Extremes Wetter, teure Kartoffeln

Die Besucher beim Sorten-Sichten.

Darrigsdorf - Von Holger Boden. Die Verbraucher müssen sich auf höhere Preise für Speisekartoffeln einstellen – denn die Wetterextreme der letzten Monate lassen die Ernte in diesem Jahr kleiner ausfallen als gewohnt. Im Isenhagener Land sind die Landwirte mit Mengeneinbußen von etwa 10 Prozent noch recht gut davongekommen, war gestern beim Kartoffelfeldtag bei Darrigsdorf zu hören.

Zu der Veranstaltung auf dem Acker des Darrigsdorfers Ludwig Meyer kam im Laufe des Tages eine dreistellige Zahl von Besuchern, schon das Erntegespräch am Vormittag verfolgten rund 100 Zuhörer. Wolfgang Walter vom Kartoffelzuchtunternehmen Norika gab dabei eine Einschätzung der Branchensituation.

Geht es nach Walter, dann dürfen höhere Preise für Agrarerzeugnisse kein Schreckgespenst sein. Nach wie vor beschäftigen Dumpingpreise des Einzelhandels die Branche, nach wie vor fühlen viele Bauern sich für ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt. Walter forderte eine gesellschaftliche Diskussion über Lebensmittelpreise, in der dem Endkunden der Wert der Produkte bewusst gemacht wird. Als Problem gilt bei den Speisekartoffeln das Oligopol mit bundesweit nur wenigen Großabnehmern.

Dass die Landwirte nun mit höheren Preisen für die Kartoffeln rechnen können – die Rede war von zirka 20 Euro pro Doppelzentner –, löst bei ihnen nicht gleich Jubelstürme aus, denn schließlich werden sie davon in diesem Jahr auch weniger im Lager haben. „Regionsweise gab es Ernteeinbußen von 10 bis 50 Prozent“, sagte der Norika-Experte Dr. Christian Gattner. Aufgrund der „schlagkräftigen Beregnung“ kämen die Landwirte im Gifhorner Nordkreis aber noch vergleichsweise gut weg.

Dass nun weniger und auch eher kleinere Kartoffeln auf den Markt kommen, liegt vor allem am Wetter: Nach der Pflanzung war es im Frühjahr zunächst kalt und feucht. „Dadurch gab es einen erhöhten Infektionsdruck“, so Gattner. Im Mai folgte viel Regen. „Das hat wehgetan“, sagt Ludwig Meyer. Der sehr trockene Juni und der heiße Juli machten die Sache nicht besser. Walter verhehlte aber nicht, dass auch der „Flächendruck durch Biogas“ eine Rolle spielt, wenn auf manchem Acker Mais statt Kartoffeln stehen und damit die Ernte kleiner ausfällt.

Gattner vertrat die Auffassung, dass Landwirte sich künftig womöglich noch besser gegen Wetterextreme absichern müssten, etwa mit Versicherungslösungen. Denn die Schwankungen bedeuteten hohe Einnahmedifferenzen und dies führe dazu, dass größere Investitionen schlechter beherrschbar werden.

Offenbar kann der kluge Bauer aber schon bei der Pflanzung ein wenig vorbauen: Bei der Hitzeverträglichkeit seien in diesem Jahr deutliche Sortenunterschiede erkennbar gewesen, ergänzt Gattner.

Um diese Sorten ging es dann auch beim Fachsimpeln auf dem Versuchsfeld mit 32 Sorten. Dass auch Gäste aus vielen vor allem osteuropäischen Ländern an den Führungen teilnahmen, die auch auf Russisch und Englisch angeboten wurden, zeigt die gewachsene Bedeutung des Kartoffelfeldtages. Am Rande konnten sich die Landwirte über Agrartechnik, Düngung und vieles mehr informieren.

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