Für Windpark bei Teschendorf müsste bisher angewandte Regel aufgeweicht werden

Fällt die Fünf-Kilometer-Grenze?

Blick vom Teschendorfer Ortseingang nach Westen: Dass dort ein Windpark entstehen soll, gefällt nicht jedem. Foto: Boden

Teschendorf/Küstorf. Schon der Wortlaut der Einladung, die die beiden Ortsvorsteher Christel Linne und Bernd Franke verschickt hatten, ließ es erahnen: „Falschinformationen, windige Interpretationen und Fernduelle tragen nicht dazu bei, Probleme zu lösen.

“ Und entsprechend kontrovers ging es dann auch zur Sache, als Donnerstagabend im Schützenholz ein Info-Abend zu einem möglichen Windpark bei Teschendorf und Küstorf auf der Agenda stand. Die Einwohner sind in dieser Frage ganz offensichtlich gespalten.

Dabei ist noch völlig offen, ob das Projekt überhaupt zum Zuge kommt. Auf der Potenzial-Skizze, die der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) im Januar veröffentlicht hat, ist ein möglicher Windpark Teschendorf dunkelgrün eingezeichnet. Das bedeutet: Wird die Regel angewendet, dass zum nächsten Windpark ein Abstand von fünf Kilometern eingehalten werden soll, dann wird nichts aus dem Vorhaben.

Die ZGB-Vertreter waren zwar verhindert, doch Stadtbürgermeister Karl Ridder brachte aus einem Telefonat mit dem Ersten Verbandsrat Jens Palandt die Nachricht mit, dass eine Reduzierung dieses Fünf-Kilometer-Radius zumindest denkbar sei – auch auf den dunkelgrünen Flächen könnten somit eventuell Windräder realisiert werden.

Möglich ist aber auch, dass in direkter Nachbarschaft ein anderes Projekt entsteht, das dem Teschendorfer Vorhaben Konkurrenz macht: Ridder sagte, auch für Windkraftanlagen auf dem VW-Testgelände liege mittlerweile ein Antrag beim ZGB vor. Dieses Areal werde im Planungsverfahren allerdings behandelt wie jedes andere.

Befürwortet wird das Teschendorfer Projekt von einer Teschendorfer „Interessengemeinschaft“. Die Grundbesitzer in deren Reihen sollen zehn Prozent der Umsätze bekommen – der ehemalige Landvolk-Geschäftsführer Karl Niebuhr als Vertreter der Interessengemeinschaft bestätigte entsprechende Zahlen, die von einem der Kritiker des Vorhabens genannt wurde.

Laut Martin Hardick, der für das Unternehmen „Energiequelle“ die Pläne skizzierte, soll zudem die Gewerbesteuer in Wittingen gezahlt werden, und als Bürgerwindpark solle das Projekt Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Die Grundeigentümer wollten zudem 1500 Euro pro Anlage und Jahr für Teschendorfer Zwecke zur Verfügung stellen.

Die Gegner der Pläne kritisierten das Gehörte als „Werbeveranstaltung“. Ein Kritiker warf Hardick „Intransparenz“ vor, erntete dafür allerdings reichlich Kopfschütteln aus den Reihen anderer Zuhörer. Neben Fundamentalkritik an Windkraft machten die Gegner deutlich, dass sie vor allem Lärmbelästigung und optische Beeinträchtigungen fürchten und damit Einschränkung der Lebensqualität. Ortsvorsteher Franke riet ihnen, ebenfalls eine Interessengemeinschaft zu gründen, um im Planungsprozess ihre Interessen zu vertreten. Er plädierte dafür, einen „Konsens zwischen Wirtschaftlichkeit und Wohnqualität“ zu finden.

Das Planungsverfahren beim ZGB läuft voraussichtlich noch bis 2013. Mitentscheidend wird auch sein, wie sich die Stadt Wittingen in ihrer Bauleitplanung positioniert.

Von Holger Boden

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