Wittinger sammeln Unterschriften gegen das Krähen-Problem – das nicht auf den Wall beschränkt ist

Extremes Krächzen

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Sitzen in Eichen und bringen Wittinger auf die Palme: Saatkrähen.

Wittingen. Jetzt machen die Bürger Druck: In Wittingen ist eine Unterschriftenaktion angelaufen, die eine Lösung des Saatkrähen-Problems zum Ziel hat. Die Initiatoren haben offenbar keine großen Probleme, die erhofften Autogramme zu bekommen.

„Gleich zum Start hatten wir innerhalb eines Tages 50 Unterschriften – bei 51 besuchten Haushalten“, berichtet Rolf-Arno Franke, der als Anwohner der Achterstraße zu den Wittingern gehört, die unmittelbar mit dem Krächzen der Krähenkolonie am Hindenburgwall konfrontiert sind. Neben der Unterschriftensammlung an der Haustür setzen die Sammler auch auf Bögen im Modenhaus Dress, bei den Firmen Rönneberg und Glaubitz (Innenstadt) sowie beim Rechtsanwalt Friedrich O. Winkelmann aus.

Stoßrichtung ist laut Franke eine Lösung des Problems mit legalen Mitteln – also eine Umsiedlung der Vögel. Auf dem Unterschriftenbogen heißt es: „Teilen auch Sie die Meinung, dass Saatkrähen, eine geschützte Tierart, ihren Lebensraum haben sollen, jedoch nicht in der Stadt Wittingen, sondern in ihrem angestammten Lebensraum, außerhalb unserer Stadt in der freien Natur?“ Franke verhehlt nicht, dass er an den Haustüren auch auf Bürger getroffen ist, die sich radikalere Methoden gegen die Krähenkolonien wünschen – ein Unterzeichner habe ihm gleich „ein paar Silvesterkracher“ mitgeben wollen. Frankes Fazit: „Die Leute sind sauer.“

Das liege an dem „extremen Krächzen“, das derzeit umso früher startet, je eher die Sonne aufgeht. Das liege aber auch am Kot der Krähen, so Franke. Nicht nur Terrassen seien betroffen, mancher Anwohner könne sein Auto inzwischen „alle zwei Tage waschen“.

Das Problem ist seit dem Frühsommer letzten Jahres bekannt, Abhilfe bisher nicht in Sicht. Der Verwaltungsausschuss hatte jüngst die Vergabe eines Gutachtens auf Eis gelegt, das den Weg für eine mögliche Umsiedlung bahnen könnte – offenbar auch wegen der unbestimmten Erfolgsaussichten. Es hieß, dass weitere Informationen eingeholt werden sollen. Für die belästigten Bürger ist das alles wenig zufriedenstellend: Sie wissen schon jetzt, dass sie mindestens einen weiteren Sommer mit morgendlicher Ruhestörung vor sich haben.

Mittlerweile werden an den Wallanlagen zwölf Nester gezählt – und dies sind nicht die einzigen in der Innenstadt. Am Parkplatz auf der Rückseite der Sparkasse sind ebenfalls Brutplätze in einem hohen Baum auszumachen, gleiches gilt neben der St. Stephanuskirche. Und auch am Kindergarten sind zwei Nester.

Der Jurist Winkelmann, Bürgervertreter im Wirtschaftsausschuss, sieht es als Aufgabe der Stadt an, die Sachlage so aufzubereiten, dass ein Antrag an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Gifhorn auf Umsiedlung Erfolg hat. Ihm ist bewusst, dass mancher in Wittingen die Sache lieber auf rustikalere Art regeln würde. Ein Antrag auf Abschuss werde aber aus rechtlichen Gründen keinen Erfolg haben, meint er. Auch eine Vergrämung sei voraussichtlich nicht zielführend: „Das führt zur Zersplitterung der Kolonie.“ Soll heißen: Das Problem verlagert sich dann auf andere Bereiche der Stadt.

Winkelmann glaubt, dass ein Maßnahmenbündel helfen könnte, zu dem neben der Umsiedlung auch das Angebot von Horstbäumen gehören könne. Und dass – in Ermangelung von natürlichen Feinden der Saatkrähen – auch Greifstände für Raubvögel helfen könnten, die in der Nähe von Fressplätzen der Vögel postiert werden.

Von Holger Boden

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