein Baum müsse deshalb nicht fallen.

Inzwischen ist aber offenbar wieder fraglich, ob die Linde gefällt wird. Das hat jedoch keine politischen Gründe. Denn das Ortsratsvotum habe in diesem Fall Beschlusskraft, erläuterte Stadtbürgermeister Karl Ridder auf IK-Nachfrage. Anders bei vielen anderen Entscheidungen müsse diese Empfehlung, die das Stadtbild betrifft, nicht mehr vom Verwaltungsausschuss (VA) oder gar vom Stadtrat verifiziert werden. So war das Thema im VA schon auf die Tagesordnung gerutscht, wurde dort aber abgesetzt.

Der Beschluss steht also – doch er war damit verknüpft, dass die Antragsteller sich zur Hälfte an den Kosten beteiligen. In dieser Hinsicht sei aber noch keine Einigung erzielt worden, sagte Ortsbürgermeister Wolfgang Trautmann (SPD) gestern auf IK-Anfrage. Seines Wissens habe die Stadt einen Kanalschaden für etwa 1000 Euro „geregelt“, weil sie als Besitzer des Baumes dazu laut einem Gerichtsurteil verpflichtet sei. Die Verhandlungen des Bauamtes in Sachen Kostenbeteiligung hätten aber bisher zu keinem Ergebnis geführt.

„Wenn keine Einigung erzielt wird, kommt die Sache wieder auf die Tagesordnung“, sagt Trautmann. Dann muss der Beschluss gegebenenfalls revidiert werden. Die für den 26. Juli avisierte Ortsratssitzung dürfte dafür allerdings zu früh kommen. Wegen der Urlaubszeit ruhen derzeit die Verhandlungen des Bauamtes.

Dagegen dürfte am 26. Juli die Diskussion über eine Baumschutzsatzung und ein Kataster schützenswerter Bäume eine Rolle spielen – so zumindest war man in der letzten Sitzung verblieben. Friedrich O. Winkelmann (FWG), der sich für den Baumschutz in der Stadt stark macht, würde damit auch gern eine generelle Frage verknüpft sehen: Wer entscheidet, welche Bäume fallen dürfen – Politik oder Verwaltung? Dabei verweist Winkelmann auf die zur Fällung freigegebene Linde am Freibad und auf seiner Ansicht nach fragwürdigen Ulmen-Fällungen an der Bürgermeister-Heins-Straße. Mit einem Kataster könne man wichtige Bäume „zumindest in den Fokus der Politik rücken“.

Derweil ist seine Unterschriftensammlung für solch ein Kataster für Winkelmann unbefriedigend verlaufen. Listen mit nur rund 70 Unterschriften übergab er in der letzten Bauausschuss-Sitzung an Bauamtsleiter Albert Soltau. Viele Bürger, so Winkelmann, hätten dem Anliegen zugestimmt, letztlich aber nicht unterschreiben wollen.

Von Holger Boden

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